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uebertragung:schmierinfektion

Schmierinfektion

Eine Schmierinfektion ist die Übertragung von Mikroorganismen durch direkten oder indirekten Kontakt.

Für Piercings ist dieser Übertragungsweg besonders relevant, weil Mikroorganismen über:

  • Hände
  • Gegenstände
  • Oberflächen
  • Pflegeutensilien
  • Schmuck

an einen frischen oder gereizten Stichkanal gelangen können.

Direkte Schmierinfektion

Bei der direkten Schmierinfektion erfolgt die Übertragung unmittelbar von einer Person oder Körperstelle auf eine andere.

Beispiele:

  • Hand berührt Nasensekret und anschließend das Piercing
  • Hand berührt Mund oder Speichel und danach den Stichkanal
  • Hand berührt eine entzündete Hautstelle und anschließend Schmuck oder Piercing
  • Kontakt mit Körpersekreten und anschließende Berührung des Piercings

Indirekte Schmierinfektion

Bei der indirekten Schmierinfektion erfolgt die Übertragung über einen zwischengeschalteten Gegenstand oder eine Oberfläche.

Mögliche Beispiele sind:

  • Smartphone
  • Türklinke
  • Handtuch
  • Kissen
  • Kopfhörer
  • Brille
  • Helm
  • Werkzeug
  • Schmuck
  • Pflegebehälter

Der typische Ablauf kann sein:

kontaminierte Oberfläche → Hand → Piercing

oder:

kontaminierter Gegenstand → direkte Berührung des Piercings

Warum ist die Schmierinfektion bei Piercings relevant?

Ein frischer Stichkanal besitzt noch keine vollständig wiederhergestellte Hautbarriere.

Dadurch können Mikroorganismen leichter in Kontakt mit tiefer liegendem Gewebe kommen.

Besonders relevant sind Situationen, in denen gleichzeitig:

  • Mikroorganismen übertragen werden
  • der Stichkanal mechanisch gereizt wird
  • kleine Gewebeverletzungen entstehen

Kontamination bedeutet nicht automatisch Infektion

Eine Schmierübertragung führt zunächst zu einer Kontamination.

Das bedeutet:

Mikroorganismen gelangen auf eine Oberfläche oder Wunde.

Eine Infektion entsteht daraus nicht zwangsläufig.

Ob sich eine Infektion entwickelt, hängt unter anderem ab von:

  • Art des Mikroorganismus
  • Keimmenge
  • Zustand der Wunde
  • Gewebeschädigung
  • lokaler Abwehr
  • Durchblutung
  • Fremdkörpern

Hände als zentrale Übertragungsstelle

Die Hände sind häufig das Bindeglied zwischen einer kontaminierten Oberfläche und dem Piercing.

Beispiel:

Smartphone → Hand → Piercing

oder:

Türklinke → Hand → Schmuckwechsel

Mehr dazu:

Übertragung durch Hände

Schmierinfektion im Piercingstudio

Auch im Studio kann eine indirekte Übertragung stattfinden.

Typische Fehlerquellen sind:

  • Berühren von Schubladen mit kontaminierten Handschuhen
  • Berühren von Lampen
  • Anfassen von Flaschen oder Spendern
  • Kontakt mit nicht desinfizierten Arbeitsflächen
  • Wechsel zwischen unreinen und reinen Tätigkeiten ohne Handschuhwechsel
  • Berührung steriler Materialien mit kontaminierten Handschuhen

Kreuzkontamination

Die Schmierinfektion ist eng mit dem Begriff:

Kreuzkontamination

verbunden.

Dabei werden Mikroorganismen unbeabsichtigt von einem kontaminierten Bereich auf einen sauberen Bereich übertragen.

Beispiel:

gebrauchte Instrumente → Handschuh → Schubladengriff → neuer Handschuh → erneute Berührung des Griffes

So können Mikroorganismen über mehrere Stationen weitergegeben werden.

Handschuhe verhindern Schmierinfektion nicht automatisch

Ein Handschuh ist keine dauerhaft sterile Barriere.

Sobald mit dem Handschuh beispielsweise:

  • Smartphone
  • Türgriff
  • Kleidung
  • Gesicht
  • Haar
  • unsterile Fläche

berührt wurde, kann seine Außenseite kontaminiert sein.

Ein kontaminierter Handschuh kann Mikroorganismen genauso weitertragen wie eine Hand.

Gegenstände am Ohr

Bei Ohrpiercings sind beispielsweise relevant:

  • Mobiltelefon
  • Kopfhörer
  • Headsets
  • Brillenbügel
  • Helme
  • Mützen

Diese Gegenstände können:

  • direkten Kontakt mit dem Piercing haben
  • Druck verursachen
  • Mikroorganismen übertragen

Kopfkissen

Auch Bettwäsche ist nicht steril.

Bei frischen Ohrpiercings kommen durch Schlafen auf dem Piercing mehrere Faktoren zusammen:

  • Druck
  • Reibung
  • Wärme
  • Feuchtigkeit
  • Kontakt mit Mikroorganismen

Das Problem ist daher nicht ausschließlich mikrobiologisch, sondern auch mechanisch.

Handtücher

Handtücher können Mikroorganismen aufnehmen und durch Feuchtigkeit ein günstiges Milieu bieten.

Problematisch ist insbesondere:

  • gemeinschaftliche Nutzung
  • feuchte Lagerung
  • wiederholte Verwendung

Für die Piercingpflege sollten saubere Materialien verwendet werden.

Schmuck als mögliche Übertragungsquelle

Schmuck kann ebenfalls Mikroorganismen übertragen.

Das ist besonders relevant bei:

  • Schmuckwechsel
  • Wiedereinsetzen
  • gemeinsam benutztem Schmuck
  • unsauber gelagertem Schmuck

Optisch sauber bedeutet nicht automatisch mikrobiologisch sicher.

Pflegeutensilien

Auch Pflegeutensilien können kontaminiert werden.

Dazu gehören beispielsweise:

  • Wattestäbchen
  • Kompressen
  • Flaschen
  • Sprühköpfe
  • Verschlüsse

Werden diese mit Händen oder Wundsekret kontaminiert, können Mikroorganismen weitergetragen werden.

Mehrfach verwendete Behälter

Pflegeprodukte sollten so verwendet werden, dass der Inhalt möglichst nicht rückkontaminiert wird.

Problematisch kann sein:

  • Kontakt der Öffnung mit dem Piercing
  • Berührung des Sprühkopfs mit der Wunde
  • Einführen benutzter Materialien in einen Behälter

Schmuck drehen und Schmierinfektion

Das Drehen eines Piercings kann zwei Probleme miteinander verbinden:

  • mechanische Verletzung
  • Übertragung von Mikroorganismen

Dabei können Keime von:

  • Hautoberfläche
  • Schmuck
  • Händen

in Richtung Stichkanal verschoben werden.

Selbstkontamination

Eine häufige Form der Schmierinfektion ist die Selbstkontamination.

Dabei werden Mikroorganismen vom eigenen Körper übertragen.

Beispiele:

  • Nase → Hand → Piercing
  • Mund → Hand → Piercing
  • Genitalbereich → Hand → anderes Piercing
  • entzündete Haut → Hand → Schmuck

Mehr dazu:

Selbstkontamination

Welche Mikroorganismen können übertragen werden?

Über Schmierkontakt können zahlreiche Mikroorganismen weitergegeben werden.

Dazu gehören unter anderem:

  • Staphylokokken
  • Streptokokken
  • gramnegative Bakterien
  • Pilze
  • bestimmte Viren

Welche Erreger relevant sind, hängt von der ursprünglichen Kontaminationsquelle ab.

Staphylokokken

Staphylokokken gehören zur natürlichen Hautflora.

Ein wichtiger Vertreter ist:

Staphylococcus aureus

Dieser kann unter anderem:

  • Haut
  • Nasenvorhof
  • Schleimhäute

besiedeln.

Durch Hände kann er grundsätzlich an eine Wunde übertragen werden.

Mehr dazu:

Staphylococcus aureus

Schmierinfektion und virale Erreger

Auch bestimmte Viren können durch direkten oder indirekten Kontakt übertragen werden.

Die Bedeutung hängt jedoch stark vom jeweiligen Virus ab.

Nicht jeder Erreger bleibt auf Oberflächen gleich lange infektiös und nicht jeder wird über Schmierkontakt effizient übertragen.

Mehr dazu:

Virale Infektionen

Wie lässt sich Schmierübertragung vermeiden?

Wichtige Maßnahmen sind:

  • konsequente Händehygiene
  • korrektes Arbeiten mit Handschuhen
  • Flächendesinfektion
  • saubere Arbeitsorganisation
  • Trennung zwischen rein und unrein
  • saubere Aufbewahrung von Schmuck
  • hygienische Verwendung von Pflegeprodukten
  • möglichst wenig unnötige Berührung des Piercings

Für den Kunden

Nach dem Piercen sollte vermieden werden:

  • unnötiges Anfassen
  • Spielen mit dem Schmuck
  • Berühren nach Smartphone-Nutzung
  • Kontakt mit verschmutzten Textilien
  • gemeinschaftliche Handtücher
  • Berühren mit ungewaschenen Händen

Wichtig

Eine Schmierinfektion erfolgt durch direkten oder indirekten Kontakt.

Für Piercings ist besonders wichtig:

Oberfläche → Hand → Piercing

oder:

Gegenstand → Piercing

Die wirksamste Prävention besteht darin, solche Übertragungsketten zu unterbrechen.


Weiterführende Themen: Übertragungswege von Mikroorganismen

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