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Entzündung der Ohrmuschel
Eine Entzündung der Ohrmuschel kann unterschiedliche Gewebeschichten betreffen.
Im Piercingbereich ist es besonders wichtig zu unterscheiden zwischen:
- oberflächlicher Haut- und Weichteilentzündung
- Entzündung der Knorpelhaut – Perichondritis
- Entzündung des Knorpelgewebes – Chondritis
Der sichtbare Befund kann ähnlich aussehen, die medizinische Bedeutung ist jedoch unterschiedlich.
Was ist die Ohrmuschel?
Die Ohrmuschel besteht aus:
- Haut
- Unterhautgewebe
- Knorpel
- Knorpelhaut – Perichondrium
Das Ohrläppchen enthält dagegen keinen Knorpel.
Diese anatomische Besonderheit ist bei der Beurteilung einer Entzündung wichtig.
Entzündung der Haut und Weichteile
Eine oberflächliche bakterielle Entzündung kann zunächst Haut und Unterhaut betreffen.
Mögliche Zeichen sind:
- Rötung
- Überwärmung
- Schwellung
- Druckschmerz
- Schmerzen
Solche Veränderungen können beispielsweise nach:
- Piercing
- Verletzung
- Kratzen
- Druck
- Manipulation
entstehen.
Ohrmuschelerysipel
Ein Erysipel ist eine bakterielle Infektion der Haut und oberflächlichen Lymphwege.
An der Ohrmuschel kann dabei typischerweise die gesamte Ohrmuschel betroffen sein.
Mögliche Zeichen sind:
- intensive Rötung
- deutliche Überwärmung
- Schwellung
- Schmerzen
- Fieber
- allgemeines Krankheitsgefühl
In der HNO-Literatur wird das Ohrmuschelerysipel insbesondere mit beta-hämolysierenden Streptokokken in Verbindung gebracht.
Unterschied zur Perichondritis
Die Perichondritis betrifft vor allem das Gewebe um den Ohrknorpel.
Typisch ist:
- Entzündung des knorpeligen Anteils
- starke Rötung
- Überwärmung
- Schmerzen
- Schwellung
Ein wichtiger klinischer Hinweis:
Das Ohrläppchen bleibt bei einer typischen Perichondritis häufig ausgespart.
Der Grund:
Das Ohrläppchen enthält keinen Knorpel und kein Perichondrium.
Mehr dazu:
Unterschied zur Chondritis
Bei einer Chondritis ist das eigentliche Knorpelgewebe entzündet.
Die Trennung zwischen Perichondritis und Chondritis ist klinisch nicht immer eindeutig.
Bei ausgeprägten Infektionen können beide Strukturen gleichzeitig betroffen sein.
Mehr dazu:
Warum sind Piercings relevant?
Piercings durch Knorpel können eine Eintrittspforte für Mikroorganismen schaffen.
Besonders betroffen sein können:
- Helix
- Forward Helix
- Flat
- Tragus
- Conch
- Rook
- Daith
- Industrial
Durch das Piercing wird die natürliche Hautbarriere durchbrochen.
Gelangen Bakterien in tiefere Gewebeschichten, kann sich eine Infektion entwickeln.
Typische mögliche Erreger
Bei oberflächlichen Hautinfektionen kommen insbesondere infrage:
- Staphylokokken
- Streptokokken
Bei Knorpelpiercing-Infektionen ist außerdem besonders relevant:
Pseudomonas aeruginosa
Dieser Erreger ist in der Literatur häufig mit Perichondritis nach transkartilaginären Piercings beschrieben.
Mehr dazu:
Wie kann eine Entzündung nach einem Piercing entstehen?
Mögliche Ursachen sind:
- Kontamination beim Piercen
- Berührung mit ungewaschenen Händen
- mechanische Verletzung
- Druck auf das Piercing
- Schlafen auf dem Piercing
- zu kurzer Schmuck
- unsachgemäßer Schmuckwechsel
- kontaminiertes Wasser
- bestehende Hautinfektion
Nicht jede Rötung ist jedoch automatisch eine Infektion.
Reizung oder Infektion?
Mechanische Reizung kann ebenfalls verursachen:
- Rötung
- Schwellung
- Druckempfindlichkeit
- Wundsekret
Hinweise auf eine infektiöse Entwicklung sind eher:
- zunehmend stärkere Schmerzen
- zunehmende Rötung
- deutliche Überwärmung
- eitriges Sekret
- rasche Ausbreitung
- Fieber
- allgemeines Krankheitsgefühl
Besondere Gefahr bei Knorpelbeteiligung
Knorpel besitzt keine eigene direkte Blutversorgung.
Die Versorgung erfolgt wesentlich über das Perichondrium.
Kommt es zu:
- starker Entzündung
- Abszessbildung
- Ablösung des Perichondriums
kann die Versorgung des Knorpels beeinträchtigt werden.
Dadurch kann Knorpelgewebe geschädigt werden.
Abszess
Zwischen Knorpel und Perichondrium kann sich Eiter ansammeln.
Dadurch kann das Perichondrium vom Knorpel abgehoben werden.
Das kann die Versorgung des Knorpels verschlechtern und das Risiko einer:
- Chondritis
- Knorpelnekrose
- dauerhaften Ohrdeformierung
erhöhen.
Knorpelnekrose
Bei einer schweren oder verzögert behandelten Infektion kann Knorpelgewebe absterben.
Dies wird als:
Knorpelnekrose
bezeichnet.
Mehr dazu:
Dauerhafte Ohrverformung
Schwere Perichondritis oder Chondritis kann die Struktur des Ohrknorpels dauerhaft verändern.
Mögliche Folgen sind:
- Einziehungen
- Konturverlust
- unregelmäßige Knorpelformen
- dauerhafte Deformierung der Ohrmuschel
Deshalb sollte eine ausgeprägte Ohrmuschelentzündung nicht über längere Zeit ausschließlich mit lokaler Piercingpflege behandelt werden.
Wann sollte ärztlich abgeklärt werden?
Eine medizinische Abklärung ist insbesondere erforderlich bei:
- rasch zunehmender Schwellung
- starker Überwärmung
- zunehmenden Schmerzen
- ausgedehnter Rötung
- eitrigem Sekret
- Fieber
- Abszessverdacht
- sichtbarer Ohrverformung
- zunehmender Verschlechterung trotz Pflege
Schmuck entfernen?
Piercingschmuck sollte bei einer Infektion nicht automatisch entfernt werden.
Ein vorschnelles Entfernen kann unter Umständen dazu führen, dass sich der Stichkanal verengt oder verschließt.
Andererseits kann Schmuck bei:
- Einwachsen
- starkem Druck
- erheblicher Schwellung
- Gewebeschädigung
selbst problematisch sein.
Die Entscheidung sollte vom konkreten Befund abhängig gemacht werden.
Mehr dazu:
Piercingschmuck bei einer bakteriellen Infektion entfernen oder belassen?
Wichtig
Bei einer entzündeten Ohrmuschel muss unterschieden werden zwischen:
- oberflächlicher Haut- und Weichteilinfektion
- Ohrmuschelerysipel
- Perichondritis
- Chondritis
Besonders kritisch sind Infektionen des knorpeligen Ohrbereichs.
Bei deutlicher Verschlechterung, starker Schwellung, Eiter, Fieber oder Verformung der Ohrmuschel ist eine schnelle medizinische Beurteilung erforderlich.
