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Pflegeprodukte aus Tattoo- und Piercingstudios kritisch prüfen

Viele Tattoo- und Piercingstudios verkaufen eigene oder zugekaufte Pflegeprodukte.

Das kann grundsätzlich sinnvoll sein.

Ein im Studio verkauftes Produkt ist jedoch nicht automatisch deshalb geeignet, weil es:

  • vom Piercer empfohlen wird,
  • einen Piercingnamen trägt,
  • als „Aftercare“ bezeichnet wird,
  • im Studioregal steht.

Ein kommerzielles Verkaufsinteresse ersetzt keine fachliche Beurteilung des Produktes.

Studio-Empfehlung ist kein Wirksamkeitsnachweis

Bei jedem Pflegeprodukt sollte geklärt werden:

  • Welche Inhaltsstoffe enthält es?
  • In welcher Konzentration sind relevante Wirkstoffe enthalten?
  • Ist es ein Kosmetikprodukt, Medizinprodukt oder Arzneimittel?
  • Wofür ist es vom Hersteller bestimmt?
  • Darf es mit einem frischen Piercingkanal in Kontakt kommen?
  • Ist es für Schleimhaut geeignet?
  • Ist es steril oder lediglich mikrobiologisch kontrolliert?
  • Welche Warnhinweise und Anwendungseinschränkungen bestehen?

Die Aussage:

„Wir benutzen oder verkaufen das schon lange“

ersetzt diese Informationen nicht.

Besonders bei Eigenmarken genau hinsehen

Einige Studios verkaufen Produkte unter:

  • eigenem Studiolabel,
  • Handelsmarken,
  • privaten Markenbezeichnungen.

Dadurch ist für den Kunden manchmal nicht sofort erkennbar:

  • wer der tatsächliche Hersteller beziehungsweise die verantwortliche Person ist,
  • welche genaue Formulierung verwendet wird,
  • welche Zweckbestimmung das Produkt besitzt.

Bei einem kosmetischen Produkt muss jedoch eine Inhaltsstoffliste vorhanden sein.

Die Bestandteile werden üblicherweise nach der internationalen INCI-Nomenklatur angegeben.

Auch Angaben zur verantwortlichen Person, zu besonderen Vorsichtsmaßnahmen und weitere gesetzlich vorgeschriebene Kennzeichnungen müssen auf Produkt beziehungsweise Verpackung vorhanden sein. :chatgpt-content-reference{index=„0“}

Inhaltsstoffe vor der Anwendung prüfen

Gerade bei Piercingpflege können sehr unterschiedliche Wirkstoffe enthalten sein.

Beispiele sind:

  • PHMB / Polyhexanid,
  • Chlorhexidin,
  • Octenidin,
  • Tenside,
  • Konservierungsstoffe,
  • Panthenol,
  • Pflanzenextrakte,
  • ätherische Öle,
  • Duftstoffe.

Diese Stoffe erfüllen unterschiedliche Aufgaben.

Sie sind nicht automatisch:

  • für jedes Piercing geeignet,
  • für jede Körperregion geeignet,
  • für Schleimhäute geeignet,
  • für eine langfristige Anwendung sinnvoll.

Beispiel Chlorhexidin

Chlorhexidin ist ein antimikrobieller Wirkstoff.

Produkte mit Chlorhexidin werden beispielsweise im Bereich:

  • Mundpflege,
  • Antiseptik,
  • medizinischer Hautbehandlung

eingesetzt.

Das bedeutet jedoch nicht:

Ein chlorhexidinhaltiges Produkt ist automatisch für jedes Piercing geeignet.

Entscheidend sind unter anderem:

  • Konzentration,
  • Produktformulierung,
  • vorgesehene Körperregion,
  • Anwendungsdauer,
  • Herstellerangaben.

Beispiel PHMB / Polyhexanid

PHMB ist ebenfalls antimikrobiell.

Es findet sich beispielsweise in:

  • Prontolind,
  • Prontosan,
  • verschiedenen Wundpflegeprodukten.

Auch hier gilt:

Der Wirkstoff allein sagt noch nicht, ob das konkrete Produkt für eine bestimmte Piercingstelle geeignet ist.

Bei PHMB müssen unter anderem berücksichtigt werden:

  • Konzentration,
  • Einwirkzeit,
  • Gewebesituation,
  • mögliche Knorpelbeteiligung,
  • Zweckbestimmung des Produktes.

Siehe:

PHMB und Betain

„Antibakteriell“ bedeutet nicht automatisch „besser“

Bei einem normal heilenden Piercing ist nicht automatisch ein stark antimikrobielles Produkt erforderlich.

Je nach Situation kann eine einfache sterile Kochsalzlösung ausreichend sein.

Ein zusätzlicher Wirkstoff sollte einen nachvollziehbaren Zweck erfüllen.

Denn jedes zusätzliche Produkt kann auch:

  • reizen,
  • die Hautbarriere beeinflussen,
  • mit anderen Produkten wechselwirken,
  • bei falscher Anwendung unnötig belasten.

Vor dem Kauf nach Informationen fragen

Wer ein Pflegeprodukt im Studio kaufen soll, darf nachfragen:

  • Wie heißt das Produkt genau?
  • Wer stellt es her?
  • Welche Inhaltsstoffe sind enthalten?
  • Für welche Anwendung ist es vorgesehen?
  • Wie lange darf es angewendet werden?
  • Gibt es Kontraindikationen?
  • Gibt es eine Gebrauchsanweisung oder Herstellerinformation?

Bei kosmetischen Produkten sollte die INCI-Inhaltsstoffliste auf Verpackung oder Produktkennzeichnung verfügbar sein. :chatgpt-content-reference{index=„1“}

Bei Medizinprodukten oder Arzneimitteln können zusätzlich:

  • Gebrauchsinformation,
  • Kennzeichnung,
  • Herstellerunterlagen

relevant sein.

Ein separates Sicherheitsdatenblatt ist nicht immer das richtige Dokument

Kunden müssen sich bei einem kosmetischen Produkt nicht zwingend ein Sicherheitsdatenblatt aushändigen lassen.

Wichtiger sind zunächst:

  • vollständige Produktkennzeichnung,
  • INCI-Liste,
  • Hersteller beziehungsweise verantwortliche Person,
  • Zweckbestimmung,
  • Gebrauchsanweisung,
  • Warnhinweise.

Ein Sicherheitsdatenblatt kann bei bestimmten Produkten zusätzliche Informationen liefern, ist aber nicht bei jedem kosmetischen Verbraucherprodukt das zentrale Kundendokument.

Vorsicht bei Produkten ohne klare Deklaration

Besonders kritisch sollte ein Produkt beurteilt werden, wenn:

  • keine nachvollziehbare Inhaltsstoffliste vorhanden ist,
  • der Hersteller oder die verantwortliche Person unklar ist,
  • keine eindeutige Zweckbestimmung erkennbar ist,
  • Anwendungshinweise fehlen,
  • mit medizinischen Wirkungen geworben wird, ohne dass die Produktart dazu passt,
  • das Studio selbst nicht erklären kann, welche Wirkstoffe enthalten sind.

Dann sollte das Produkt nicht allein aufgrund einer Verkaufsempfehlung an einem frischen Piercing verwendet werden.

Ein professionelles Studio sollte sein Produkt kennen

Wer Pflegeprodukte empfiehlt oder verkauft, sollte zumindest erklären können:

  • welche wesentlichen Inhaltsstoffe enthalten sind,
  • welchen Zweck das Produkt erfüllt,
  • für welche Piercingstellen es geeignet ist,
  • wann es nicht verwendet werden sollte,
  • ob und wie es mit anderen Produkten kombiniert werden darf.

Gerade bei Produkten mit antimikrobiellen Wirkstoffen ist dies besonders wichtig.

Verkaufsprodukt und fachliche Empfehlung trennen

Dass ein Studio an einem Produkt verdient, macht das Produkt nicht automatisch schlecht.

Umgekehrt beweist der Verkauf im Studio aber auch nicht:

  • Wirksamkeit,
  • besondere Verträglichkeit,
  • Überlegenheit gegenüber einfacheren Produkten.

Deshalb sollte die Empfehlung immer nach dem tatsächlichen Bedarf des Piercings erfolgen.

Die entscheidende Frage ist:

„Warum braucht dieses Piercing genau dieses Produkt?“

und nicht:

„Welches Produkt wird im Studio verkauft?“

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