Inhaltsverzeichnis
Granulationsgewebe – was ist das?
Granulationsgewebe ist ein normaler und wichtiger Bestandteil der Wundheilung.
Es entsteht, wenn der Körper nach einer Verletzung neues Gewebe aufbaut.
Auch bei einem frisch gestochenen Piercing bildet sich im Stichkanal Granulationsgewebe.
Was ist Granulationsgewebe?
Granulationsgewebe ist neu entstehendes Heilungsgewebe.
Es enthält unter anderem:
- neu gebildete kleine Blutgefäße
- Fibroblasten
- Bestandteile der extrazellulären Matrix
- neu entstehendes Kollagen
- Immunzellen
Dieses Gewebe hilft dabei, den verletzten Bereich zu reparieren und den Stichkanal zunehmend zu stabilisieren.
Wie sieht Granulationsgewebe aus?
Granulationsgewebe kann:
- rosa bis rötlich
- weich
- feucht
- leicht glänzend
- empfindlich
wirken.
Da es viele neu gebildete kleine Blutgefäße enthält, kann es bei Berührung relativ leicht bluten.
Granulationsgewebe gehört zur normalen Heilung
Granulationsgewebe entsteht während der Aufbauphase der Wundheilung.
In dieser Phase:
- vermehren sich Fibroblasten
- neue kleine Blutgefäße wachsen ein
- Kollagen und anderes Stützgewebe werden aufgebaut
- der verletzte Bereich wird zunehmend stabilisiert
Bei einem Piercing läuft dieser Prozess entlang des Stichkanals ab.
Granulationsgewebe ist deshalb zunächst kein krankhafter Befund.
Warum sieht man Granulationsgewebe normalerweise kaum?
Bei einer ungestörten Heilung bleibt Granulationsgewebe überwiegend innerhalb des Stichkanals.
Im weiteren Heilungsverlauf wird es umgebaut und durch stabileres Gewebe ersetzt.
Deshalb ist normales Granulationsgewebe von außen häufig kaum sichtbar.
Wann kann Granulationsgewebe sichtbar werden?
Granulationsgewebe kann am Stichkanaleingang sichtbarer werden, wenn der Bereich:
- wiederholt gereizt wird
- mechanisch belastet wird
- unter Druck steht
- häufig Mikroverletzungen erleidet
- dauerhaft feucht bleibt
Dann kann am Ein- oder Austritt rötliches, weiches oder feuchtes Gewebe sichtbar werden.
Die mechanischen Ursachen werden ausführlich hier erklärt:
Warum blutet Granulationsgewebe so leicht?
Granulationsgewebe enthält viele neu gebildete Kapillaren.
Diese Gefäße sind empfindlich und noch nicht so stabil wie vollständig ausgereifte Gefäße.
Deshalb kann das Gewebe bei:
- Reibung
- Hängenbleiben
- kräftiger Reinigung
- Bewegung des Schmucks
leichter bluten.
Granulationsgewebe oder Hypergranulation?
Das ist der wichtigste Unterschied.
Granulationsgewebe gehört grundsätzlich zur normalen Wundheilung.
Hypergranulation entsteht, wenn Granulationsgewebe übermäßig wächst und über das normale Hautniveau hinausragt.
Vereinfacht:
Granulationsgewebe = normaler Bestandteil der Heilung
Hypergranulation = überschießendes Granulationsgewebe
Mehr dazu:
Granulationsgewebe oder Wundwasserblase?
Eine Wundwasserblase wirkt eher:
- blasenartig
- weich
- teilweise durchsichtig
- flüssigkeitsgefüllt
Granulationsgewebe besteht dagegen aus echtem Gewebe.
Granulationsgewebe oder Granulom?
Diese Begriffe klingen ähnlich, bedeuten aber etwas völlig anderes.
Granulationsgewebe ist normales Heilungsgewebe.
Ein Granulom ist dagegen eine spezielle chronisch-entzündliche Gewebereaktion.
Deshalb gilt:
Granulationsgewebe ist kein Granulom.
Soll sichtbares Granulationsgewebe entfernt werden?
Normales Granulationsgewebe sollte nicht:
- abgeschnitten
- abgekratzt
- ausgedrückt
- aufgestochen
- weggeätzt
- abgebrannt
werden.
Es gehört grundsätzlich zum Heilungsprozess.
Wird dieses Gewebe verletzt, können erneut:
- Blutung
- Reizung
- Wundsekret
- weitere Reparaturprozesse
ausgelöst werden.
Was sollte man tun, wenn Granulationsgewebe dauerhaft sichtbar bleibt?
Wenn Granulationsgewebe über längere Zeit sichtbar und empfindlich bleibt, sollte geprüft werden, ob das Piercing weiterhin gereizt wird.
Mögliche Ursachen können sein:
- Druck
- Reibung
- Schlafdruck
- ungeeignete Schmucklänge
- veränderte Schmucklage
- Winkelspannung
- häufiges Hängenbleiben
Die Ursachen mechanischer Reizung werden hier ausführlich erklärt:
Pflege weiterhin schonend durchführen
Die normale Piercingpflege sollte weitergeführt werden.
Verkrustungen nicht trocken entfernen und den Schmuck nicht unnötig bewegen.
Die ausführliche Reinigungsanleitung findest du hier:
Keine aggressiven Mittel verwenden
Granulationsgewebe sollte nicht mit aggressiven Mitteln „ausgetrocknet“ oder weggeätzt werden.
Dazu gehört insbesondere Wasserstoffperoxid.
➡️ Warum Wasserstoffperoxid bei heilenden Piercings problematisch ist
Geht sichtbares Granulationsgewebe wieder zurück?
Ja, das ist möglich.
Wenn die Heilung fortschreitet und die mechanische Reizung nachlässt, kann das Gewebe:
- weniger sichtbar werden
- flacher werden
- weniger empfindlich werden
- sich in stabileres Gewebe umbauen
Wie schnell das geschieht, ist individuell unterschiedlich.
Wann sollte ein Piercer kontrollieren?
Eine professionelle Kontrolle ist sinnvoll, wenn:
- das Gewebe immer wieder sichtbar hervortritt
- das Piercing dauerhaft gereizt ist
- eine Seite deutlich stärker betroffen ist
- der Schmuck schräg liegt
- der Schmuck zu kurz oder sehr lang erscheint
- sich die Schmucklage verändert hat
- Winkelspannung vermutet wird
- die Ursache unklar bleibt
Wann sollte ein Arzt kontrollieren?
Eine medizinische Abklärung ist sinnvoll, wenn:
- das Gewebe sehr schnell wächst
- es wiederholt stark blutet
- starke Schmerzen auftreten
- deutliche Überwärmung besteht
- sich die Rötung ausbreitet
- Eiter austritt
- unklar ist, um welche Gewebeveränderung es sich handelt
Granulom, Hypergranulation oder Irritationsbeule?
Diese Begriffe werden im Piercingbereich häufig miteinander verwechselt.
Eine ausführliche Gegenüberstellung findest du hier:
➡️ Granulom, Hypergranulation oder Irritationsbeule – was ist der Unterschied?
Merke
Granulationsgewebe ist ein normaler Bestandteil der Wundheilung.
Es ist häufig rosa bis rötlich, weich, feucht und leicht verletzlich.
Granulationsgewebe ist nicht dasselbe wie Hypergranulation.
Granulationsgewebe ist kein Granulom.
Bleibt es dauerhaft sichtbar oder empfindlich, sollte nach anhaltender mechanischer Reizung gesucht werden.
Entscheidend ist nicht, normales Granulationsgewebe zu entfernen, sondern die Heilung möglichst wenig weiter zu stören.
