Inhaltsverzeichnis
Piercing richtig reinigen
Ein frisch gestochenes Piercing ist eine heilende Wunde.
Die Reinigung soll den natürlichen Heilungsprozess unterstützen, ohne das empfindliche Heilungsgewebe unnötig zu reizen.
Das Ziel ist nicht:
- ständig zu desinfizieren,
- den Schmuck regelmäßig zu drehen,
- den Schmuck möglichst häufig zu bewegen.
Der wichtigste Grundsatz lautet:
So viel Reinigung wie notwendig – aber so wenig Manipulation wie möglich.
Womit sollte ein frisches Piercing gereinigt werden?
Für die regelmäßige mechanische Reinigung eignet sich:
sterile isotonische Kochsalzlösung NaCl 0,9 %.
Sie kann helfen:
- Wundsekret aufzuweichen,
- Blut- und Sekretkrusten zu lösen,
- lose Verunreinigungen abzuspülen,
- Schmuckoberfläche und Stichkanaleingänge schonend zu reinigen.
NaCl 0,9 % ist kein Antiseptikum und kein Desinfektionsmittel.
Ausführliche Informationen:
Vor der Reinigung
Bevor du dein Piercing reinigst:
- Hände gründlich mit Wasser und Seife waschen,
- Hände gut abspülen und trocknen,
- sterile NaCl-0,9-%-Lösung bereitlegen,
- bei Bedarf ein sauberes Wattestäbchen oder eine sterile Kompresse bereitlegen.
Berühre ein frisches Piercing nicht unnötig mit ungewaschenen Händen.
Das Piercing zuerst ansehen
Vor der Reinigung sollte geprüft werden, ob überhaupt Rückstände vorhanden sind.
Achte zum Beispiel auf:
- Blutreste,
- Wundsekret,
- Verkrustungen,
- Verklebungen zwischen Haut und Schmuck,
- sichtbare Verschmutzungen,
- stärkere Rötung,
- deutlich zunehmende Schwellung,
- einsinkenden Schmuck.
Wenn kaum Rückstände vorhanden sind, muss das Piercing nicht unnötig intensiv bearbeitet werden.
Verkrustungen niemals trocken entfernen
Angetrocknetes Wundsekret sollte niemals trocken:
- abgekratzt,
- abgezogen,
- abgerissen,
- weggeschoben
werden.
Der wichtigste Schritt lautet:
Erst einweichen.
Befeuchte die betroffene Stelle großzügig mit NaCl 0,9 %.
Warte ungefähr:
1 bis 2 Minuten.
Prüfe anschließend, ob sich die Rückstände bereits ohne Kraft lösen lassen.
Wenn die Verkrustung noch fest ist
Bei festeren Verkrustungen kann die Stelle erneut mit NaCl 0,9 % befeuchtet werden.
Wieder:
1 bis 2 Minuten warten.
Bei Bedarf kann dieser Vorgang mehrfach wiederholt werden.
Der Grundsatz lautet:
Die Verkrustung soll sich lösen – sie soll nicht abgerissen werden.
Sehr hartnäckige Verkrustungen
Bei sehr festen Sekretresten kann eine sterile Kompresse verwendet werden.
Die Kompresse großzügig mit NaCl 0,9 % tränken und vorsichtig auf die betroffene Stelle legen.
Bei hartnäckigen Verkrustungen kann sie für einige Minuten aufliegen.
Dabei:
- nicht reiben,
- keinen starken Druck ausüben,
- Schmuck nicht drehen,
- Schmuck nicht gegen Widerstand bewegen.
Danach nur Rückstände entfernen, die sich bereits weich und ohne Kraft lösen lassen.
Wattestäbchen richtig verwenden
Wattestäbchen können bei der gezielten Reinigung hilfreich sein.
Dabei gilt:
- nur saubere Wattestäbchen verwenden,
- Spitze vollständig mit NaCl 0,9 % befeuchten,
- niemals trocken über die Wunde reiben,
- nicht tief in den Stichkanal hineingehen,
- nicht zum Drehen des Schmucks verwenden,
- nur bereits gelöste Rückstände aufnehmen.
Wenn Fasern hängen bleiben, sollte besser eine sterile Kompresse verwendet werden.
Schmuck möglichst wenig bewegen
Ein frisches Piercing sollte während der Heilung grundsätzlich möglichst wenig bewegt werden.
Unnötiges:
- Drehen,
- Hin- und Herschieben,
- Ziehen,
- Drücken
kann das empfindliche Heilungsgewebe mechanisch reizen.
Deshalb gilt grundsätzlich:
Schmuck nicht unnötig bewegen.
Minimales Verschieben nur bei Bedarf
In der praktischen Nachsorge kann sich Wundsekret auch direkt am Stichkanaleingang oder unmittelbar unter dem sichtbaren Hautrand ablagern.
Wenn nach gründlichem Einweichen noch aufgeweichte Sekretreste unmittelbar am Stichkanaleingang vermutet oder sichtbar werden, kann es im Einzelfall sinnvoll sein, den Schmuck:
minimal und sehr vorsichtig axial zu verschieben.
Dabei gilt:
- nicht drehen,
- nicht mehrfach hin- und herschieben,
- nicht gegen Widerstand bewegen,
- nur wenige Millimeter bewegen,
- nur so weit, wie es zur Sichtkontrolle und Reinigung des unmittelbaren Eingangsbereichs notwendig ist.
Diese Bewegung ist keine allgemeine Standardregel, sondern eine praxisorientierte Ausnahme für Situationen, in denen anders nicht erreichbare Sekretreste direkt am Stichkanaleingang liegen.
So wenig Bewegung wie möglich – aber so viel wie nötig.
Nur nach vollständigem Einweichen
Der Schmuck darf nicht bewegt werden, solange:
- feste Krusten vorhanden sind,
- Haut und Schmuck miteinander verklebt sind,
- Widerstand besteht,
- Bewegung Schmerzen verursacht,
- eine Blutung ausgelöst wird.
Dann gilt:
Nicht bewegen.
Stattdessen erneut mit NaCl 0,9 % einweichen und später noch einmal kontrollieren.
Schmuck nicht drehen
Drehen ist für die Reinigung nicht erforderlich.
Dabei kann zusätzliche Reibung im heilenden Stichkanal entstehen.
Außerdem können Sekretreste über empfindliches Heilungsgewebe gezogen werden.
Deshalb:
Schmuck nicht drehen.
Schmuck nicht zur Reinigung herausnehmen
Der Schmuck sollte während der Heilung nicht eigenständig entfernt werden, nur um ihn zu reinigen.
Gereinigt werden:
- die sichtbare Schmuckoberfläche,
- die Haut,
- die unmittelbaren Stichkanaleingänge.
Der Stichkanal selbst wird nicht mit:
- Wattestäbchen,
- Bürsten,
- Instrumenten,
- Fingern
mechanisch von innen gereinigt.
Wie oft sollte gereinigt werden?
Als allgemeine Orientierung reichen bei vielen frisch gestochenen Piercings:
2 bis 3 Reinigungen täglich.
Das ist kein starrer Wert.
Eine häufigere Kontrolle oder Reinigung kann vorübergehend sinnvoll sein, wenn:
- besonders viel Wundsekret entsteht,
- Sekret schnell antrocknet,
- Schmuck und Haut wiederholt verkleben,
- die Piercingstelle stärker mechanisch belastet wird.
Wichtig ist:
Es soll so häufig gereinigt werden, dass störende Sekretablagerungen und feste Verklebungen möglichst vermieden werden – ohne das Piercing durch ständiges Reinigen zusätzlich zu reizen.
Ausführlicher:
Reinigung vor dem Schlafengehen
In der frühen Heilungsphase kann es sinnvoll sein, das Piercing vor dem Schlafengehen zu kontrollieren.
Größere Sekretreste oder feste Verklebungen können dann noch vorsichtig aufgeweicht und entfernt werden, bevor sie über Nacht stärker antrocknen.
Reinigung nach dem Schlafen
Auch morgens sollte das Piercing zunächst kontrolliert werden.
Über Nacht können:
- Wundsekret,
- Krusten,
- Verklebungen
entstehen.
Bevor das Piercing stärker bewegt oder belastet wird, sollten feste Verklebungen zunächst mit NaCl 0,9 % aufgeweicht werden.
Vor stärkerer mechanischer Belastung
Ist ein Piercing sichtbar stark verklebt, kann es sinnvoll sein, diese Verklebung vor stärkerer körperlicher Belastung zu lösen.
Zum Beispiel vor:
- Sport,
- körperlicher Arbeit,
- Helmtragen,
- enger Kleidung,
- sexuellen Aktivitäten.
Das bedeutet nicht, dass vor jeder Aktivität eine vollständige Reinigung erforderlich ist.
Es geht darum, zu vermeiden, dass eine feste Verklebung bei Bewegung plötzlich am empfindlichen Heilungsgewebe zieht oder abreißt.
Nach dem Duschen
Beim Duschen kann klares Wasser lose Rückstände abspülen.
Achte darauf, dass:
- Shampoo,
- Duschgel,
- Conditioner,
- Haarpflegeprodukte,
- Cremes
nicht unnötig in den frischen Stichkanal gelangen.
Sichtbare Produktrückstände sollten anschließend entfernt werden.
Baden, Schwimmbad und Whirlpool
Ein frisches Piercing sollte nicht unnötig über längere Zeit in möglicherweise mikrobiell belastetem Wasser eingeweicht werden.
Dazu gehören beispielsweise:
- Badewanne,
- Schwimmbad,
- Whirlpool,
- Badesee.
Mehr dazu:
Nach der Reinigung trocknen
Nach der Reinigung sollte keine dauerhaft feuchte Umgebung entstehen.
Überschüssige Flüssigkeit kann vorsichtig entfernt werden.
Geeignet sind beispielsweise:
- sterile Kompresse,
- vorsichtiges Lufttrocknen.
Nicht reiben.
Dauerhafte Feuchtigkeit kann die Haut und Wundränder aufweichen und zusätzliche Irritationen begünstigen.
Nicht überpflegen
Mehr Reinigung bedeutet nicht automatisch bessere Heilung.
Zu häufiges:
- Berühren,
- Wischen,
- Reiben,
- Einweichen,
- Bewegen,
- Desinfizieren
kann das Gewebe ebenfalls reizen.
Mehr dazu:
Was gehört nicht automatisch zur Basisreinigung?
Zur täglichen Basisreinigung eines unkompliziert heilenden Piercings gehören nicht automatisch:
- Wasserstoffperoxid,
- Alkohol,
- Teebaumöl,
- Salben,
- Antibiotika,
- verschiedene Antiseptika,
- mehrere unterschiedliche Pflegeprodukte gleichzeitig.
Diese Produkte haben andere Wirkungen und teilweise eigene Risiken.
Mehr dazu:
Reinigung ersetzt keine Behandlung einer Infektion
NaCl 0,9 % eignet sich zur mechanischen Reinigung.
Es ersetzt keine Behandlung einer tatsächlichen Infektion.
Bei:
- deutlich zunehmenden Schmerzen,
- starker Überwärmung,
- rasch zunehmender Schwellung,
- sich ausbreitender Rötung,
- eitrigem Sekret,
- Fieber,
- Schüttelfrost,
- ausgeprägtem Krankheitsgefühl
sollte eine mögliche Infektion fachlich beziehungsweise ärztlich beurteilt werden.
Siehe:
Wenn das Piercing immer wieder stark verkrustet
Entstehen trotz regelmäßiger schonender Reinigung ständig neue starke Verklebungen, sollte nicht einfach nur immer häufiger gereinigt werden.
Dann sollte nach der Ursache gesucht werden.
Mögliche Ursachen sind:
- Druck,
- Reibung,
- Schlafen auf dem Piercing,
- zu kurzer Schmuck,
- ungeeignete Schmuckposition,
- häufige Bewegung,
- Hängenbleiben,
- dauerhafte Feuchtigkeit,
- wiederholte Mikroverletzungen.
Starke oder ständig wiederkehrende Sekretbildung kann ein Hinweis darauf sein, dass das Piercing weiterhin gereizt wird.
Mehr dazu:
Merke
Für die Basisreinigung eignet sich sterile isotonische Kochsalzlösung NaCl 0,9 %.
NaCl 0,9 % ist kein Desinfektionsmittel.
Einweichen statt abkratzen.
Nur weiche und bereits gelöste Rückstände entfernen.
Schmuck nicht unnötig bewegen.
Schmuck nicht drehen.
Minimales axiales Verschieben nur nach vollständigem Einweichen und nur dann, wenn Sekretreste am unmittelbaren Stichkanaleingang anders nicht erreichbar sind.
Nie gegen Widerstand bewegen.
Nicht tief im Stichkanal mechanisch reinigen.
2 bis 3 Reinigungen täglich sind eine allgemeine Orientierung – kein starrer Wert.
Mehr Pflege bedeutet nicht automatisch bessere Pflege.
