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uebertragung:sexuell

Sexuelle Übertragung

Sexuelle Kontakte können für frische Oral- und Intimpiercings eine besondere Rolle spielen.

Dabei können mehrere Faktoren gleichzeitig zusammentreffen:

  • direkter Hautkontakt
  • Schleimhautkontakt
  • Speichel
  • Genitalsekrete
  • Blut
  • mechanische Reibung
  • Mikroverletzungen

Dadurch können sowohl Reizungen als auch die Übertragung bestimmter Mikroorganismen begünstigt werden.

Warum ist Sexualkontakt bei frischen Piercings relevant?

Ein frischer Stichkanal ist eine noch nicht vollständig verheilte Wunde.

Durch Sexualkontakt können:

  • zusätzliche Mikroorganismen an den Stichkanal gelangen
  • Schleimhäute mechanisch gereizt werden
  • kleine Gewebeverletzungen entstehen
  • vorhandene Entzündungen verstärkt werden

Das Risiko hängt stark ab von:

  • Piercingstelle
  • Heilungsphase
  • Art des Kontakts
  • Dauer und Intensität
  • vorhandenen Infektionen

Besonders relevante Piercingstellen

Sexuelle Übertragung ist besonders relevant bei:

  • Zungenpiercings
  • Lippenpiercings
  • Cheek-Piercings
  • Intimpiercings
  • Brustwarzenpiercings

Je nach Körperregion unterscheiden sich die möglichen Kontaktwege deutlich.

Speichel

Beim Küssen oder Oralverkehr kommt es zu intensivem Speichel- und Schleimhautkontakt.

Dabei können Mikroorganismen übertragen werden.

Mehr dazu:

Übertragung durch Mund und Speichel

Genitalsekrete

Bei sexuellem Kontakt können frische Intimpiercings mit:

  • Vaginalsekret
  • Präejakulat
  • Ejakulat

in Kontakt kommen.

Diese Flüssigkeiten sind nicht automatisch infektiös.

Ihre Bedeutung hängt davon ab, ob übertragbare Erreger vorhanden sind.

Blut

Frische Piercings können leicht nachbluten.

Zusätzlich können durch Reibung Mikroverletzungen entstehen.

Dadurch kann es zu:

  • Blutkontakt
  • Blut-zu-Blut-Kontakt
  • Kontakt von Blut mit Schleimhaut

kommen.

Mehr dazu:

Übertragung durch Blut

Welche Erreger können sexuell übertragen werden?

Zu sexuell übertragbaren Erregern gehören unter anderem:

  • Herpes-simplex-Viren
  • Humane Papillomviren – HPV
  • HIV
  • Hepatitis B
  • Gonokokken
  • Chlamydien
  • Treponema pallidum – Syphilis
  • weitere Erreger

Nicht alle diese Infektionen zeigen sofort sichtbare Symptome.

Herpes-simplex-Viren

Herpes kann durch direkten Haut- und Schleimhautkontakt übertragen werden.

Mögliche Zeichen sind:

  • Bläschen
  • Brennen
  • Schmerzen
  • Erosionen

Auch symptomfreie Virusabgabe ist möglich.

Bei aktiven Herpesläsionen sollte durch das betroffene Areal nicht gepierct werden.

Humane Papillomviren

HPV kann durch direkten Haut- und Schleimhautkontakt übertragen werden.

Bestimmte Typen können Genitalwarzen verursachen.

Andere Typen sind mit bestimmten malignen Erkrankungen assoziiert.

Warzenartige Veränderungen im Bereich eines Piercings sollten nicht automatisch als:

  • Irritationsbeule
  • Hypergranulation
  • „Wildfleisch“

interpretiert werden.

HIV

HIV kann sexuell übertragen werden.

Relevant sind vor allem:

  • Blut
  • bestimmte Genitalsekrete
  • Schleimhautkontakt

Das Übertragungsrisiko hängt stark von der konkreten Situation ab.

Hepatitis B

Hepatitis B kann ebenfalls sexuell übertragen werden.

Gegen Hepatitis B steht eine wirksame Schutzimpfung zur Verfügung.

Hepatitis C

Hepatitis C wird überwiegend über Blut übertragen.

Eine sexuelle Übertragung ist grundsätzlich möglich, spielt aber im Vergleich zur Blutübertragung eine geringere Rolle.

Bakterielle sexuell übertragbare Infektionen

Auch bakterielle Erreger können sexuell übertragen werden.

Dazu gehören beispielsweise:

  • Chlamydien
  • Gonokokken
  • Treponema pallidum

Solche Erkrankungen können unabhängig vom Piercing bestehen.

Das Piercing ist nicht automatisch die Ursache

Treten nach einem Intim- oder Oralpiercing Beschwerden auf, bedeutet das nicht automatisch:

Das Piercing hat die Infektion verursacht.

Möglich sind auch:

  • bereits vorhandene Infektionen
  • zeitgleich erworbene sexuell übertragbare Infektionen
  • mechanische Reizung
  • Pilzinfektion
  • Kontaktreaktion
  • normale Heilungsreaktion

Mechanische Belastung

Sexualkontakt bedeutet häufig:

  • Reibung
  • Druck
  • Zug
  • Bewegung des Schmucks

Das kann einen frischen Stichkanal:

  • erneut verletzen
  • reizen
  • anschwellen lassen
  • zum Nachbluten bringen

Dadurch kann die lokale Barriere weiter beeinträchtigt werden.

Mikroverletzungen

Kleine Schleimhautverletzungen können mit bloßem Auge nicht sichtbar sein.

Sie können trotzdem Eintrittspforten für Mikroorganismen darstellen.

Frische Intimpiercings

Bei frischen Intimpiercings sollte Sexualkontakt in der frühen Heilungsphase besonders vorsichtig beurteilt werden.

Wichtig sind:

  • möglichst geringe mechanische Belastung
  • Vermeidung von unnötiger Reibung
  • Schutz vor fremden Körperflüssigkeiten
  • Beobachtung auf ungewöhnliche Veränderungen

Barriere-Schutz

Je nach Situation können Barriereprodukte das Risiko bestimmter Übertragungen reduzieren.

Dazu gehören beispielsweise:

  • Kondome
  • Dental Dams

Sie verhindern jedoch nicht jede Form von Haut- oder Schleimhautkontakt.

Schutz ist nicht vollständig

Insbesondere Erreger, die über Hautkontakt übertragen werden können, können auch Bereiche außerhalb einer Barriere betreffen.

Dazu gehören beispielsweise:

  • Herpes
  • HPV

Deshalb bedeutet Barriere-Schutz nicht vollständige Risikofreiheit.

Küssen bei frischen Oralpiercings

Bei frischen Lippen- oder Zungenpiercings kann intensives Küssen problematisch sein.

Dabei kommen zusammen:

  • Fremdspeichel
  • mechanische Belastung
  • Zug am Schmuck
  • Schleimhautkontakt

Oralverkehr bei Oralpiercings

Bei einem frischen Zungen- oder Lippenpiercing kann Oralverkehr zusätzliche Belastungen verursachen.

Möglich sind:

  • Schleimhautkontakt
  • Genitalsekretkontakt
  • mechanische Reizung
  • Fremdkeime

Oralverkehr bei Intimpiercings

Auch bei frischen Intimpiercings kann Oralverkehr:

  • Speichelkontakt
  • Reibung
  • Mikroverletzungen

verursachen.

Brustwarzenpiercings

Auch frische Brustwarzenpiercings können durch:

  • Mundkontakt
  • Speichel
  • Reibung
  • Druck

belastet werden.

Sexuell übertragbare Infektion oder Piercingproblem?

Mögliche Zeichen einer sexuell übertragbaren Infektion können sein:

  • Bläschen
  • Geschwüre
  • ungewöhnlicher Ausfluss
  • warzenartige Veränderungen
  • Schmerzen beim Wasserlassen
  • Schleimhautveränderungen
  • geschwollene Lymphknoten

Diese Symptome können nicht zuverlässig vom Piercer diagnostiziert werden.

Pilzinfektion

Auch Pilzinfektionen können im Genitalbereich auftreten.

Sie sind jedoch keine klassischen sexuell übertragbaren Infektionen.

Mehr dazu:

Pilzinfektionen

Mikroorganismen im Intimbereich

Der Genitalbereich besitzt eine natürliche Mikroflora.

Nicht jeder Keimnachweis bedeutet eine Erkrankung.

Mehr dazu:

Mikroorganismen im Intimbereich

Virale Infektionen

Für sexuelle Übertragung sind besonders verschiedene Viren relevant.

Mehr dazu:

Virale Infektionen

Keine Diagnose durch den Piercer

Ein Piercer kann auffällige Veränderungen erkennen.

Er sollte aber keine Diagnose stellen wie:

  • Herpes
  • HPV
  • Syphilis
  • Gonorrhö
  • Chlamydieninfektion

Solche Diagnosen gehören in medizinische Hände.

Wann sollte medizinisch abgeklärt werden?

Eine medizinische Abklärung ist insbesondere sinnvoll bei:

  • Bläschen
  • Geschwüren
  • warzenartigen Veränderungen
  • ungewöhnlichem Ausfluss
  • starken Schmerzen
  • Schmerzen beim Wasserlassen
  • Fieber
  • geschwollenen Lymphknoten
  • unklaren genitalen Veränderungen
  • Verdacht auf sexuell übertragbare Infektion

Wichtig für die Piercingpraxis

Bei sexuellen Kontakten können:

  • Mikroorganismen übertragen
  • frische Piercings mechanisch belastet
  • Schleimhäute verletzt

werden.

Für frische Oral- und Intimpiercings sind deshalb besonders wichtig:

  • möglichst geringe mechanische Belastung
  • Schutz vor unnötigem Fremdsekretkontakt
  • gute Hygiene
  • keine aktive Piercung durch sichtbar infektiöse Haut- oder Schleimhautveränderungen
  • medizinische Abklärung bei verdächtigen Befunden

Weiterführende Themen: Übertragungswege von Mikroorganismen

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