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Warnzeichen und ärztliche Abklärung
Ein frisch gestochenes Piercing kann während der Heilung:
- leicht gerötet
- etwas geschwollen
- druckempfindlich
- wärmer als die Umgebung
- leicht nässend
sein.
Das kann zur normalen Heilung oder zu einer mechanischen Reizung gehören.
Wichtig ist jedoch:
Wenn Beschwerden deutlich zunehmen, sich ausbreiten oder sich der Allgemeinzustand verschlechtert, sollte nicht weiter abgewartet werden.
Wann sollte ein Arzt kontrollieren?
Eine ärztliche Beurteilung ist sinnvoll beziehungsweise erforderlich bei:
- deutlich zunehmenden Schmerzen
- zunehmender oder starker Schwellung
- ausgeprägter Überwärmung
- sich ausbreitender Rötung
- deutlichem Eiteraustritt
- Verdacht auf einen Abszess
- starkem Druckgefühl
- plötzlich ungewöhnlich locker wirkendem Schmuck
- rascher Verschlechterung des Befundes
- einer Gewebeveränderung, die sehr schnell wächst
- wiederholten oder starken Blutungen
- dauerhaft nässender oder wiederholt eiternder Öffnung
Besonders dringende Warnzeichen
Besonders ernst genommen werden sollten:
- Fieber
- Schüttelfrost
- starkes Krankheitsgefühl
- schnelle Ausbreitung von Rötung oder Schwellung
- rote Streifen, die sich von der Piercingstelle weg ausbreiten
- starke Schmerzen, die deutlich zunehmen
- Kreislaufprobleme
- starke Schwäche oder Benommenheit
In solchen Situationen sollte zeitnah medizinische Hilfe in Anspruch genommen werden.
Besondere Vorsicht bei Knorpelpiercings
Bei Piercings durch Ohrknorpel sollte eine deutlich zunehmende:
- Schwellung
- Rötung
- Überwärmung
- Schmerzhaftigkeit
besonders ernst genommen werden.
Wenn sich größere Teile der Ohrmuschel verändern oder stark schmerzen, sollte zeitnah ärztlich abgeklärt werden.
Eiter ist ein Warnzeichen
Normales Wundsekret kann:
- klar
- weißlich
- leicht gelblich
sein.
Eiter ist dagegen häufig:
- deutlich trüber
- dickflüssiger
- cremiger
- weißlich
- gelblich
- grünlich
Eiter zusammen mit:
- zunehmenden Schmerzen
- stärkerer Schwellung
- deutlicher Überwärmung
- sich ausbreitender Rötung
spricht stärker für eine Infektion und sollte medizinisch beurteilt werden.
Verdacht auf Abszess
Ein Abszess ist eine umschriebene Eiteransammlung im Gewebe.
Hinweise können sein:
- zunehmende schmerzhafte Schwellung
- starke Druckempfindlichkeit
- Überwärmung
- Rötung
- eine pralle oder weich wirkende Schwellung
- Eiteraustritt
Ein möglicher Abszess sollte nicht selbst ausgedrückt oder aufgestochen werden.
Wiederkehrender Sekret- oder Eiteraustritt
Wenn eine Stelle:
- über längere Zeit immer wieder nässt
- wiederholt Eiter abgibt
- sich verschließt und später erneut öffnet
- immer wieder anschwillt
sollte ein chronischer Entzündungsherd beziehungsweise ein persistierender Sekretgang ausgeschlossen werden.
Wann sollte ein Piercer kontrollieren?
Ein erfahrener Piercer kann kontrollieren:
- Schmucklänge
- Schmucklage
- Winkelspannung
- mechanischen Druck
- Hängenbleiben
- ungewöhnliche Beweglichkeit des Schmucks
- Veränderungen des Stichkanals
Bei einer vermuteten Infektion, einem Abszess oder einem chronisch eiternden Gang ersetzt die Piercerkontrolle jedoch keine medizinische Beurteilung.
Schmuck nicht vorschnell selbst entfernen
Bei Verdacht auf eine Infektion sollte der Schmuck nicht automatisch eigenständig entfernt werden.
Je nach Befund kann relevant sein:
- wie stark das Gewebe geschwollen ist
- ob der Schmuck Druck ausübt
- ob der Schmuck eingebettet wird
- ob Sekret abfließen kann
- ob ein tieferer Entzündungsprozess besteht
Das weitere Vorgehen sollte bei auffälligem Befund professionell beziehungsweise medizinisch beurteilt werden.
Was sollte man nicht tun?
Bei einem auffälligen Befund nicht:
- Eiter ausdrücken
- Schwellungen aufstechen
- Gewebe selbst aufschneiden
- stark blutendes Gewebe abschneiden
- aggressive Mittel zum „Wegätzen“ verwenden
- Antibiotika auf eigene Faust einnehmen oder anwenden
Wann ist Beobachten eher vertretbar?
Wenn:
- Beschwerden mild sind
- die Veränderung lokal begrenzt bleibt
- ein klarer mechanischer Auslöser erkennbar ist
- die Beschwerden nach Entlastung zurückgehen
- keine Eiterbildung
- keine starke Überwärmung
- keine zunehmende Rötung
- keine Allgemeinsymptome
vorliegen, kann zunächst beobachtet werden.
Bei Verschlechterung sollte jedoch neu beurteilt werden.
Merke
Nicht jede Rötung, Schwellung oder Sekretbildung ist eine Infektion.
Entscheidend ist der Verlauf.
Zunehmende Schmerzen, Überwärmung, sich ausbreitende Rötung, Eiter und starke Schwellung sind Warnzeichen.
Fieber, Schüttelfrost oder starkes Krankheitsgefühl gehören medizinisch abgeklärt.
Ein möglicher Abszess sollte nicht selbst ausgedrückt oder aufgestochen werden.
Eine dauerhaft nässende oder wiederholt eiternde Öffnung ist kein normaler Heilungsverlauf.
