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uebertragung:selbstkontamination

Selbstkontamination

Unter Selbstkontamination versteht man die Übertragung von Mikroorganismen vom eigenen Körper auf eine andere Körperstelle.

Für Piercings ist dieser Übertragungsweg besonders relevant, weil viele Menschen unbewusst:

  • Gesicht
  • Nase
  • Mund
  • Haare
  • Genitalbereich
  • andere Hautstellen

berühren und anschließend das Piercing anfassen.

Typischer Übertragungsweg

Ein typischer Ablauf ist:

eigene Körperstelle → Hand → Piercing

Beispiele:

  • Nase berühren → Piercing anfassen
  • Mund berühren → Schmuck drehen
  • Haare anfassen → Ohrpiercing berühren
  • Genitalbereich berühren → anderes Piercing reinigen
  • entzündete Hautstelle berühren → Schmuck wechseln

Warum ist Selbstkontamination möglich?

Der menschliche Körper ist an vielen Stellen natürlicherweise mit Mikroorganismen besiedelt.

Dazu gehören beispielsweise:

  • Haut
  • Nasenvorhof
  • Mundhöhle
  • Intimbereich
  • Darmnähe

Diese Mikroorganismen sind an ihrem ursprünglichen Ort häufig harmlos.

Werden sie jedoch in eine frische Wunde eingebracht, können sie unter ungünstigen Bedingungen an einer Infektion beteiligt sein.

Eigene Flora ist nicht automatisch ungefährlich

Es ist ein häufiger Irrtum anzunehmen:

„Das sind meine eigenen Keime, deshalb können sie nicht schaden.“

Auch Mikroorganismen der eigenen Haut- oder Schleimhautflora können an einer anderen Körperstelle problematisch werden.

Entscheidend ist:

  • wo der Mikroorganismus normalerweise lebt
  • wohin er übertragen wird
  • ob dort eine verletzte Barriere besteht

Nase als mögliche Quelle

Der Nasenvorhof kann unter anderem mit:

Staphylococcus aureus

besiedelt sein.

Wenn jemand:

  • Nase berührt
  • danach ein frisches Piercing anfasst

ist eine Selbstübertragung grundsätzlich möglich.

Mehr dazu:

Staphylococcus aureus

Mund als mögliche Quelle

Die Mundhöhle besitzt eine sehr vielfältige Mikroflora.

Nach Kontakt mit:

  • Lippen
  • Zunge
  • Speichel

können Mikroorganismen über die Hände auf andere Piercings übertragen werden.

Mehr dazu:

Keime der Mundhöhle

Genitalbereich als mögliche Quelle

Auch der Intimbereich besitzt eine eigene natürliche Mikroflora.

Durch:

Genitalbereich → Hand → anderes Piercing

können Mikroorganismen auf eine andere Körperregion übertragen werden.

Mehr dazu:

Mikroorganismen im Intimbereich

Darmnahe Mikroorganismen

Im Anal- und Perinealbereich kommen zahlreiche Mikroorganismen vor.

Dazu gehören unter anderem:

  • Enterobakterien
  • Enterokokken
  • anaerobe Bakterien

Nach Toilettengang ist Händehygiene deshalb besonders wichtig.

Haare und Kopfhaut

Auch Haare und Kopfhaut tragen Mikroorganismen.

Zusätzlich können sich dort befinden:

  • Talg
  • Schweiß
  • Hautschuppen
  • Pflegeprodukte

Bei Ohrpiercings kann häufiges Berühren der Haare und anschließendes Anfassen des Piercings zur Übertragung beitragen.

Entzündete Hautstellen

Besonders ungünstig ist:

entzündete Hautstelle → Hand → Piercing

Das gilt beispielsweise bei:

  • Pickeln
  • Furunkeln
  • aufgekratzten Stellen
  • entzündeten Haarfollikeln
  • nässenden Hautveränderungen

Mehrere Piercings

Auch zwischen zwei Piercings kann Selbstkontamination stattfinden.

Beispiel:

entzündetes Piercing A → Hand → gesundes Piercing B

Deshalb sollte bei der Pflege mehrerer Piercings nicht mit demselben:

  • Wattestäbchen
  • Tupfer
  • Kompressenmaterial

zwischen verschiedenen Stellen gearbeitet werden.

Schmuckwechsel

Beim Schmuckwechsel besteht ein erhöhtes Risiko für Selbstkontamination.

Dabei werden gleichzeitig:

  • Hände
  • Schmuck
  • Stichkanal

miteinander in Kontakt gebracht.

Zusätzlich kann der Kanal mechanisch gereizt werden.

Drehen und Verschieben

Unnötiges Drehen oder Verschieben des Schmucks kann:

  • Mikroorganismen von der Oberfläche in den Stichkanal verschieben
  • kleine Gewebeverletzungen verursachen
  • den Heilungsverlauf stören

Deshalb sollte Schmuck nicht routinemäßig bewegt werden.

Krusten entfernen

Auch beim Entfernen von Sekretablagerungen ist Händehygiene wichtig.

Unnötiges:

  • Kratzen
  • Drücken
  • Manipulieren mit Fingernägeln

kann Mikroorganismen einbringen und die Haut zusätzlich verletzen.

Fingernägel

Unter Fingernägeln können sich:

  • Hautreste
  • Schmutz
  • Mikroorganismen

ansammeln.

Deshalb sollte ein Piercing nicht mit Fingernägeln bearbeitet werden.

Smartphone als Zwischenstation

Selbstkontamination kann auch indirekt ablaufen.

Beispiel:

Gesicht → Hand → Smartphone → Hand → Piercing

Das Smartphone kann dadurch als Zwischenstation einer Übertragungskette dienen.

Haustiere

Auch nach Tierkontakt können Mikroorganismen über die Hände weitergegeben werden.

Beispiel:

Tier berühren → Piercing anfassen

Deshalb sollten vor Piercingpflege die Hände gereinigt werden.

Selbstkontamination bei Oralpiercings

Bei Oralpiercings besteht naturgemäß Kontakt mit der eigenen Mundflora.

Zusätzlich können aber durch Hände weitere Mikroorganismen eingebracht werden.

Beispiele:

  • Lippenpiercing mit Fingern drehen
  • Zungenpiercing mit Fingern kontrollieren
  • Schmuck herausnehmen und wieder einsetzen

Selbstkontamination bei Intimpiercings

Bei Intimpiercings können ebenfalls Mikroorganismen der eigenen Flora übertragen werden.

Besonders relevant ist:

  • Händehygiene
  • geringe Manipulation
  • Vermeidung unnötiger Reibung

Selbstkontamination bedeutet nicht automatisch Infektion

Auch hier gilt:

Übertragung ist nicht gleich Infektion.

Damit eine Infektion entsteht, spielen mehrere Faktoren eine Rolle:

  • Art des Mikroorganismus
  • Menge
  • Zustand des Gewebes
  • Durchblutung
  • mechanische Belastung
  • lokale Abwehr

Warum ein frisches Piercing besonders anfällig ist

Ein frischer Stichkanal besitzt noch keine vollständig geschlossene Hautbarriere.

Dadurch können Mikroorganismen leichter:

  • mit Wundflächen in Kontakt kommen
  • in den Kanal gelangen
  • an geschädigtem Gewebe anhaften

Selbstkontamination und Reizung

Nicht jede Verschlechterung nach häufigem Berühren ist eine Infektion.

Häufig kann auch reine mechanische Reizung entstehen durch:

  • Drehen
  • Drücken
  • Kontrollieren
  • Kratzen

Dadurch können:

  • Rötung
  • Schwellung
  • Sekretbildung
  • Irritationsbeulen

entstehen.

Wie lässt sich Selbstkontamination vermeiden?

Wichtige Maßnahmen sind:

  • Piercing möglichst wenig berühren
  • Hände vor notwendiger Pflege reinigen
  • nicht mit Fingernägeln manipulieren
  • unterschiedliche Piercings mit getrennten Materialien pflegen
  • nach Kontakt mit Nase, Mund oder Genitalbereich Hände reinigen
  • nach Toilettengang Hände gründlich reinigen
  • Schmuck nicht unnötig drehen

Pflegeprinzip

Für die Nachsorge gilt:

so viel wie nötig – so wenig Manipulation wie möglich

Eine übermäßige Pflege kann genauso problematisch sein wie unzureichende Hygiene.

Wichtig

Selbstkontamination ist die Übertragung eigener Mikroorganismen auf eine andere Körperstelle.

Typisch ist:

Körperstelle → Hand → Piercing

Besonders relevant sind:

  • Nase
  • Mund
  • Genitalbereich
  • entzündete Hautstellen
  • andere Piercings

Das Risiko lässt sich vor allem reduzieren durch:

  • gute Händehygiene
  • möglichst wenig Berührung
  • getrennte Pflege verschiedener Piercings
  • Vermeidung unnötiger Schmuckbewegung

Weiterführende Themen: Nachsorge nach Piercingstelle

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