Inhaltsverzeichnis
Pflegeprodukte miteinander kombinieren?
Bei der Piercingpflege werden häufig mehrere Produkte gleichzeitig verwendet.
Typische Kombinationen sind beispielsweise:
- Kochsalzlösung + Piercingspray
- Piercingspray + Antiseptikum
- Antiseptikum + Wundgel
- zwei unterschiedliche Antiseptika
- Mundspülung + Zahnpasta
- Wundspüllösung + Salbe
- Hausmittel zusätzlich zu einem Pflegeprodukt
Das ist nicht automatisch sinnvoll.
Produkte können:
- chemisch miteinander reagieren,
- ihre Wirkung gegenseitig vermindern,
- zu Verfärbungen führen,
- die Haut oder Schleimhaut zusätzlich reizen,
- die Beurteilung einer Reaktion erschweren.
Deshalb gilt:
Pflegeprodukte nicht miteinander mischen oder gleichzeitig auf dieselbe Stelle auftragen, wenn diese Kombination nicht ausdrücklich vorgesehen ist.
Wichtig: Nicht alles miteinander kombinieren
Bei der Piercingpflege entsteht häufig der Eindruck:
„Wenn ein Produkt gut ist, sind zwei Produkte noch besser.“
Das ist falsch.
Mehrere Produkte können:
- unterschiedliche Wirkstoffe enthalten,
- unterschiedliche pH-Werte besitzen,
- verschiedene Tenside enthalten,
- unterschiedliche Zweckbestimmungen haben.
Dadurch können unerwünschte Wechselwirkungen entstehen.
Unsere Grundregel
Ein Piercing sollte möglichst mit einem klaren Pflegekonzept versorgt werden.
Nicht:
morgens Produkt A, mittags Produkt B, abends Produkt C und zusätzlich noch ein Hausmittel.
Je mehr Produkte verwendet werden, desto schwieriger wird es festzustellen:
- welches Produkt geholfen hat,
- welches Produkt gereizt hat,
- welches Produkt mit einem anderen reagiert hat.
Übersicht unserer wichtigsten Produkte
| Produkt / Wirkstoff | Nicht gleichzeitig kombinieren mit | Grund / Hinweis |
|---|---|---|
| Prontolind Spray | andere Sprays, Salben oder Öle | Hersteller rät ausdrücklich von gleichzeitiger Anwendung ab |
| Prontosan | anionische Tenside; bestimmte Seifen, Salben und Öle | mögliche Inkompatibilität laut Hersteller |
| Octenisept / Octenidin | PVP-Iod, z. B. Betaisodona | mögliche braune bis violette Verfärbung |
| Betaisodona / PVP-Iod | Octenidin | nicht gleichzeitig bzw. unmittelbar nacheinander auf gleichen oder benachbarten Stellen |
| Betaisodona / PVP-Iod | Wasserstoffperoxid | gegenseitige Wirkungsabschwächung möglich |
| Betaisodona / PVP-Iod | enzymatische Wundmittel | Wirkungsabschwächung möglich |
| Betaisodona / PVP-Iod | silberhaltige Desinfektionsmittel oder Wundauflagen | Wirkungsabschwächung möglich |
| Chlorhexamed / Chlorhexidin | SLS-haltige Zahnpasta zeitgleich | Chlorhexidinwirkung kann vermindert werden |
| Tyrosur Wundheilgel | nicht routinemäßig mit weiteren lokalen Wirkstoffen kombinieren | Arzneimittel – Kombination nur nach fachlicher Prüfung |
| NaCl 0,9 % | keine typische chemische Inkompatibilität im Rahmen einfacher Spülung bekannt | trotzdem nicht als „Mischlösung“ mit anderen Präparaten herstellen |
Prontolind
Prontolind Spray enthält einen Polyhexanid-Betain-Komplex.
Der Hersteller weist ausdrücklich darauf hin:
Prontolind Spray nicht gleichzeitig mit anderen Sprays, Salben oder Ölen anwenden.
Das bedeutet:
Prontolind sollte nicht routinemäßig gleichzeitig kombiniert werden mit:
- Octenisept,
- Betaisodona,
- Tyrosur Wundheilgel,
- anderen Wundsalben,
- Pflegeölen,
- Teebaumöl.
Wenn Prontolind verwendet wird, sollte es grundsätzlich als eigenständiges Pflegekonzept verwendet werden.
Siehe:
Prontosan
Prontosan enthält:
- Polyhexanid / PHMB,
- Betain.
Der Hersteller nennt Inkompatibilitäten insbesondere mit:
- anionischen Tensiden,
- bestimmten reinigenden Seifen,
- Salben,
- Ölen.
Deshalb sollte Prontosan nicht beliebig mit anderen Produkten gemischt werden.
Besonders ungünstig ist die Idee, mehrere Wundprodukte direkt miteinander in einem Behälter oder auf einer Kompresse zu vermischen.
Siehe:
PHMB und anionische Tenside
PHMB ist kationisch geladen.
Anionische Tenside können mit kationischen Wirkstoffen interagieren.
Dadurch kann die Wirkung beeinträchtigt werden.
Deshalb sollte bei PHMB-haltigen Produkten darauf geachtet werden, ob gleichzeitig:
- Seifen,
- Waschsubstanzen,
- andere tensidhaltige Produkte
verwendet werden.
Mehr dazu:
Octenisept und Betaisodona
Diese Kombination ist besonders wichtig.
Octenisept enthält:
Octenidin
Betaisodona enthält:
Povidon-Iod / PVP-Iod
Die gleichzeitige oder unmittelbar aufeinanderfolgende Anwendung auf derselben oder benachbarten Hautstelle wird nicht empfohlen.
Dabei kann es zu:
- braunen,
- violetten,
- dunklen
Verfärbungen kommen.
Deshalb gilt:
Octenidin und PVP-Iod nicht unmittelbar miteinander kombinieren.
Siehe:
Betaisodona und Wasserstoffperoxid
Povidon-Iod und Wasserstoffperoxid sollten nicht gleichzeitig angewendet werden.
Die Wirkung beider Produkte kann dadurch abgeschwächt werden.
Deshalb gilt:
Betaisodona und Wasserstoffperoxid nicht miteinander kombinieren.
Siehe:
Betaisodona und Silber
Povidon-Iod kann außerdem mit:
- silberhaltigen Desinfektionsmitteln,
- silberhaltigen Wundauflagen
interagieren.
Auch hier kann die Wirkung beeinträchtigt werden.
Eine Kombination sollte daher nicht ohne ausdrückliche fachliche Begründung erfolgen.
Betaisodona und enzymatische Wundmittel
Auch enzymatische Wundbehandlungsmittel können mit Povidon-Iod wechselwirken.
Dabei können sich die Wirkungen gegenseitig vermindern.
Für die normale Piercingpflege besteht ohnehin kein Grund, solche Produkte eigenständig miteinander zu kombinieren.
Chlorhexidin und Zahnpasta
Bei Mundpiercings ist eine andere Wechselwirkung besonders relevant.
Chlorhexidin kann durch anionische Tenside beeinträchtigt werden.
Ein häufiger Bestandteil von Zahnpasta ist:
Sodium Lauryl Sulfate – SLS – Natriumlaurylsulfat.
SLS kann die Wirkung von Chlorhexidin vermindern.
Deshalb sollte eine SLS-haltige Zahnpasta nicht unmittelbar gleichzeitig mit Chlorhexidin verwendet werden.
Möglichkeiten sind:
- zeitliche Trennung,
- Verwendung einer SLS-freien Zahnpasta.
Siehe:
Chlorhexidin nicht einfach mit anderen Mundantiseptika mischen
Auch bei Mundpiercings gilt:
Nicht mehrere antiseptische Mundprodukte gleichzeitig verwenden.
Beispielsweise sollte Chlorhexidin nicht ohne konkreten Grund zusätzlich kombiniert werden mit:
- Octenidin-Mundprodukten,
- anderen antiseptischen Mundspüllösungen,
- selbst gemischten Lösungen.
Ein Wechsel oder eine Kombination sollte fachlich begründet sein.
Tyrosur
Tyrosur Wundheilgel enthält den antibakteriellen Wirkstoff:
Tyrothricin.
Es handelt sich um ein Arzneimittel.
Tyrosur sollte deshalb nicht routinemäßig zusätzlich kombiniert werden mit:
- anderen lokalen Antibiotika,
- antiseptischen Arzneimitteln,
- mehreren Wundgelen,
- verschiedenen Piercingsprays.
Eine solche Mehrfachbehandlung erschwert zudem die Beurteilung:
- ob eine Infektion tatsächlich vorliegt,
- welches Produkt wirkt,
- welches Produkt möglicherweise eine Reizung verursacht.
Siehe:
NaCl 0,9 %
Sterile Kochsalzlösung ist grundsätzlich eine vergleichsweise einfache Spüllösung.
Sie kann verwendet werden zum:
- Spülen,
- Einweichen,
- Entfernen von Sekret.
Das bedeutet jedoch nicht, dass man andere Produkte direkt damit vermischen sollte.
Insbesondere sollte man nicht:
- Antiseptika in Kochsalzlösung verdünnen,
- mehrere Produkte in einer Schale mischen,
- selbst Mischungsverhältnisse herstellen.
Wenn ein Produkt verdünnt werden darf oder muss, muss dies ausdrücklich in seiner Gebrauchsanweisung beschrieben sein.
Wasserstoffperoxid
Wasserstoffperoxid sollte bei Piercings grundsätzlich kritisch betrachtet werden.
Es kann empfindliches Heilungsgewebe reizen und ist für eine normale Piercingpflege nicht erforderlich.
Zusätzlich bestehen bekannte Wechselwirkungen mit Povidon-Iod.
Deshalb:
Nicht mit Betaisodona kombinieren.
Siehe:
Teebaumöl
Teebaumöl sollte nicht zusätzlich zu anderen Pflegeprodukten auf ein frisches oder gereiztes Piercing gegeben werden.
Mögliche Probleme sind:
- Hautreizung,
- allergische Kontaktreaktionen,
- schwer vorhersehbare Konzentration,
- zusätzliche Belastung des Heilungsgewebes.
Insbesondere sollte es nicht als zusätzliche „antibakterielle Verstärkung“ zu:
- Prontolind,
- Octenisept,
- Betaisodona,
- Tyrosur
verwendet werden.
Siehe:
Mehrere Antiseptika gleichzeitig
Grundsätzlich sollten unterschiedliche Antiseptika nicht beliebig kombiniert werden.
Es gilt nicht:
„Zwei Wirkstoffe töten doppelt so viele Keime.“
Mögliche Folgen können sein:
- chemische Inkompatibilitäten,
- Wirkungsverlust,
- Verfärbungen,
- zusätzliche Zytotoxizität,
- stärkere Hautreizung.
Deshalb sollte grundsätzlich ein passendes Produkt gezielt ausgewählt werden.
Hintereinander verwenden ist nicht automatisch sicher
Auch wenn zwei Produkte nicht gleichzeitig gemischt werden, kann eine direkte Anwendung nacheinander problematisch sein.
Ein Beispiel ist:
Octenidin + PVP-Iod
Hier besteht auch bei unmittelbar aufeinanderfolgender Anwendung auf derselben oder benachbarten Stelle eine bekannte Inkompatibilität.
Deshalb reicht die Regel:
„Ich lasse das erste Produkt einfach trocknen.“
nicht immer aus.
Produkte niemals in einer Flasche mischen
Nicht zulässig ist beispielsweise:
- Prontolind + NaCl in einer Sprühflasche,
- Octenisept + Kochsalzlösung,
- Betaisodona + Kochsalzlösung,
- Chlorhexidin + andere Mundspülung,
- mehrere Antiseptika in einem Behälter.
Dadurch können sich verändern:
- Wirkstoffkonzentration,
- pH-Wert,
- Stabilität,
- antimikrobielle Wirkung,
- Haltbarkeit,
- Sterilität.
Das Ergebnis ist keine geprüfte Arzneimittel- oder Medizinproduktformulierung mehr.
Besonders problematisch: „Hausmischungen“
Nicht zusätzlich vermischen mit:
- selbst hergestellter Salzlösung,
- Teebaumöl,
- Alkohol,
- Wasserstoffperoxid,
- ätherischen Ölen,
- Cremes,
- Salben,
- kosmetischen Pflegeprodukten.
Eine Mischung mehrerer Produkte kann völlig andere Eigenschaften haben als die jeweiligen Einzelprodukte.
Wenn bereits mehrere Produkte benutzt wurden
Wenn ein Piercing plötzlich:
- stärker brennt,
- röter wird,
- nässt,
- juckt,
- anschwillt,
und gleichzeitig mehrere Produkte verwendet wurden, sollte die Pflege zunächst überprüft werden.
Wichtige Fragen:
- Welche Produkte wurden verwendet?
- In welcher Reihenfolge?
- Wie häufig?
- Wurden Produkte direkt miteinander gemischt?
- Wurde zusätzlich ein Hausmittel eingesetzt?
Eine Reizung durch Überpflege kann ähnlich aussehen wie eine Verschlechterung des Piercings.
Nicht jede Verschlechterung bedeutet Infektion
Bei zu vielen Pflegeprodukten können entstehen:
- irritative Kontaktreaktionen,
- Austrocknung,
- Überfeuchtung,
- mechanische Reizung durch zu häufige Reinigung,
- allergische Kontaktreaktionen.
Diese Veränderungen dürfen nicht automatisch als bakterielle Infektion interpretiert werden.
Siehe:
Praktische Grundregel für Kunden
1. Ein Pflegekonzept auswählen.
2. Produkte nicht beliebig wechseln.
3. Keine Produkte miteinander mischen.
4. Keine zusätzlichen Hausmittel verwenden.
5. Bei Problemen erst klären, was die Ursache ist.
6. Erst danach gezielt ein anderes Produkt einsetzen.
Schnellübersicht
| Kombination | Bewertung |
|---|---|
| Prontolind + anderes Spray | nicht gleichzeitig verwenden |
| Prontolind + Salbe | nicht gleichzeitig verwenden |
| Prontolind + Öl | nicht gleichzeitig verwenden |
| Prontosan + anionische Tenside | vermeiden |
| Prontosan + reinigende Seifen | vermeiden bzw. Herstellerhinweise beachten |
| Octenisept + Betaisodona | nicht kombinieren |
| Betaisodona + Wasserstoffperoxid | nicht kombinieren |
| Betaisodona + Silberprodukte | nicht kombinieren bzw. fachlich prüfen |
| Betaisodona + enzymatische Wundmittel | nicht kombinieren |
| Chlorhexidin + SLS-Zahnpasta unmittelbar gleichzeitig | vermeiden / zeitlich trennen |
| Tyrosur + weitere lokale Arzneimittel | nur nach fachlicher Prüfung |
| NaCl + anderes Produkt direkt vermischt | nicht selbst herstellen |
| Teebaumöl + Piercingpflege | nicht zusätzlich verwenden |
| mehrere Antiseptika gleichzeitig | grundsätzlich vermeiden |
Der wichtigste Grundsatz
Mehr Produkte bedeuten nicht mehr Sicherheit.
Bei Piercings gilt:
so wenig wie möglich – so viel wie nötig.
Wenn ein Produkt eingesetzt wird, sollte klar sein:
- warum,
- wofür,
- wie lange,
- womit es kombiniert werden darf.
Ungeprüfte Produktmischungen gehören nicht zur professionellen Piercingpflege.
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