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Nervenverletzungen beim Piercing
Beim Piercen werden Haut und tiefer liegende Gewebeschichten durchstochen.
Dabei verlaufen je nach Körperregion auch:
- sensible Nervenfasern,
- kleine Hautnerven,
- motorische Nervenäste,
- Nerven in unmittelbarer Nähe von Blutgefäßen und Muskeln.
Eine echte relevante Nervenverletzung ist bei fachgerecht ausgeführten Piercings insgesamt selten.
Trotzdem können nach einem Piercing vorübergehend:
- Taubheitsgefühl,
- Kribbeln,
- veränderte Berührungsempfindung,
- elektrisierende Schmerzen
auftreten.
Nicht jedes dieser Symptome bedeutet automatisch, dass ein Nerv dauerhaft geschädigt wurde.
Welche Aufgaben haben Nerven?
Nerven übertragen Informationen zwischen Körper und Nervensystem.
Grundsätzlich unterscheidet man unter anderem:
Sensible Nerven
Sie vermitteln beispielsweise:
- Berührung,
- Druck,
- Schmerz,
- Temperatur.
Eine Störung kann zu:
- Taubheit,
- Kribbeln,
- Brennen,
- verändertem Hautgefühl
führen.
Motorische Nerven
Motorische Nerven steuern Muskeln.
Eine relevante Schädigung kann beispielsweise zu:
- Muskelschwäche,
- eingeschränkter Bewegung,
- ungewöhnlicher Asymmetrie
führen.
Solche Symptome sind wesentlich ernster zu beurteilen als eine kleine vorübergehende Gefühlsveränderung direkt am Stichkanal.
Wie kann ein Nerv bei einem Piercing beeinträchtigt werden?
Es gibt verschiedene Möglichkeiten.
Wichtig ist insbesondere die Unterscheidung zwischen:
direkter Nervenverletzung
und
vorübergehender Reizung oder Druckbelastung eines Nervs.
Direkte Nervenverletzung
Eine direkte Verletzung kann entstehen, wenn eine Nadel oder ein anderes Instrument einen Nervenast tatsächlich verletzt.
Je nach Ausmaß können dabei:
- einzelne Nervenfasern,
- ein kleiner Hautnerv
- oder selten ein größerer Nervenast
betroffen sein.
Mögliche unmittelbare Beschwerden können sein:
- plötzlich einschießender Schmerz,
- elektrisierendes Gefühl,
- unmittelbar auftretende Taubheit,
- anhaltendes Kribbeln,
- deutliche Gefühlsveränderung.
Ein solches Symptom beweist jedoch allein noch keine vollständige Nervendurchtrennung.
Nervenreizung durch Schwellung
Nach einem frischen Piercing kann das umliegende Gewebe anschwellen.
Diese Schwellung kann benachbarte kleine Nerven vorübergehend:
- reizen,
- komprimieren,
- unter Druck setzen.
Dadurch können entstehen:
- Kribbeln,
- leichtes Taubheitsgefühl,
- Brennen,
- veränderte Empfindung.
Wenn die Schwellung zurückgeht, können sich solche Beschwerden ebenfalls wieder zurückbilden.
Nervenreizung durch ein Hämatom
Auch ein größeres Hämatom kann Druck auf einen benachbarten Nerv ausüben.
Dann können zusätzlich zur Schwellung auftreten:
- Taubheit,
- Kribbeln,
- Druckschmerz,
- ungewöhnliche Empfindungen.
Ein rasch zunehmendes Hämatom zusammen mit neurologischen Symptomen sollte ärztlich beurteilt werden.
Siehe:
Nervenreizung durch zu engen Schmuck
Ist der Schmuck bei starker Schwellung zu kurz oder drückt erheblich auf das Gewebe, kann dadurch ebenfalls Druck auf oberflächliche Nerven entstehen.
Warnzeichen können sein:
- zunehmend starkes Spannungsgefühl,
- zunehmende Taubheit,
- Kribbeln,
- starke Druckschmerzen,
- einsinkender Schmuck.
Dann sollte die Schmucksituation fachkundig beurteilt werden.
Welche Symptome können auf eine Nervenbeteiligung hinweisen?
Mögliche Symptome sind:
- Taubheitsgefühl,
- Kribbeln,
- Ameisenlaufen,
- Brennen,
- stechender oder elektrisierender Schmerz,
- veränderte Berührungsempfindung,
- ungewöhnliche Überempfindlichkeit.
Bei motorischer Beteiligung können hinzukommen:
- Muskelschwäche,
- Bewegungseinschränkungen,
- asymmetrische Bewegung.
Siehe:
Ist jede Taubheit nach einem Piercing gefährlich?
Nein.
Direkt am Stichkanal können kleine Hautnerven verletzt oder vorübergehend gereizt werden.
Dadurch kann ein begrenzter Bereich zeitweise:
- weniger empfindlich,
- taub,
- kribbelig
sein.
Kleine sensible Nervenäste können sich teilweise erholen.
Entscheidend ist der Verlauf.
Ein kleiner Bereich, dessen Empfindung allmählich zurückkehrt, ist anders zu beurteilen als eine:
- zunehmende,
- großflächige,
- dauerhaft unveränderte
Gefühlsstörung.
Was bedeutet ein elektrisierender Schmerz beim Piercen?
Ein plötzlich einschießender oder elektrisierender Schmerz kann darauf hinweisen, dass ein Nerv oder eine Nervenstruktur mechanisch gereizt wurde.
Ein solcher Schmerz beweist jedoch nicht automatisch eine dauerhafte Nervenschädigung.
Wichtig ist:
Bleiben danach neurologische Beschwerden bestehen?
Beispielsweise:
- anhaltende Taubheit,
- dauerhaftes Kribbeln,
- ungewöhnlich starke Nervenschmerzen,
- Bewegungsstörungen.
Dann sollte medizinisch abgeklärt werden.
Können Nerven wieder heilen?
Das hängt vom Ausmaß der Schädigung ab.
Leichte Reizungen oder Druckschäden können sich vollständig zurückbilden.
Auch teilweise verletzte periphere Nerven besitzen grundsätzlich eine gewisse Regenerationsfähigkeit.
Eine schwere Verletzung oder vollständige Durchtrennung kann dagegen:
- lange Heilungszeiten,
- unvollständige Erholung,
- dauerhafte Gefühlsstörungen
verursachen.
Deshalb lässt sich unmittelbar nach Auftreten eines Symptoms nicht immer sicher vorhersagen, wie vollständig die Erholung sein wird.
Warum ist der Verlauf so wichtig?
Bei neurologischen Symptomen sollte beobachtet werden:
- Wird das Taubheitsgebiet kleiner?
- Nimmt das Kribbeln ab?
- Kommt die normale Empfindung langsam zurück?
- Werden die Schmerzen geringer?
- Bleibt die Beweglichkeit normal?
Eine stetige Besserung spricht eher für eine vorübergehende Reizung.
Eine:
- Verschlechterung,
- Ausbreitung,
- neu auftretende Muskelschwäche
sollte dagegen ärztlich abgeklärt werden.
Wann sollte ärztlich abgeklärt werden?
Eine medizinische Beurteilung ist besonders wichtig bei:
- neu aufgetretener deutlicher Taubheit,
- großflächiger Gefühlsstörung,
- zunehmendem Kribbeln,
- starken elektrisierenden oder brennenden Schmerzen,
- länger anhaltenden neurologischen Beschwerden,
- Muskelschwäche,
- Bewegungseinschränkungen,
- asymmetrischer Gesichtsmotorik,
- neurologischen Beschwerden zusammen mit einem großen Hämatom.
Bei motorischen Ausfällen sollte nicht abgewartet werden.
Was sollte nicht gemacht werden?
Bei Verdacht auf eine Nervenreizung sollte nicht versucht werden:
- den Bereich stark zu massieren,
- den Stichkanal zu drücken,
- den Schmuck ständig zu bewegen,
- selbst mit Nadeln oder Werkzeugen zu untersuchen.
Zusätzliche mechanische Belastung kann das Gewebe weiter reizen.
Der wichtigste Unterschied
Nach einem Piercing können neurologische Beschwerden aus unterschiedlichen Gründen entstehen:
Direkte Verletzung eines Nervs
oder
indirekter Druck beziehungsweise Reizung durch Schwellung, Hämatom oder Schmuck.
Von außen lässt sich dieser Unterschied nicht immer sofort sicher feststellen.
Deshalb ist der Verlauf entscheidend:
Werden die Beschwerden weniger – oder nehmen sie zu beziehungsweise bleiben deutlich bestehen?
Der wichtigste Grundsatz
Eine kleine vorübergehende Gefühlsveränderung unmittelbar am Piercing muss keine dauerhafte Nervenschädigung bedeuten.
Deutliche, anhaltende oder zunehmende neurologische Symptome sollten jedoch nicht ignoriert werden.
Besonders wichtig sind:
- großflächige Taubheit,
- starke Nervenschmerzen,
- Muskelschwäche,
- Bewegungsausfälle.
Diese gehören medizinisch abgeklärt.
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