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Kosmetikprodukte bei Piercings

Im Piercingbereich werden zahlreiche Produkte als:

  • Aftercare,
  • Pflegespray,
  • Reinigungsspray,
  • Hautpflege,
  • Piercingpflege

angeboten.

Ein Teil dieser Produkte wird rechtlich als:

kosmetisches Mittel

eingestuft.

Die Bezeichnung „Kosmetikprodukt“ bedeutet dabei weder automatisch:

  • geeignet,
  • ungeeignet,
  • medizinisch wirksam,
  • wirkungslos.

Entscheidend sind immer:

  • Inhaltsstoffe,
  • Zweckbestimmung,
  • Wirkstoffkonzentration,
  • vorgesehene Anwendung,
  • Körperregion,
  • Gewebezustand.

Was ist ein kosmetisches Mittel?

Kosmetische Mittel dienen unter anderem dazu:

  • zu reinigen,
  • zu pflegen,
  • zu schützen,
  • Haut in gutem Zustand zu halten.

Sie sind nicht automatisch dafür bestimmt:

  • bakterielle Infektionen zu behandeln,
  • Abszesse zu therapieren,
  • Perichondritis zu behandeln,
  • eine Antibiotikatherapie zu ersetzen.

Mehr zur rechtlichen und funktionellen Einordnung:

Zweckbestimmung – wofür ist ein Produkt vorgesehen?

Kosmetik ist nicht automatisch steril

Ein kosmetisches Produkt muss nicht automatisch steril sein.

Es kann:

  • hygienisch hergestellt,
  • mikrobiologisch kontrolliert,
  • konserviert

sein, ohne steril zu sein.

Bei einem frischen Piercing sollte deshalb geprüft werden:

  • Wird Sterilität ausdrücklich zugesichert?
  • Wie wird das Produkt nach dem Öffnen vor Kontamination geschützt?
  • Für welche Anwendung ist das Produkt vorgesehen?

Mehr dazu:

Sterilität – was bedeutet das?

Worauf sollte man bei einem kosmetischen Piercingprodukt achten?

Geprüft werden sollten insbesondere:

  • vollständige Inhaltsstoffliste,
  • Zweckbestimmung,
  • Hersteller beziehungsweise verantwortliche Person,
  • Anwendungshäufigkeit,
  • Anwendungsdauer,
  • Haltbarkeit nach Anbruch,
  • Verpackungssystem,
  • mögliche Reizstoffe,
  • mögliche Wechselwirkungen,
  • Eignung für Haut oder Schleimhaut.

Pflegeprodukte aus Tattoo- und Piercingstudios kritisch prüfen

Viele Tattoo- und Piercingstudios verkaufen eigene oder zugekaufte Aftercare-Produkte.

Das kann grundsätzlich sinnvoll sein.

Ein Produkt ist jedoch nicht automatisch deshalb geeignet, weil es:

  • im Piercingstudio verkauft wird,
  • ein Studio-Label trägt,
  • vom Piercer empfohlen wird,
  • als „Aftercare“ bezeichnet wird.

Ein Verkaufsprodukt sollte fachlich genauso geprüft werden wie jedes andere Produkt.

Studio-Eigenmarken und Private Label

Einige Studios verkaufen Pflegeprodukte unter:

  • eigenem Studiolabel,
  • Handelsmarken,
  • Private-Label-Bezeichnungen.

Für Kunden ist dadurch nicht immer sofort erkennbar:

  • wer das Produkt tatsächlich herstellt,
  • wer für das Produkt verantwortlich ist,
  • welche Formulierung verwendet wird,
  • welche Wirkstoffe enthalten sind,
  • in welcher Konzentration relevante Wirkstoffe vorliegen.

Deshalb sollten die Produktinformationen nachvollziehbar sein.

Inhaltsstoffe müssen bekannt sein

Bevor ein Pflegeprodukt an einem frischen oder problematischen Piercing verwendet wird, sollte geklärt werden:

  • welche Inhaltsstoffe enthalten sind,
  • welcher Wirkstoff enthalten ist,
  • in welcher Konzentration relevante Wirkstoffe vorliegen,
  • für welche Körperregion das Produkt vorgesehen ist,
  • wie häufig es angewendet werden soll,
  • wie lange es angewendet werden soll,
  • welche Einschränkungen oder Warnhinweise bestehen,
  • ob bekannte Wechselwirkungen mit anderen Produkten bestehen.

Bei kosmetischen Produkten sollte eine vollständige:

INCI-Inhaltsstoffliste

vorhanden sein.

Was bedeutet INCI?

INCI steht für:

International Nomenclature of Cosmetic Ingredients.

Über die INCI-Liste lassen sich die verwendeten kosmetischen Inhaltsstoffe nachvollziehen.

Für die fachliche Bewertung eines Produkts ist die INCI-Liste wichtig, weil sie erkennen lässt, welche Stoffe tatsächlich enthalten sind.

Die INCI-Liste allein beantwortet jedoch nicht immer:

  • in welcher Konzentration ein Stoff enthalten ist,
  • welche Wirkung der Hersteller konkret beabsichtigt,
  • ob das Produkt für ein bestimmtes Piercing geeignet ist.

Deshalb müssen Inhaltsstoffliste und Zweckbestimmung gemeinsam beurteilt werden.

Typische Wirkstoffe und Zusatzstoffe

Je nach Produkt können beispielsweise enthalten sein:

  • PHMB / Polyhexanid,
  • Chlorhexidin,
  • Octenidin,
  • Tenside,
  • Panthenol,
  • Konservierungsstoffe,
  • Pflanzenextrakte,
  • ätherische Öle,
  • Duftstoffe.

Diese Stoffe erfüllen unterschiedliche Aufgaben.

Sie sind nicht automatisch:

  • für jedes Piercing geeignet,
  • für jede Piercingstelle geeignet,
  • für Schleimhäute geeignet,
  • für eine langfristige Anwendung sinnvoll.

Chlorhexidin, PHMB und Octenidin sind nicht dasselbe

Diese Wirkstoffe werden gelegentlich miteinander verwechselt.

Chlorhexidin

PHMB / Polyhexanid

und

Octenidin

sind unterschiedliche antimikrobielle Wirkstoffe.

Sie unterscheiden sich unter anderem hinsichtlich:

  • chemischer Struktur,
  • Einsatzgebiet,
  • Konzentration,
  • Verträglichkeit,
  • Anwendungsdauer,
  • Herstellerempfehlung.

Deshalb sollte bei einem Pflegeprodukt immer geklärt werden:

Welcher Wirkstoff ist tatsächlich enthalten?

Die ausführliche Wirkstoffkunde gehört auf die jeweiligen Fachseiten.

Mehr zu PHMB:

PHMB und Betain

Zusatzstoffe kritisch beurteilen

Kosmetische Pflegeprodukte können zusätzliche Bestandteile enthalten.

Dazu gehören beispielsweise:

  • Panthenol,
  • Pflanzenextrakte,
  • Duftstoffe,
  • ätherische Öle,
  • Feuchthaltemittel,
  • Konservierungsstoffe.

Solche Zusätze sind nicht automatisch problematisch.

Bei einem frischen oder empfindlichen Piercing sollte jedoch immer gefragt werden:

Braucht dieses Piercing diesen zusätzlichen Stoff überhaupt?

„Natürlich“ bedeutet nicht automatisch gewebeschonend

Pflanzliche oder natürliche Inhaltsstoffe können ebenfalls:

  • reizen,
  • Kontaktallergien auslösen,
  • Sensibilisierungen begünstigen.

Die Bezeichnung:

„natürlich“

ist deshalb kein Qualitätsnachweis für Piercingpflege.

Studio-Empfehlung ist kein Wirksamkeitsnachweis

Die Aussage:

„Wir verkaufen oder verwenden dieses Produkt schon seit Jahren“

ersetzt keine fachliche Produktbewertung.

Ein professionelles Studio sollte erklären können:

  • warum genau dieses Produkt empfohlen wird,
  • welche wesentlichen Inhaltsstoffe enthalten sind,
  • welchen Zweck das Produkt erfüllt,
  • für welche Piercingstellen es geeignet ist,
  • wann es nicht verwendet werden sollte,
  • wie lange es eingesetzt werden soll.

Verkaufsinteresse und fachliche Empfehlung trennen

Dass ein Studio mit einem Pflegeprodukt Geld verdient, macht das Produkt nicht automatisch schlecht.

Umgekehrt beweist der Verkauf im Studio aber auch nicht:

  • Wirksamkeit,
  • besondere Verträglichkeit,
  • Überlegenheit gegenüber einfacheren Produkten,
  • Eignung für jedes Piercing.

Die Empfehlung sollte sich deshalb am tatsächlichen Bedarf des Piercings orientieren.

Die entscheidende Frage lautet:

Warum braucht dieses Piercing genau dieses Produkt?

und nicht:

Welches Produkt wird im Studio verkauft?

Vor dem Kauf nachfragen

Wer ein Pflegeprodukt im Studio kaufen soll, kann sinnvoll nachfragen:

  • Wie heißt das Produkt genau?
  • Wer stellt es her?
  • Wer ist für das Produkt verantwortlich?
  • Welche Inhaltsstoffe sind enthalten?
  • Welcher Wirkstoff ist enthalten?
  • Wofür ist das Produkt vorgesehen?
  • Wie lange soll es angewendet werden?
  • Gibt es Warnhinweise?
  • Gibt es eine Gebrauchsanweisung oder Herstellerinformation?

Vorsicht bei unklaren Produkten

Besonders kritisch sollte ein Produkt beurteilt werden, wenn:

  • keine nachvollziehbare Inhaltsstoffliste vorhanden ist,
  • Hersteller oder verantwortliche Person unklar sind,
  • keine eindeutige Zweckbestimmung erkennbar ist,
  • Anwendungshinweise fehlen,
  • medizinische Wirkungen versprochen werden, die nicht zur Produktkategorie passen,
  • das Studio selbst nicht erklären kann, welche Wirkstoffe enthalten sind.

Ein solches Produkt sollte nicht allein aufgrund einer Verkaufsempfehlung an einem frischen Piercing verwendet werden.

Ein professionelles Studio sollte sein Produkt kennen

Wer ein Pflegeprodukt empfiehlt oder verkauft, sollte zumindest erklären können:

  • welche wesentlichen Inhaltsstoffe enthalten sind,
  • welchen Zweck das Produkt erfüllt,
  • für welche Piercingstellen es geeignet ist,
  • wann es nicht verwendet werden sollte,
  • wie lange es angewendet werden soll,
  • ob es mit anderen Produkten kombiniert werden darf.

Gerade bei Produkten mit antimikrobiellen Wirkstoffen ist dies besonders wichtig.

„Antibakteriell“ bedeutet nicht automatisch „besser“

Ein unkompliziert heilendes Piercing benötigt nicht automatisch ein antimikrobielles Produkt.

Für die reine mechanische Reinigung kann sterile NaCl-0,9-%-Lösung ausreichend sein.

Mehr dazu:

Sterile Kochsalzlösung NaCl 0,9 % bei Piercings

Ein zusätzlicher Wirkstoff sollte einen nachvollziehbaren Zweck erfüllen.

Mehr Wirkstoffe bedeuten nicht automatisch bessere Heilung.

Salzspray ist nicht automatisch Kosmetik

Ein Salzspray kann:

  • eine einfache sterile NaCl-Lösung,
  • ein Meerwasserprodukt,
  • ein kosmetisches Pflegeprodukt

sein.

Deshalb sollte nicht allein nach dem Produktnamen beurteilt werden.

Die verschiedenen Salzprodukte werden hier verglichen:

Kochsalzlösung, Meerwasser und Salzsprays

Produktwerbung kritisch lesen

Werbeaussagen wie:

  • „antibakteriell“,
  • „biofilmlösend“,
  • „entzündungshemmend“,
  • „heilungsfördernd“,
  • „desinfizierend“

sollten genau geprüft werden.

Es muss unterschieden werden zwischen:

  • Herstellerangabe,
  • Werbeaussage,
  • Laboruntersuchung,
  • klinisch belegter Wirkung.

Eine Werbeaussage ist nicht automatisch gleichbedeutend mit einer klinisch nachgewiesenen Wirkung bei Piercings.

Biofilm-Aussagen bei Pflegeprodukten

Einige Pflegeprodukte werden mit Aussagen zum Thema Biofilm beworben.

Die allgemeine Entstehung und Bedeutung von Biofilm wird nicht auf dieser Seite erklärt.

Mehr dazu:

Biofilm bei Piercings

Bei einem konkreten Produkt muss geprüft werden, ob sich eine Biofilm-Aussage auf:

  • Laboruntersuchungen,
  • Wundbehandlung,
  • bestimmte Mikroorganismen,
  • oder tatsächlich auf Piercings

bezieht.

Kosmetikprodukte ersetzen keine Diagnose

Ein Pflegeprodukt kann nicht feststellen, ob vorliegt:

  • normale Wundheilung,
  • mechanische Reizung,
  • allergische Reaktion,
  • bakterielle Infektion,
  • Abszess,
  • Perichondritis.

Deshalb ist bei zunehmenden Beschwerden zunächst die Ursache entscheidend.

Wann reicht ein kosmetisches Pflegeprodukt nicht aus?

Medizinisch abgeklärt werden sollten insbesondere:

  • deutlich zunehmende Schmerzen,
  • deutlich zunehmende Rötung,
  • ausgeprägte Überwärmung,
  • Eiter,
  • rasch zunehmende Schwellung,
  • Abszessverdacht,
  • Fieber,
  • Krankheitsgefühl,
  • starke Beschwerden an einem Knorpelpiercing.

Ein kosmetisches Produkt ersetzt dann keine medizinische Behandlung.

Siehe:

Infektion am Piercing

Perichondritis

Warnzeichen – wann ärztlich abklären?

Schnellübersicht

Aussage Richtig?
Kosmetik ist automatisch ungeeignet für Piercings nein
Kosmetik ist automatisch steril nein
im Piercingstudio verkauft = automatisch geeignet nein
Studio-Empfehlung ersetzt Herstellerinformation nein
Produkt ohne klare Inhaltsstoffangaben verwenden kritisch
antimikrobieller Wirkstoff = automatisch für jedes Piercing geeignet nein
Zweckbestimmung ist wichtig ja
Inhaltsstoffe sollten nachvollziehbar sein ja
ein professionelles Studio sollte sein Verkaufsprodukt kennen ja

Der wichtigste Grundsatz

Die Frage:

„Wird das Produkt im Piercingstudio verkauft?“

ist für die fachliche Beurteilung nicht entscheidend.

Wichtiger ist:

Was enthält das Produkt, wofür ist es bestimmt und warum soll es bei diesem Piercing eingesetzt werden?

Ein professionelles Studio sollte nicht nur wissen, welches Produkt es verkauft, sondern auch erklären können:

warum dieses Produkt für genau dieses Piercing geeignet ist.


Weiterführende Seiten

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