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produkte:wasserstoffperoxid

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Wasserstoffperoxid bei Piercings

Wasserstoffperoxid:

H₂O₂

ist ein starkes Oxidationsmittel.

Es wird traditionell zur Reinigung und Desinfektion von Wunden eingesetzt und kommt auch in verschiedenen medizinischen, technischen und kosmetischen Anwendungen vor.

Im Piercingbereich wird Wasserstoffperoxid teilweise auch zur Behandlung von sogenanntem:

„Wildfleisch“

verwendet.

Dabei muss jedoch klar unterschieden werden zwischen:

  • praktischer Anwendung,
  • Wirkmechanismus,
  • wissenschaftlich belegter Wirksamkeit,
  • möglichen Risiken für Gewebe und Schmuck.

Warum Wasserstoffperoxid im Piercingbereich verwendet wird

Wasserstoffperoxid besitzt eine:

oxidative und zellschädigende Wirkung.

Dadurch kann es:

  • Mikroorganismen schädigen,
  • Zellmembranen angreifen,
  • Proteine und Lipide oxidieren,
  • Gewebe oberflächlich schädigen.

Diese Wirkung erklärt, warum Wasserstoffperoxid in der Praxis teilweise eingesetzt wird, um:

überschießendes Granulationsgewebe oberflächlich zu reduzieren.

Eine sichtbare Gewebeverkleinerung ist deshalb grundsätzlich biologisch plausibel.

Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass Wasserstoffperoxid eine:

kontrollierte, sichere und wissenschaftlich etablierte Therapie gegen Hypergranulation

darstellt.

Warum schäumt Wasserstoffperoxid?

Im Gewebe wird Wasserstoffperoxid unter anderem durch das Enzym:

Katalase

zu Wasser und Sauerstoff abgebaut.

Vereinfacht:

2 H₂O₂ → 2 H₂O + O₂

Der entstehende Sauerstoff führt zur typischen:

Bläschen- und Schaumbildung.

Das sichtbare Schäumen ist jedoch:

kein Nachweis einer bakteriellen Infektion

und auch kein Beweis dafür, dass Bakterien vollständig entfernt oder abgetötet wurden.

Konzentration und Einwirkdauer

Wie stark Wasserstoffperoxid wirkt, hängt wesentlich ab von:

  • Konzentration,
  • Einwirkdauer,
  • Häufigkeit der Anwendung,
  • Zustand des Gewebes.

Auch eine gebräuchliche:

3%ige Lösung

kann Wundheilungszellen schädigen.

Eine Anwendung auf intakter Haut ist deshalb anders zu bewerten als ein direkter Kontakt mit:

offenem oder empfindlichem Gewebe im Piercingkanal.

Wirkung auf Wundheilungszellen

Wasserstoffperoxid wirkt nicht selektiv nur auf unerwünschte Mikroorganismen oder überschießendes Gewebe.

Auch für die Heilung wichtige Zellen können geschädigt werden.

Dazu gehören insbesondere:

  • Keratinozyten,
  • Fibroblasten,
  • Endothelzellen,
  • Zellen des Granulationsgewebes.

Keratinozyten

Keratinozyten sind wesentlich an der:

Epithelisierung

beteiligt.

Sie tragen dazu bei, dass sich der Stichkanal während der Heilung mit neuem Epithel auskleidet.

Eine starke oxidative Belastung kann diesen Vorgang beeinträchtigen.

Fibroblasten

Fibroblasten sind unter anderem wichtig für:

  • Kollagenbildung,
  • extrazelluläre Matrix,
  • Gewebestabilisierung.

Auch sie können durch oxidative Prozesse geschädigt werden.

Granulationsgewebe

Granulationsgewebe ist grundsätzlich ein:

normaler Bestandteil der Wundheilung.

Es besteht unter anderem aus:

  • neu gebildeten Kapillaren,
  • Fibroblasten,
  • Bindegewebsmatrix,
  • Immunzellen.

Dieses junge Gewebe ist empfindlich.

Wasserstoffperoxid kann deshalb sowohl:

überschießendes als auch normales Heilungsgewebe

schädigen.

Das entscheidende Problem: keine selektive Wirkung

Wasserstoffperoxid kann nicht zuverlässig unterscheiden zwischen:

unerwünschter Hypergranulation

und:

gesundem Granulations- beziehungsweise Heilungsgewebe.

Eine punktuelle Behandlung kann deshalb zwar sichtbares Gewebe reduzieren, gleichzeitig aber auch:

  • gesunde Wundheilungszellen schädigen,
  • eine neue Entzündungsreaktion auslösen,
  • die Epithelisierung verzögern,
  • den Stichkanal chemisch reizen.

„Wildfleisch“ ist keine eindeutige Diagnose

Der Begriff:

„Wildfleisch“

wird im Piercingbereich häufig verwendet, ist aber keine eindeutige medizinische Diagnose.

Gemeint sein können unter anderem:

  • Hypergranulation,
  • Irritationsbeule,
  • pyogenes Granulom,
  • Granulom,
  • hypertrophe Narbe,
  • Keloid.

Deshalb sollte nicht jede sichtbare Gewebeveränderung mit Wasserstoffperoxid behandelt werden.

Siehe:

„Wildfleisch“ am Piercing – was ist damit gemeint?

Wasserstoffperoxid bei Hypergranulation

Hypergranulation bedeutet, dass Granulationsgewebe:

über das normale Hautniveau hinauswächst.

Das Gewebe ist häufig:

  • weich,
  • feucht,
  • rötlich,
  • stark durchblutet,
  • leicht verletzlich,
  • leicht blutend.

Durch die oxidative Wirkung von Wasserstoffperoxid kann solches Gewebe oberflächlich geschädigt werden.

Dadurch kann es vorübergehend zu einer:

sichtbaren Verkleinerung

kommen.

Dies erklärt die praktische Anwendung im Piercingbereich.

Wissenschaftliche Einordnung

Für die gezielte Behandlung von Hypergranulation werden in der medizinischen Literatur unter anderem beschrieben:

  • Silbernitrat,
  • topische Kortikosteroide,
  • chirurgische Verfahren,
  • Laserbehandlungen.

Wasserstoffperoxid gehört dagegen nicht zu den gut etablierten Standardverfahren zur Behandlung von Hypergranulation.

Für die gezielte Behandlung von Hypergranulation an Piercings mit:

3%igem Wasserstoffperoxid

gibt es keine belastbare klinische Evidenz, die eine sichere und langfristig wirksame Therapie belegt.

Das bedeutet nicht, dass eine sichtbare Wirkung unmöglich ist.

Es bedeutet:

Wirksamkeit und Sicherheit sind nicht ausreichend belegt.

Praktische Anwendung: punktuell oder großflächig

Für die Bewertung ist entscheidend, wie Wasserstoffperoxid angewendet wird.

Es besteht ein großer Unterschied zwischen:

punktueller Anwendung ausschließlich auf überschießendes Gewebe

und:

großflächiger Benetzung des gesamten Piercings beziehungsweise Stichkanals.

Punktuelle Anwendung

Wenn Wasserstoffperoxid in der Praxis mit einem:

Wattestäbchen ausschließlich punktuell

auf überschießendes Gewebe aufgetragen wird, ist die Exposition des übrigen Stichkanals geringer.

Trotzdem bleibt das Problem:

Die Wirkung ist nicht selektiv.

Auch unmittelbar angrenzendes gesundes Gewebe kann geschädigt werden.

Großflächige Anwendung

Wird dagegen das gesamte Piercing mit Wasserstoffperoxid:

  • gespült,
  • benetzt,
  • regelmäßig eingesprüht,

werden auch:

  • Stichkanal,
  • gesundes Granulationsgewebe,
  • umliegende Haut,
  • Schmuckoberfläche

der oxidativen Wirkung ausgesetzt.

Das Risiko unerwünschter Reizung ist dadurch deutlich größer.

Ursache der Hypergranulation zuerst prüfen

Bevor überschießendes Gewebe behandelt wird, sollte geklärt werden, warum es entstanden ist.

Häufige begünstigende Faktoren sind:

  • mechanische Reizung,
  • Druck,
  • Schmuckbewegung,
  • zu langer Schmuck,
  • zu kurzer Schmuck,
  • ungünstiger Stichwinkel,
  • dauerhafte Feuchtigkeit,
  • chronische Entzündung,
  • bakterielle Belastung.

Wenn die Ursache bestehen bleibt, kann das Gewebe:

nach einer oberflächlichen Entfernung erneut auftreten.

Wasserstoffperoxid beseitigt mechanische Ursachen nicht

Wasserstoffperoxid kann keine:

  • falsche Schmucklänge,
  • ungünstige Schmuckform,
  • Winkelspannung,
  • Druckbelastung,
  • Hebelwirkung

korrigieren.

Siehe:

Reizung und mechanische Belastung

Winkel, Spannung und mechanische Belastung

Vergleich mit Silbernitrat

Silbernitrat wird gezielt zur:

chemischen Kauterisation

überschießenden Granulationsgewebes eingesetzt.

Auch Silbernitrat wirkt nicht völlig selektiv.

Seine Anwendung als Kauterisationsmittel ist jedoch medizinisch deutlich besser etabliert als die Behandlung von Hypergranulation mit Wasserstoffperoxid.

Siehe:

Silbernitrat

Vergleich mit Hydrocortison

Topische Kortikosteroide können bei bestimmten Formen von Hypergranulation:

entzündungshemmend und gewebsreduzierend

wirken.

Hydrocortison wirkt dabei grundsätzlich anders als Wasserstoffperoxid.

Wasserstoffperoxid:

schädigt Gewebe oxidativ.

Hydrocortison:

beeinflusst entzündliche und proliferative Prozesse pharmakologisch.

Für topische Kortikosteroide existieren klinische Erfahrungen und einzelne Untersuchungen zur Behandlung von Hypergranulation.

Siehe:

Hydrocortison bei Hypergranulation und Narbengewebe

Pyogenes Granulom beachten

Nicht jede stark rote oder blutende Gewebeveränderung ist Hypergranulation.

Ein:

pyogenes Granulom

kann ebenfalls:

  • kräftig rot,
  • sehr gefäßreich,
  • leicht blutend,
  • schnell wachsend

sein.

Es handelt sich dabei nicht um einfache Hypergranulation.

Bei:

  • schnellem Wachstum,
  • wiederholtem starken Bluten,
  • ungewöhnlicher Form,
  • unklarem Befund

ist eine medizinische beziehungsweise dermatologische Beurteilung sinnvoll.

Wasserstoffperoxid bei normaler Piercingpflege

Für ein normal heilendes Piercing ist Wasserstoffperoxid:

nicht notwendig.

Die Nachsorge sollte möglichst:

  • gewebeschonend,
  • einfach,
  • mechanisch wenig belastend

sein.

Reinigung ist nicht dasselbe wie Antiseptik

Bei einem normal heilenden Piercing besteht die Reinigung vor allem darin:

  • Wundsekret aufzuweichen,
  • Krusten vorsichtig zu entfernen,
  • äußere Verschmutzungen zu beseitigen.

Dafür ist kein stark oxidierendes Mittel notwendig.

Siehe:

Piercing richtig reinigen

Sterile Kochsalzlösung

Zur schonenden mechanischen Reinigung kann sterile:

NaCl-Lösung 0,9 %

verwendet werden.

Sie besitzt keine relevante antiseptische Wirkung, belastet das Heilungsgewebe aber deutlich weniger.

Siehe:

Sterile Kochsalzlösung NaCl 0,9 %

Überpflege

Eine häufige Anwendung von Wasserstoffperoxid kann selbst zu:

chemischer Überpflege

führen.

Dabei kann ein Kreislauf entstehen:

Reizung → stärkere Pflege → weitere Reizung → noch mehr Pflege.

Siehe:

Überpflege – wann wird Pflege zu viel?

Wasserstoffperoxid bei Infektionen

Bei einer tatsächlichen bakteriellen Infektion ist Wasserstoffperoxid:

keine allgemeine Standardtherapie.

Bei:

  • zunehmenden starken Schmerzen,
  • deutlicher Überwärmung,
  • Eiter,
  • fortschreitender Rötung,
  • Fieber,
  • Allgemeinverschlechterung

muss die Infektionssituation gezielt beurteilt werden.

Siehe:

Infektion am Piercing

Abszess

Ein Abszess ist eine:

lokalisierte Eiteransammlung im Gewebe.

Ein Abszess kann nicht zuverlässig dadurch behandelt werden, dass von außen Wasserstoffperoxid aufgetragen wird.

Siehe:

Abszess am Piercing

Knorpelpiercings

Bei deutlich entzündeten Knorpelpiercings ist besondere Vorsicht erforderlich.

Starke:

  • Schwellung,
  • Rötung,
  • Schmerzen,
  • eitrige Sekretion

können auf eine Beteiligung von:

Perichondrium oder Knorpel

hinweisen.

Eine solche Situation sollte nicht durch wiederholte Selbstbehandlung mit Wasserstoffperoxid verzögert werden.

Siehe:

Perichondritis

Wasserstoffperoxid und Piercingschmuck

Wasserstoffperoxid wirkt nicht nur auf Gewebe.

Auch:

Metalloberflächen und Schmuckbeschichtungen

können beeinflusst werden.

Die tatsächliche Reaktion hängt ab von:

  • Metall,
  • Legierung,
  • Oberflächenqualität,
  • Konzentration,
  • Einwirkdauer,
  • Anwendungshäufigkeit,
  • vorhandenen Beschädigungen.

Titan

Titan besitzt normalerweise eine sehr widerstandsfähige:

passive Titanoxidschicht.

Diese Passivschicht schützt das Metall vor Korrosion.

Titan ist deshalb grundsätzlich sehr korrosionsbeständig.

Es ist jedoch nicht unter allen Bedingungen vollständig:

chemisch inert.

Wasserstoffperoxid kann die Titanoxidschicht verändern und unter experimentellen Bedingungen auch Veränderungen der:

Oberflächenstruktur und Rauigkeit

verursachen.

Beobachtung in der Piercingpraxis

In der Piercingpraxis kann beobachtet werden, dass Titanschmuck nach wiederholtem Kontakt mit Wasserstoffperoxid:

matter beziehungsweise fühlbar rauer

werden kann.

Diese Beobachtung ist mit experimentellen Untersuchungen vereinbar, die Veränderungen von Titanoberflächen unter Wasserstoffperoxideinwirkung zeigen.

Wie stark dies tatsächlich auftritt, hängt jedoch ab von:

  • Titanlegierung,
  • Oberflächenpolitur,
  • Konzentration,
  • Kontaktzeit,
  • Häufigkeit der Anwendung.

Deshalb sollte nicht behauptet werden, dass jeder kurze Kontakt mit Wasserstoffperoxid Titanschmuck zwangsläufig sichtbar beschädigt.

Warum eine raue Oberfläche problematisch ist

Piercingschmuck sollte eine möglichst:

glatte und gut polierte Oberfläche

besitzen.

Eine raue Oberfläche kann:

  • Reibung erhöhen,
  • Ablagerungen stärker festhalten,
  • die Reinigung erschweren,
  • empfindliches Heilungsgewebe zusätzlich reizen.

PVD-Beschichtungen

PVD bedeutet:

Physical Vapor Deposition.

Es handelt sich um ein Beschichtungsverfahren und nicht um einen einzigen bestimmten Werkstoff.

Eine hochwertige, vollständig intakte PVD-Schicht kann chemisch sehr widerstandsfähig sein.

Problematisch sind jedoch:

  • Kratzer,
  • Poren,
  • Fehlstellen,
  • mechanische Beschädigungen.

Beschädigungen durch Piercinginstrumente

Beim Einsetzen oder Wechseln von Schmuck können kleine Oberflächenschäden entstehen.

Dies kann beispielsweise geschehen durch:

  • Metallklemmen,
  • Instrumentenkanten,
  • Abrutschen einer Klemme,
  • starken Anpressdruck.

Auch eine:

Micro-Mosquito-Klemme

kann bei ungünstiger Anwendung eine PVD-Beschichtung:

mikroskopisch beschädigen.

Solche Schäden sind nicht immer sofort sichtbar.

Wasserstoffperoxid bei beschädigten PVD-Beschichtungen

Ist die PVD-Beschichtung beschädigt, kann Wasserstoffperoxid an:

  • Kratzern,
  • Poren,
  • Fehlstellen

das darunterliegende Grundmaterial erreichen.

Dadurch können lokal:

oxidative und elektrochemische Reaktionen

begünstigt werden.

In der Praxis kann dies wie eine:

Unterwanderung der Beschichtung

wirken.

Fachlich präziser ist:

An vorhandenen Beschichtungsdefekten kann das darunterliegende Material chemisch reagieren; dadurch kann sich die lokale Oberflächenschädigung weiterentwickeln.

Mechanische und chemische Schädigung können zusammenwirken

Besonders relevant ist die Kombination aus:

mechanischer Vorschädigung und anschließendem Kontakt mit Wasserstoffperoxid.

Beispiel:

  • Ein beschichteter Schmuck wird beim Einsetzen leicht zerkratzt.
  • Die Beschichtung weist dadurch eine kleine Fehlstelle auf.
  • Wasserstoffperoxid erreicht das Grundmaterial.
  • Die lokale Materialveränderung kann sich verstärken.

Dadurch kann aus einer zunächst sehr kleinen Beschädigung eine:

deutlich sichtbarere Oberflächenveränderung

entstehen.

Vergoldeter Schmuck

Bei vergoldetem Schmuck ist Gold selbst:

vergleichsweise chemisch beständig.

Problematisch ist jedoch die dünne Beschichtung.

Vergoldungen können:

  • Poren besitzen,
  • mechanisch beschädigt werden,
  • das darunterliegende Metall freilegen.

Wasserstoffperoxid kann dann vor allem mit dem:

Grundmaterial

reagieren.

Silber und Sterlingsilber

Auch Silber kann Oberflächenreaktionen mit Wasserstoffperoxid zeigen.

Bei Sterlingsilber kommen weitere Legierungsbestandteile hinzu, insbesondere:

Kupfer.

Dadurch können:

  • Oxidationsprozesse,
  • Oberflächenveränderungen,
  • Verfärbungen

auftreten.

Das bekannte schwarze Anlaufen von Silber entsteht jedoch häufig durch:

Silbersulfid

und nicht allein durch Wasserstoffperoxid.

Schmuckoberfläche kontrollieren

Bei Schmuck, der wiederholt mit Wasserstoffperoxid in Kontakt gekommen ist, sollte auf Veränderungen geachtet werden.

Dazu gehören:

  • matte Stellen,
  • fühlbare Rauigkeit,
  • Verfärbungen,
  • Abplatzungen,
  • Beschichtungsschäden,
  • scharfe Kanten.

Deutlich beschädigter Schmuck sollte bei einem heilenden Piercing:

nicht weiterverwendet werden.

Zwei getrennte Risikobereiche

Bei Wasserstoffperoxid müssen deshalb zwei unterschiedliche Bereiche betrachtet werden.

1. Gewebe

Mögliche Probleme:

  • oxidative Zellschädigung,
  • Reizung,
  • verzögerte Epithelisierung,
  • Schädigung von Granulationsgewebe.

2. Schmuck

Mögliche Probleme:

  • Veränderung von Titanoberflächen,
  • zunehmende Rauigkeit,
  • Reaktionen an Beschichtungsdefekten,
  • Veränderungen von Silber oder Legierungen.

Nicht verschiedene Mittel miteinander kombinieren

Wasserstoffperoxid sollte nicht eigenmächtig mit verschiedenen:

  • Antiseptika,
  • Wundmitteln,
  • Salben,
  • Pflegeprodukten

kombiniert werden.

Unterschiedliche Wirkstoffe können sich gegenseitig beeinflussen oder die Gewebebelastung erhöhen.

Siehe:

Pflegeprodukte miteinander kombinieren?

Schnellübersicht

Aussage Einordnung
Wasserstoffperoxid besitzt antimikrobielle Eigenschaften ja
Wasserstoffperoxid wirkt nur gegen Bakterien nein
Schäumen beweist eine Infektion nein
3%iges Wasserstoffperoxid kann Wundheilungszellen schädigen ja
Wasserstoffperoxid kann überschießendes Granulationsgewebe oberflächlich schädigen ja
eine sichtbare Verkleinerung von Hypergranulation ist biologisch plausibel ja
Wasserstoffperoxid ist eine wissenschaftlich etablierte Standardtherapie der Hypergranulation nein
eine punktuelle Anwendung belastet weniger Gewebe als eine großflächige Anwendung ja
Wasserstoffperoxid beseitigt mechanische Ursachen nein
Wasserstoffperoxid kann Titanoberflächen verändern ja
wiederholter Kontakt kann Titanoberflächen rauer machen möglich
jede intakte PVD-Schicht wird durch Wasserstoffperoxid zerstört nein
beschädigte PVD-Schichten können problematischer reagieren ja
mechanische Beschädigung und chemische Einwirkung können zusammenwirken ja
Silber und Silberlegierungen können Oberflächenreaktionen zeigen ja
Wasserstoffperoxid ist für die tägliche Piercingpflege erforderlich nein

Praktische Einordnung

Wasserstoffperoxid wird im Piercingbereich tatsächlich teilweise verwendet, um sogenanntes:

„Wildfleisch“ beziehungsweise überschießendes Granulationsgewebe

zu reduzieren.

Der mögliche Effekt lässt sich durch die:

oxidative Gewebeschädigung

erklären.

Diese Wirkung ist jedoch:

nicht gezielt auf Hypergranulation beschränkt.

Deshalb sollte zwischen einer:

punktuellen Anwendung auf eindeutig überschießendes Gewebe

und einer:

regelmäßigen großflächigen Behandlung des gesamten Piercings

klar unterschieden werden.

Je größer die behandelte Fläche und je häufiger die Anwendung, desto größer ist auch die mögliche Belastung für:

  • gesundes Heilungsgewebe,
  • Stichkanal,
  • Haut,
  • Schmuckoberfläche.

Der wichtigste Grundsatz

Wasserstoffperoxid kann sowohl:

überschießendes Gewebe sichtbar reduzieren

als auch:

gesundes Heilungsgewebe schädigen.

Die praktische Anwendung bei sogenanntem Wildfleisch ist deshalb biologisch erklärbar, aber nicht gleichbedeutend mit einer wissenschaftlich gesicherten Standardtherapie.

Vor einer Behandlung sollte immer zuerst geklärt werden:

  • Liegt tatsächlich Hypergranulation vor?
  • Besteht eine mechanische Ursache?
  • Ist der Stichwinkel korrekt?
  • Ist die Schmucklänge passend?
  • Besteht eine Infektion?
  • Ist die Schmuckoberfläche bereits beschädigt?

Bei unklaren, stark blutenden, schnell wachsenden oder immer wiederkehrenden Veränderungen sollte eine:

medizinische beziehungsweise dermatologische Beurteilung

erfolgen.


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