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uebertragung:mund

Übertragung durch Mund und Speichel

Mundhöhle und Speichel enthalten eine große Zahl unterschiedlicher Mikroorganismen.

Für Piercings ist dieser Bereich besonders relevant bei:

  • Lippenpiercings
  • Zungenpiercings
  • Cheek-Piercings
  • anderen Oralpiercings

Ein frischer Stichkanal kann dabei unmittelbar mit Speichel und der natürlichen Mundflora in Kontakt kommen.

Die Mundhöhle ist nicht steril

Die Mundhöhle besitzt ein komplexes Mikrobiom.

Dazu gehören unter anderem:

  • Streptokokken
  • Staphylokokken
  • Neisserien
  • anaerobe Bakterien
  • verschiedene weitere Bakterien
  • Pilze
  • Viren

Viele dieser Mikroorganismen gehören zur normalen Flora und verursachen unter normalen Bedingungen keine Erkrankung.

Speichel enthält Mikroorganismen

Speichel selbst ist nicht steril.

Er enthält:

  • Mikroorganismen aus der Mundhöhle
  • abgeschilferte Zellen
  • Proteine
  • Enzyme
  • Bestandteile der lokalen Immunabwehr

Beim Kontakt mit einer frischen Piercingwunde können daher Mikroorganismen an den Stichkanal gelangen.

Normaler Speichelkontakt bei Oralpiercings

Bei einem Zungen- oder Lippenpiercing lässt sich der Kontakt mit eigenem Speichel nicht vermeiden.

Das allein bedeutet noch keine Infektion.

Entscheidend sind:

  • Zustand des Gewebes
  • Keimmenge
  • lokale Abwehr
  • mechanische Belastung
  • zusätzliche Fremdkeime

Fremder Speichel

Anders zu bewerten ist zusätzlicher Kontakt mit Speichel anderer Personen.

Dieser kann auftreten durch:

  • Küssen
  • Oralverkehr
  • gemeinsam benutzte Trinkgefäße
  • gemeinsam benutzte Gegenstände

Dadurch können weitere Mikroorganismen übertragen werden, die nicht zur eigenen normalen Mundflora gehören.

Küssen während der Heilungsphase

Bei frischen Lippen- und Mundpiercings kann intensives Küssen problematisch sein.

Dabei kommen zusammen:

  • Fremdspeichel
  • mechanische Belastung
  • Druck
  • Reibung

Dadurch kann der Stichkanal zusätzlich gereizt und mikrobiell belastet werden.

Oralverkehr

Bei Oralverkehr können:

  • Speichel
  • Genitalsekrete
  • Schleimhautkontakt
  • mechanische Belastung

zusammentreffen.

Bei einem frischen Oral- oder Intimpiercing kann dadurch das Risiko für:

  • Reizung
  • Mikroverletzungen
  • Übertragung von Mikroorganismen

steigen.

Mehr dazu:

Sexuelle Übertragung

Welche Mikroorganismen sind besonders relevant?

Im Mund kommen zahlreiche Bakterien vor.

Dazu gehören insbesondere verschiedene:

  • Streptokokken
  • anaerobe Bakterien
  • Mischflora

Mehr dazu:

Keime der Mundhöhle

Streptokokken

Verschiedene Streptokokkenarten gehören zur normalen Mundflora.

Sie können bei geeigneten Bedingungen jedoch auch an Infektionen beteiligt sein.

Mehr dazu:

Streptokokken

Anaerobe Bakterien

In bestimmten Bereichen der Mundhöhle herrschen sauerstoffarme Bedingungen.

Deshalb kommen dort auch anaerobe Mikroorganismen vor.

Besonders relevant sind:

  • Zahnfleischtaschen
  • Zahnbelag
  • tiefe Schleimhautbereiche

Mehr dazu:

Aerobe und anaerobe Mikroorganismen

Candida

Auch Hefepilze können zur Mundflora gehören.

Besonders bekannt ist:

Candida albicans

Unter bestimmten Bedingungen kann es zu einer oralen Candidose kommen.

Mehr dazu:

Pilzinfektionen

Viren im Mund- und Lippenbereich

Auch bestimmte Viren können über direkten Haut- oder Schleimhautkontakt relevant sein.

Dazu gehören beispielsweise:

  • Herpes-simplex-Viren
  • Humane Papillomviren

Mehr dazu:

Virale Infektionen

Herpes-simplex

Herpes-simplex-Viren können typische Bläschen und schmerzhafte Schleimhautveränderungen verursachen.

Bei einer aktiven Herpesinfektion sollte nicht durch den betroffenen Bereich gepierct werden.

Neu auftretende Bläschen im Bereich eines frischen Piercings sollten medizinisch abgeklärt werden.

Mundpflege nach Oralpiercings

Eine gute Mundhygiene ist wichtig.

Sie sollte jedoch nicht mit aggressiver Desinfektion verwechselt werden.

Das Ziel ist:

  • normale Mundhygiene
  • möglichst geringe zusätzliche Reizung
  • Vermeidung unnötiger mechanischer Belastung

Zähneputzen

Regelmäßiges Zähneputzen reduziert:

  • Zahnbelag
  • Speisereste
  • mikrobielle Belastung

Dabei sollte das frische Piercing nicht unnötig mechanisch gereizt werden.

Mundspüllösungen

Mundspüllösungen können je nach Produkt unterschiedliche Wirkstoffe enthalten.

Nicht jede Mundspülung ist für häufige Anwendung an einer frischen Piercingwunde geeignet.

Zu aggressive oder zu häufige Anwendung kann:

  • Schleimhäute reizen
  • Mundflora verändern
  • Trockenheit fördern

Alkoholhaltige Mundspüllungen

Alkoholhaltige Produkte können bei empfindlicher oder frisch verletzter Schleimhaut:

  • Brennen
  • Reizung
  • Trockenheit

verursachen.

Deshalb sollte ihre Verwendung bei frischen Oralpiercings kritisch betrachtet werden.

Speisereste

Nach dem Essen können Speisereste:

  • am Schmuck
  • an Kugeln
  • im Mundbereich

haften.

Regelmäßige normale Mundhygiene hilft, solche Ablagerungen zu reduzieren.

Rauchen

Rauchen kann die Mundschleimhaut zusätzlich belasten.

Mögliche Effekte sind:

  • Reizung
  • schlechtere lokale Durchblutung
  • verzögerte Heilung
  • Veränderungen der Mundflora

Alkohol

Auch alkoholische Getränke können frische Schleimhäute reizen.

Zusätzlich kann Alkohol zu:

  • stärkerer Durchblutung
  • Brennen
  • Schleimhautreizung

beitragen.

Mechanische Belastung

Bei Oralpiercings spielt neben Mikroorganismen auch Mechanik eine große Rolle.

Belastungen entstehen beispielsweise durch:

  • Sprechen
  • Essen
  • Spielen mit dem Schmuck
  • Beißen auf Schmuck
  • Küssen
  • Oralverkehr

Mikroverletzungen können die lokale Schutzbarriere erneut beeinträchtigen.

Schmuckgröße

Besonders bei Zungen- und Lippenpiercings muss Schmuck ausreichend Platz für anfängliche Schwellung bieten.

Zu kurzer Schmuck kann:

  • Druck erzeugen
  • einschneiden
  • einwachsen
  • Gewebe schädigen

Gewebeschäden können wiederum die Anfälligkeit für Infektionen erhöhen.

Speichel als Schutzfaktor

Speichel besitzt auch schützende Eigenschaften.

Er enthält unter anderem:

  • Enzyme
  • Immunglobuline
  • weitere antimikrobielle Bestandteile

Speichel ist deshalb nicht nur eine „Keimquelle“.

Er ist Teil der normalen lokalen Abwehr der Mundhöhle.

Trotzdem keine Desinfektionswirkung

Aus den natürlichen Abwehrfunktionen des Speichels darf jedoch nicht abgeleitet werden:

Speichel desinfiziert eine Wunde.

Speichel enthält selbst zahlreiche Mikroorganismen und sollte nicht gezielt auf andere frische Piercings aufgebracht werden.

Fremdspeichel an anderen Piercings

Es ist nicht sinnvoll, Speichel auf:

  • Ohrpiercings
  • Bauchnabelpiercings
  • Nasenpiercings
  • andere Wunden

aufzubringen.

Dadurch können Mikroorganismen aus der Mundhöhle auf eine andere Körperregion übertragen werden.

Übertragung durch gemeinsam benutzte Gegenstände

Auch indirekte Übertragung kann auftreten.

Beispiele:

  • Trinkflaschen
  • Gläser
  • Besteck
  • Lippenpflegeprodukte

Die praktische Bedeutung hängt vom jeweiligen Erreger und den konkreten Umständen ab.

Speichel und blutübertragbare Erreger

Speichel ist nicht für alle Erreger ein gleich wichtiger Übertragungsweg.

Bei klassischen blutübertragbaren Infektionen wie:

  • Hepatitis B
  • Hepatitis C
  • HIV

ist Blutkontakt deutlich relevanter als normaler Speichelkontakt.

Bluthaltiger Speichel ist jedoch anders zu bewerten als reiner Speichel.

Blut im Mund

Blut kann im Mund auftreten durch:

  • frisches Piercing
  • Zahnfleischbluten
  • Schleimhautverletzungen
  • Zahnbehandlungen

Dadurch können sich Übertragungswege überschneiden:

Speichel + Blut

Mundflora und systemische Infektionen

Mundbakterien können in bestimmten Situationen in die Blutbahn gelangen.

Vorübergehende Bakteriämien können beispielsweise auch nach alltäglichen Vorgängen wie:

  • Zähneputzen
  • Zahnfleischbluten
  • zahnmedizinischen Eingriffen

auftreten.

Das ist nicht gleichbedeutend mit einer Sepsis.

Piercing und Bakteriämie

Auch eine frische orale Wunde kann theoretisch den Eintritt von Bakterien in tiefere Gewebe oder die Blutbahn ermöglichen.

Schwere systemische Komplikationen sind jedoch selten.

Bei:

  • hohem Fieber
  • deutlicher Allgemeinzustandsverschlechterung
  • Kreislaufproblemen

ist eine medizinische Abklärung erforderlich.

Nicht jedes Sekret ist Eiter

Bei Oralpiercings können:

  • Speichel
  • Wundsekret
  • Nahrungsreste
  • Beläge

sichtbar sein.

Diese sollten nicht automatisch als eitrige Infektion interpretiert werden.

Wann ist eine Infektion wahrscheinlicher?

Warnzeichen sind eher:

  • zunehmende Schmerzen
  • deutlich zunehmende Schwellung
  • ausgeprägte Überwärmung
  • eitriges Sekret
  • Fieber
  • starke Allgemeinsymptome

Besondere Vorsicht bei Zungenpiercings

Bei Zungenpiercings kann starke Schwellung medizinisch relevant werden.

Eine rasch zunehmende Schwellung kann:

  • Schlucken erschweren
  • Sprechen erschweren
  • im Extremfall die Atemwege beeinträchtigen

Bei Atemnot oder deutlich fortschreitender Schwellung ist eine sofortige medizinische Beurteilung erforderlich.

Wann sollte medizinisch abgeklärt werden?

Eine ärztliche Abklärung ist insbesondere sinnvoll bei:

  • stark zunehmender Schwellung
  • zunehmenden Schmerzen
  • eitrigem Sekret
  • Fieber
  • Schluckbeschwerden
  • ausgeprägten Schleimhautveränderungen
  • Bläschen
  • Geschwüren
  • Atemproblemen

Wichtig für die Piercingpraxis

Bei Oralpiercings ist Kontakt mit der eigenen Mundflora unvermeidbar.

Das zentrale Ziel besteht deshalb nicht darin, die Mundhöhle „keimfrei“ zu machen.

Wichtiger sind:

  • gute normale Mundhygiene
  • Vermeidung zusätzlicher Fremdkeime
  • möglichst wenig mechanische Belastung
  • Vermeidung aggressiver Überpflege
  • Beobachtung des Heilungsverlaufs
  • rechtzeitige medizinische Abklärung bei Warnzeichen

Weiterführende Themen: Übertragungswege von Mikroorganismen

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