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Lymphödem und gestörter Lymphabfluss
Ein:
Lymphödem
ist eine länger anhaltende Flüssigkeitsansammlung im Gewebe, die durch einen:
unzureichenden lymphatischen Abfluss
entsteht.
Dabei kann das Lymphsystem die im Gewebe anfallende Flüssigkeit und Eiweißmenge nicht mehr ausreichend abtransportieren.
Das betroffene Gebiet kann dadurch:
- anschwellen,
- sich schwer oder gespannt anfühlen,
- bei längerem Verlauf strukturell verändert werden.
Was ist der Unterschied zu einer normalen Piercingschwellung?
Eine normale Schwellung nach einem neuen Piercing ist zunächst Teil der:
lokalen Entzündungs- und Wundheilungsreaktion.
Sie entsteht unter anderem durch:
- erhöhte Gefäßdurchlässigkeit,
- Austritt von Flüssigkeit ins Gewebe,
- Entzündungsmediatoren,
- lokale Immunreaktion.
Ein Lymphödem beruht dagegen auf einer:
Störung des lymphatischen Abflusses.
Beide Prozesse sind deshalb nicht gleichzusetzen.
Vergleich
| Merkmal | Normale Piercingschwellung | Lymphödem |
|---|---|---|
| Ursache | lokale Wund- und Entzündungsreaktion | gestörter lymphatischer Abfluss |
| Beginn | meist zeitnah nach dem Piercen | abhängig von Ursache |
| Verlauf | normalerweise rückläufig | kann chronisch bestehen |
| lokal am Stichkanal | typisch möglich | nicht zwingend nur lokal |
| Ursache im Lymphsystem | nein | ja |
| Behandlung | richtet sich nach Wundheilung und Ursache | abhängig von Art und Ursache des Lymphödems |
Wie funktioniert der normale Lymphabfluss?
Lymphkapillaren nehmen überschüssige:
Gewebsflüssigkeit
auf.
Diese wird über:
- größere Lymphgefäße,
- Lymphknoten,
- Lymphstämme
schließlich wieder dem:
venösen Blutkreislauf
zugeführt.
Ist dieser Transportweg deutlich beeinträchtigt, kann sich Flüssigkeit im Gewebe ansammeln.
Siehe:
Warum enthält ein Lymphödem nicht nur Wasser?
Das Lymphsystem transportiert auch:
Proteine
aus dem Zwischenzellraum ab.
Bei gestörtem Lymphabfluss können deshalb neben Flüssigkeit auch Eiweiße im Gewebe verbleiben.
Bei chronischem Verlauf können dadurch zusätzliche Gewebeveränderungen entstehen.
Primäres und sekundäres Lymphödem
Grundsätzlich wird zwischen:
primärem Lymphödem
und:
sekundärem Lymphödem
unterschieden.
Primäres Lymphödem
Ein primäres Lymphödem beruht auf einer angeborenen beziehungsweise entwicklungsbedingten Veränderung des:
Lymphgefäßsystems.
Es kann:
- früh im Leben,
- erst im Jugendalter,
- oder später
klinisch auffällig werden.
Sekundäres Lymphödem
Ein sekundäres Lymphödem entsteht durch eine erworbene Schädigung beziehungsweise Beeinträchtigung des Lymphsystems.
Mögliche Ursachen sind beispielsweise:
- operative Entfernung von Lymphknoten,
- Bestrahlung,
- größere Verletzungen,
- schwere Entzündungen,
- bestimmte Tumorerkrankungen,
- ausgeprägte Narbenbildung,
- andere Schädigungen der Lymphgefäße.
Verursacht ein normales Piercing ein Lymphödem?
Ein gewöhnliches Piercing verursacht in der Regel:
kein klinisch relevantes chronisches Lymphödem.
Zwar können beim Piercen kleinste Lymphkapillaren verletzt werden, wie auch andere mikroskopische Gewebestrukturen.
Solche kleinen Verletzungen werden normalerweise im Rahmen der:
Wundheilung
kompensiert.
Ein echtes Lymphödem erfordert in der Regel eine deutlich größere oder bereits bestehende Störung des lymphatischen Abflusses.
Besondere Situation bei vorgeschädigtem Lymphsystem
Anders kann die Situation sein, wenn eine Körperregion bereits einen:
eingeschränkten Lymphabfluss
aufweist.
Dies kann beispielsweise vorkommen nach:
- Lymphknotenentfernung,
- größerer Operation,
- Bestrahlung,
- bereits bestehendem Lymphödem.
Dann besitzt das Lymphsystem möglicherweise weniger:
funktionelle Reserve.
Piercing bei bestehendem Lymphödem
Ein Piercing in einer bereits lymphatisch beeinträchtigten Region sollte besonders sorgfältig beurteilt werden.
Relevant sind unter anderem:
- bestehendes Ausmaß des Lymphödems,
- Hautzustand,
- Infektionsneigung,
- Durchblutung,
- Wundheilung,
- ärztliche Vorgeschichte.
Eine pauschale Aussage wie:
„Piercing ist immer möglich“
oder:
„Piercing ist grundsätzlich verboten“
ist medizinisch nicht sinnvoll.
Die Situation sollte individuell beurteilt werden.
Warum können Infektionen bei Lymphödem problematischer sein?
Bei chronischem Lymphödem können lokale Abwehrmechanismen beeinträchtigt sein.
Außerdem kann die Haut:
- gespannt,
- empfindlich,
- vorgeschädigt
sein.
Dadurch können bakterielle Hautinfektionen leichter auftreten beziehungsweise ausgeprägter verlaufen.
Bei einem bereits bestehenden Lymphödem sollte deshalb eine mögliche Piercinginfektion besonders ernst genommen werden.
Lymphödem nach Lymphknotenentfernung
Nach bestimmten Operationen können regionale Lymphknoten entfernt werden.
Ein bekanntes Beispiel ist die Entfernung axillärer Lymphknoten im Rahmen bestimmter:
Brustoperationen.
Dadurch kann der Lymphabfluss des betreffenden Armes beziehungsweise Brustbereiches beeinträchtigt sein.
Piercings nach Brustoperation oder axillärer Lymphknotenentfernung
Bei Personen mit:
- entfernten Achsellymphknoten,
- bestehendem Armlymphödem,
- ausgeprägter lymphatischer Vorschädigung
sollte ein Piercing im betroffenen Drainagegebiet nicht einfach wie bei einer völlig unauffälligen Lymphsituation beurteilt werden.
Hier ist eine individuelle medizinische Einschätzung sinnvoll.
Auch Bestrahlung kann den Lymphabfluss beeinflussen
Eine Strahlentherapie kann:
- Gewebe,
- Lymphgefäße,
- Narbenstrukturen
verändern.
Dadurch kann der lymphatische Abfluss beeinträchtigt werden.
Auch hier hängt die Relevanz stark von:
- bestrahlter Region,
- Ausmaß der Behandlung,
- bestehender Schwellung
ab.
Wie kann ein Lymphödem aussehen?
Mögliche Zeichen sind:
- anhaltende Schwellung,
- Spannungsgefühl,
- Schweregefühl,
- Umfangszunahme,
- eingeschränkte Beweglichkeit,
- Veränderungen der Haut.
Bei längerem Verlauf können zusätzlich:
- Verhärtungen,
- Fibrosierung,
- Hautverdickung
auftreten.
Frühe Lymphödeme können weich sein
In frühen Stadien kann die Schwellung:
- weich,
- eindrückbar
sein.
Bei chronischem Verlauf kann das Gewebe zunehmend:
fester
werden.
Eindrückbarkeit
Bei manchen Ödemen bleibt nach Druck mit einem Finger kurz eine:
Delle
zurück.
Dies wird als:
pitting edema
bezeichnet.
Bei fortgeschrittenem Lymphödem kann die Eindrückbarkeit durch zunehmende Gewebeveränderungen geringer werden.
Nicht jede Schwellung ist ein Lymphödem
Eine Schwellung kann viele Ursachen haben.
Dazu gehören beispielsweise:
- normale Wundreaktion,
- bakterielle Entzündung,
- venöse Stauung,
- allergische Reaktion,
- Trauma,
- Hämatom,
- Flüssigkeitseinlagerung anderer Ursache.
Deshalb sollte eine Schwellung nicht vorschnell als:
Lymphödem
bezeichnet werden.
Lymphödem oder Infektion?
Ein chronisches Lymphödem ist nicht automatisch eine Infektion.
Bei einer zusätzlichen Infektion können jedoch auftreten:
- deutliche Rötung,
- Überwärmung,
- Schmerzen,
- Fieber,
- rasche Verschlechterung.
Dann muss ein infektiöser Prozess zusätzlich berücksichtigt werden.
Lymphödem und Lymphangitis
Bei bestehendem Lymphödem können bakterielle Hautinfektionen unter Umständen zu:
Lymphangitis
beziehungsweise anderen akuten Infektionen führen.
Eine Lymphangitis ist dabei keine normale Folge des Lymphödems, sondern eine:
entzündliche Komplikation.
Siehe:
Lymphödem und Lymphadenitis
Auch geschwollene oder entzündete Lymphknoten sind nicht dasselbe wie ein:
Lymphödem.
Lymphadenitis
→ Entzündung eines Lymphknotens.
Lymphödem
→ Flüssigkeitsansammlung durch gestörten Lymphabfluss.
Siehe:
Lokale Piercingschwellung
Eine Schwellung direkt um ein frisch gestochenes Piercing ist viel häufiger eine:
lokale Wundreaktion
als ein echtes Lymphödem.
Insbesondere in den ersten Tagen können auftreten:
- moderate Schwellung,
- leichte Rötung,
- Druckempfindlichkeit,
- Wärmegefühl.
Siehe:
Schmucklänge beachten
Bei stärkerer Schwellung kann ein zu kurzer Schmuck zusätzlichen:
Druck
ausüben.
Das kann wiederum:
- Gewebereizung,
- Einbettung,
- Druckschäden
verursachen.
Eine solche lokale Schwellung ist jedoch nicht automatisch lymphatisch bedingt.
Kann ein Piercing den Lymphfluss „blockieren“?
Ein einzelner gewöhnlicher Piercingschmuck blockiert normalerweise nicht das gesamte:
regionale Lymphgefäßsystem.
Lymphgefäße bilden ein verzweigtes Netzwerk.
Eine pauschale Aussage wie:
„Der Schmuck blockiert die Lymphe“
ist deshalb bei einem gewöhnlichen Piercing in der Regel nicht zutreffend.
Druck kann lokale Flüssigkeitsverhältnisse beeinflussen
Sehr starker oder anhaltender mechanischer Druck kann lokal:
- Blutgefäße,
- Gewebe,
- auch kleine Lymphgefäße
komprimieren.
Dies kann lokale Schwellungsprobleme verschlechtern.
Das ist jedoch nicht automatisch ein:
echtes chronisches Lymphödem.
Lymphdrainage bei frischem Piercing?
Eine professionelle manuelle Lymphdrainage ist eine therapeutische Maßnahme für bestimmte lymphatische Erkrankungen.
Sie ist nicht gleichbedeutend mit:
Massieren eines frisch gestochenen Piercings.
Ein frisches Piercing sollte nicht kräftig massiert werden, um vermeintlich:
„Lymphe herauszudrücken“.
Schmuckbewegung verbessert kein Lymphödem
Das Drehen oder Verschieben des Piercingschmucks verbessert nicht den:
lymphatischen Abfluss.
Es kann dagegen:
- Mikroverletzungen,
- Reizung,
- verzögerte Heilung
verursachen.
Diagnostik
Bei Verdacht auf ein relevantes Lymphödem kann die medizinische Diagnostik unter anderem umfassen:
- Anamnese,
- körperliche Untersuchung,
- Umfangsmessung,
- Beurteilung der Haut,
- gegebenenfalls bildgebende oder lymphologische Spezialdiagnostik.
Die genaue Untersuchung richtet sich nach:
Ursache und Lokalisation.
Behandlung eines Lymphödems
Die Therapie richtet sich nach:
- Ursache,
- Stadium,
- betroffener Region.
Zu etablierten Behandlungsbestandteilen können je nach Befund gehören:
- Kompression,
- Bewegung,
- Hautpflege,
- manuelle Lymphdrainage im Rahmen entsprechender Therapie,
- spezielle lymphologische Behandlung.
Diese Maßnahmen sollten nicht eigenständig auf ein frisch entzündetes Piercing übertragen werden.
Kompression und Piercing
Kompression kann Bestandteil der Behandlung eines Lymphödems sein.
Liegt in derselben Region ein Piercing, muss darauf geachtet werden, dass die Kompression:
- keinen starken Druck auf den Schmuck ausübt,
- keine mechanische Reizung verursacht,
- keine Einbettung begünstigt.
Dies sollte bei komplexer Situation individuell abgestimmt werden.
Hautpflege ist wichtig
Bei chronischem Lymphödem kann die Hautbarriere besonders wichtig sein.
Kleine Verletzungen können eine Eintrittspforte für:
Bakterien
darstellen.
Deshalb sind:
- gute Hautpflege,
- Vermeidung unnötiger Verletzungen,
- frühzeitige Beurteilung von Infektionszeichen
besonders relevant.
Piercing bei bestehender Hautinfektion
Ein Piercing sollte nicht in:
- akut entzündete,
- infizierte,
- deutlich geschädigte
Haut eingebracht werden.
Das gilt unabhängig davon, ob zusätzlich ein Lymphödem besteht.
Wann ist Schwellung nach Piercing eher nicht typisch für Lymphödem?
Eher für eine normale lokale Wundreaktion sprechen:
- Schwellung unmittelbar um den Stichkanal,
- Beginn kurz nach dem Piercen,
- moderater Verlauf,
- allmähliche Rückbildung.
Ein echtes Lymphödem zeigt meist ein anderes:
Verteilungsmuster und einen länger anhaltenden Verlauf.
Wann sollte an eine andere Ursache gedacht werden?
Eine medizinische Abklärung ist sinnvoll bei:
- ungewöhnlich starker Schwellung,
- zunehmender Schwellung statt Rückbildung,
- Schwellung einer größeren Körperregion,
- asymmetrischem Umfang,
- bekanntem Lymphödem,
- vorangegangener Lymphknotenentfernung,
- vorausgegangener Bestrahlung.
Wann sprechen Zeichen eher für Infektion als für reinen Lymphstau?
Besonders verdächtig sind:
- deutliche Rötung,
- ausgeprägte Überwärmung,
- zunehmender Schmerz,
- Eiter,
- Fieber,
- Schüttelfrost,
- Allgemeinverschlechterung.
Dann muss eine:
Infektion
mit berücksichtigt werden.
Wann ärztlich abklären?
Eine medizinische Beurteilung ist besonders sinnvoll bei:
- neu auftretender anhaltender Schwellung einer größeren Region,
- bekanntem oder vermutetem Lymphödem,
- zunehmender Umfangszunahme,
- Hautveränderungen,
- wiederkehrenden Infektionen,
- bestehender Lymphknotenentfernung oder Bestrahlung,
- unklarer Schwellung nach einem Piercing.
Dringende Warnzeichen
Dringend abgeklärt werden sollten insbesondere:
- rasch zunehmende Schwellung,
- starke Rötung und Überwärmung,
- Fieber,
- Schüttelfrost,
- starke Schmerzen,
- rasche Allgemeinverschlechterung,
- Atem- oder Schluckprobleme.
Schnellübersicht
| Aussage | Einordnung |
|---|---|
| Lymphödem = gestörter lymphatischer Abfluss | ja |
| normale Piercingschwellung = automatisch Lymphödem | nein |
| gewöhnliches Piercing verursacht typischerweise chronisches Lymphödem | nein |
| vorbestehende Lymphabflussstörung ist bei Piercingplanung relevant | ja |
| Lymphknotenentfernung kann Lymphabfluss beeinträchtigen | ja |
| Bestrahlung kann lymphatische Strukturen beeinträchtigen | ja |
| Lymphödem ist automatisch eine Infektion | nein |
| bei Lymphödem können Infektionen problematischer sein | ja |
| Schmuckbewegung verbessert den Lymphabfluss | nein |
| kräftiges Massieren eines frischen Piercings ist Lymphdrainage | nein |
| starke neue Schwellung sollte bei unklarer Ursache abgeklärt werden | ja |
Der wichtigste Grundsatz
Ein Lymphödem ist eine:
anhaltende Schwellung aufgrund eines unzureichenden lymphatischen Abflusses.
Es ist nicht gleichzusetzen mit der normalen:
vorübergehenden Schwellung eines frisch gestochenen Piercings.
Ein gewöhnliches Piercing führt normalerweise nicht zu einem klinisch relevanten chronischen Lymphödem.
Besondere Aufmerksamkeit ist jedoch erforderlich, wenn bereits:
- ein Lymphödem,
- eine Lymphknotenentfernung,
- eine Bestrahlung,
- eine andere deutliche Schädigung des Lymphsystems
vorliegt.
In solchen Situationen sollte die Piercingregion individuell beurteilt werden.
Treten zusätzlich:
- starke Rötung,
- Überwärmung,
- Schmerzen,
- Fieber
auf, muss insbesondere eine:
Infektion
ausgeschlossen beziehungsweise behandelt werden.
