Inhaltsverzeichnis

Nervenverletzungen beim Piercing

Beim Piercen werden Haut und tiefer liegende Gewebeschichten durchstochen.

Dabei verlaufen je nach Körperregion auch:

Eine echte relevante Nervenverletzung ist bei fachgerecht ausgeführten Piercings insgesamt selten.

Trotzdem können nach einem Piercing vorübergehend:

auftreten.

Nicht jedes dieser Symptome bedeutet automatisch, dass ein Nerv dauerhaft geschädigt wurde.

Welche Aufgaben haben Nerven?

Nerven übertragen Informationen zwischen Körper und Nervensystem.

Grundsätzlich unterscheidet man unter anderem:

Sensible Nerven

Sie vermitteln beispielsweise:

Eine Störung kann zu:

führen.

Motorische Nerven

Motorische Nerven steuern Muskeln.

Eine relevante Schädigung kann beispielsweise zu:

führen.

Solche Symptome sind wesentlich ernster zu beurteilen als eine kleine vorübergehende Gefühlsveränderung direkt am Stichkanal.

Wie kann ein Nerv bei einem Piercing beeinträchtigt werden?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten.

Wichtig ist insbesondere die Unterscheidung zwischen:

direkter Nervenverletzung

und

vorübergehender Reizung oder Druckbelastung eines Nervs.

Direkte Nervenverletzung

Eine direkte Verletzung kann entstehen, wenn eine Nadel oder ein anderes Instrument einen Nervenast tatsächlich verletzt.

Je nach Ausmaß können dabei:

betroffen sein.

Mögliche unmittelbare Beschwerden können sein:

Ein solches Symptom beweist jedoch allein noch keine vollständige Nervendurchtrennung.

Nervenreizung durch Schwellung

Nach einem frischen Piercing kann das umliegende Gewebe anschwellen.

Diese Schwellung kann benachbarte kleine Nerven vorübergehend:

Dadurch können entstehen:

Wenn die Schwellung zurückgeht, können sich solche Beschwerden ebenfalls wieder zurückbilden.

Nervenreizung durch ein Hämatom

Auch ein größeres Hämatom kann Druck auf einen benachbarten Nerv ausüben.

Dann können zusätzlich zur Schwellung auftreten:

Ein rasch zunehmendes Hämatom zusammen mit neurologischen Symptomen sollte ärztlich beurteilt werden.

Siehe:

Hämatom

Nervenreizung durch zu engen Schmuck

Ist der Schmuck bei starker Schwellung zu kurz oder drückt erheblich auf das Gewebe, kann dadurch ebenfalls Druck auf oberflächliche Nerven entstehen.

Warnzeichen können sein:

Dann sollte die Schmucksituation fachkundig beurteilt werden.

Welche Symptome können auf eine Nervenbeteiligung hinweisen?

Mögliche Symptome sind:

Bei motorischer Beteiligung können hinzukommen:

Siehe:

Taubheit und Gefühlsstörungen

Motorische Einschränkungen

Ist jede Taubheit nach einem Piercing gefährlich?

Nein.

Direkt am Stichkanal können kleine Hautnerven verletzt oder vorübergehend gereizt werden.

Dadurch kann ein begrenzter Bereich zeitweise:

sein.

Kleine sensible Nervenäste können sich teilweise erholen.

Entscheidend ist der Verlauf.

Ein kleiner Bereich, dessen Empfindung allmählich zurückkehrt, ist anders zu beurteilen als eine:

Gefühlsstörung.

Was bedeutet ein elektrisierender Schmerz beim Piercen?

Ein plötzlich einschießender oder elektrisierender Schmerz kann darauf hinweisen, dass ein Nerv oder eine Nervenstruktur mechanisch gereizt wurde.

Ein solcher Schmerz beweist jedoch nicht automatisch eine dauerhafte Nervenschädigung.

Wichtig ist:

Bleiben danach neurologische Beschwerden bestehen?

Beispielsweise:

Dann sollte medizinisch abgeklärt werden.

Können Nerven wieder heilen?

Das hängt vom Ausmaß der Schädigung ab.

Leichte Reizungen oder Druckschäden können sich vollständig zurückbilden.

Auch teilweise verletzte periphere Nerven besitzen grundsätzlich eine gewisse Regenerationsfähigkeit.

Eine schwere Verletzung oder vollständige Durchtrennung kann dagegen:

verursachen.

Deshalb lässt sich unmittelbar nach Auftreten eines Symptoms nicht immer sicher vorhersagen, wie vollständig die Erholung sein wird.

Warum ist der Verlauf so wichtig?

Bei neurologischen Symptomen sollte beobachtet werden:

Eine stetige Besserung spricht eher für eine vorübergehende Reizung.

Eine:

sollte dagegen ärztlich abgeklärt werden.

Wann sollte ärztlich abgeklärt werden?

Eine medizinische Beurteilung ist besonders wichtig bei:

Bei motorischen Ausfällen sollte nicht abgewartet werden.

Was sollte nicht gemacht werden?

Bei Verdacht auf eine Nervenreizung sollte nicht versucht werden:

Zusätzliche mechanische Belastung kann das Gewebe weiter reizen.

Der wichtigste Unterschied

Nach einem Piercing können neurologische Beschwerden aus unterschiedlichen Gründen entstehen:

Direkte Verletzung eines Nervs

oder

indirekter Druck beziehungsweise Reizung durch Schwellung, Hämatom oder Schmuck.

Von außen lässt sich dieser Unterschied nicht immer sofort sicher feststellen.

Deshalb ist der Verlauf entscheidend:

Werden die Beschwerden weniger – oder nehmen sie zu beziehungsweise bleiben deutlich bestehen?

Der wichtigste Grundsatz

Eine kleine vorübergehende Gefühlsveränderung unmittelbar am Piercing muss keine dauerhafte Nervenschädigung bedeuten.

Deutliche, anhaltende oder zunehmende neurologische Symptome sollten jedoch nicht ignoriert werden.

Besonders wichtig sind:

Diese gehören medizinisch abgeklärt.


Weiterführende Seiten

← Zurück zur Übersicht