Mikroorganismen können auf unterschiedlichen Wegen auf einen Menschen oder in eine Wunde übertragen werden.
Für die Piercingpraxis ist dieses Thema besonders wichtig, weil beim Piercen die natürliche Schutzbarriere von Haut oder Schleimhaut gezielt durchbrochen wird.
Dadurch entsteht für eine gewisse Zeit eine direkte Eintrittspforte für Mikroorganismen.
Zu den wichtigsten möglichen Übertragungswegen gehören:
Ein Piercing stellt während der Heilungsphase eine Wunde beziehungsweise einen noch nicht vollständig ausgereiften Stichkanal dar.
Mikroorganismen können dadurch leichter:
Entscheidend ist deshalb nicht nur, welche Mikroorganismen vorhanden sind, sondern auch:
Wie gelangen sie an das Piercing?
Wenn Mikroorganismen auf eine Piercingstelle gelangen, bedeutet dies zunächst nur eine:
Kontamination
Das bedeutet:
Mikroorganismen befinden sich vorübergehend auf einer Oberfläche oder Wunde.
Daraus muss nicht automatisch eine Infektion entstehen.
Eine Infektion entsteht erst dann, wenn Mikroorganismen:
Von einer Kolonisation spricht man, wenn Mikroorganismen einen Bereich besiedeln, ohne eine klinische Infektion hervorzurufen.
Dies ist beispielsweise auf:
normal.
Auch ein abgeheiltes Piercing kann mikrobiell besiedelt sein, ohne krank zu sein.
Eine Infektion liegt vor, wenn Mikroorganismen in Gewebe eindringen beziehungsweise sich dort vermehren und eine klinisch relevante Reaktion verursachen.
Mögliche Zeichen sind:
Hände gehören zu den wichtigsten Übertragungswegen im Alltag und in der Piercingpraxis.
Mikroorganismen können über die Hände übertragen werden durch:
Auch im Studio können kontaminierte Hände beziehungsweise Handschuhe Mikroorganismen auf:
übertragen.
Mehr dazu:
Bei einer Schmierinfektion werden Mikroorganismen über direkten oder indirekten Kontakt übertragen.
Beispiele:
direkte Übertragung
indirekte Übertragung
wird berührt und anschließend das Piercing.
Mehr dazu:
Blut ist in der Piercingpraxis von besonderer Bedeutung.
Beim Piercen kann Blutkontakt entstehen durch:
Über Blut können unter anderem übertragen werden:
Deshalb gelten bei jedem Kunden konsequente Standardhygienemaßnahmen.
Mehr dazu:
Speichel enthält zahlreiche Mikroorganismen.
Besonders bei:
besteht zwangsläufig Kontakt mit der natürlichen Mundflora.
Zusätzlicher Speichelkontakt durch andere Personen kann während der Heilungsphase weitere Mikroorganismen einbringen.
Mehr dazu:
Bei Intim- und Oralpiercings können sexuelle Kontakte während der Heilungsphase besonders relevant sein.
Dabei können übertragen werden:
Zusätzlich kann Reibung:
Mehr dazu:
Wasser ist nicht automatisch steril.
Je nach Herkunft kann Wasser unterschiedliche Mikroorganismen enthalten.
Besonders relevant können sein:
Für Knorpelpiercings ist insbesondere Pseudomonas aeruginosa relevant, ein Bakterium, das feuchte Milieus bevorzugt.
Mehr dazu:
Mikroorganismen können zeitweise auf Gegenständen oder Oberflächen verbleiben.
Mögliche Quellen sind:
Ob daraus tatsächlich eine Infektion entsteht, hängt von vielen Faktoren ab.
Mehr dazu:
Bei einer Selbstkontamination werden Mikroorganismen vom eigenen Körper an eine andere Körperstelle übertragen.
Beispiele:
Die Mikroorganismen müssen dabei nicht von einer anderen Person stammen.
Mehr dazu:
Bei einer Tröpfchenübertragung werden größere respiratorische Partikel beispielsweise beim:
freigesetzt.
Für typische lokale Piercinginfektionen ist dieser Übertragungsweg meist weniger bedeutend als:
Im Studio spielt Atemhygiene dennoch eine Rolle, insbesondere bei Tätigkeiten in unmittelbarer Nähe zu Gesicht, Mund oder Schleimhäuten.
Mehr dazu:
Auch direkter Hautkontakt kann Mikroorganismen übertragen.
Die Haut ist natürlicherweise mikrobiell besiedelt.
Dazu gehören unter anderem:
Viele dieser Mikroorganismen sind normalerweise harmlos.
Gelangen sie jedoch in eine frische Wunde, können einzelne Arten unter geeigneten Bedingungen eine Infektion verursachen.
Mehr dazu:
Ein besonders wichtiger Begriff in der professionellen Piercingpraxis ist:
Kreuzkontamination
Dabei werden Mikroorganismen unbeabsichtigt von einem kontaminierten auf einen sauberen Bereich übertragen.
Beispiel:
Ein Piercer berührt mit kontaminierten Handschuhen:
und später werden diese Gegenstände erneut berührt.
Dadurch können Mikroorganismen weitergegeben werden.
Handschuhe sind ein wichtiger Bestandteil des Arbeitsschutzes.
Sie ersetzen jedoch nicht:
Ein kontaminierter Handschuh kann Mikroorganismen genauso auf Oberflächen übertragen wie eine kontaminierte Hand.
Während des Piercens sollten sterile Materialien nicht mit unsterilen Flächen in Kontakt kommen.
Zu sterilen Materialien können beispielsweise gehören:
Sobald ein steriler Gegenstand mit einer unsterilen Oberfläche in Kontakt kommt, muss er als kontaminiert betrachtet werden.
Schmuck kann Mikroorganismen übertragen, wenn er vor dem Einsetzen kontaminiert wurde.
Besonders kritisch ist Schmuck für frische Piercings, weil er unmittelbar in den neuen Stichkanal eingebracht wird.
Optische Sauberkeit bedeutet nicht:
mikrobiologische Sicherheit.
Auch Pflegeprodukte können theoretisch zur Übertragung beitragen, wenn sie:
Deshalb ist die hygienische Anwendung genauso wichtig wie die Zusammensetzung des Produkts.
Nicht jeder Mikroorganismus wird auf jedem Weg gleich gut übertragen.
Beispiele:
Hepatitis B, Hepatitis C und HIV
→ besonders relevant bei Blutkontakt.
Herpes-simplex-Viren
→ direkter Haut- beziehungsweise Schleimhautkontakt.
Pseudomonas aeruginosa
→ unter anderem feuchte Umwelt und Wasser.
Staphylokokken
→ häufig Haut und Hände.
Die Kenntnis des Übertragungswegs hilft deshalb, sinnvolle Präventionsmaßnahmen auszuwählen.
Ein Übertragungsweg allein verursacht noch keine Infektion.
Der Erreger benötigt häufig eine geeignete Eintrittspforte.
Bei Piercings ist diese Eintrittspforte bereits vorhanden:
der frische beziehungsweise verletzte Stichkanal.
Deshalb ist während der Heilungsphase eine konsequente Hygiene besonders wichtig.
Auch ein bereits heilender Stichkanal kann durch:
erneut verletzt werden.
Dabei können kleine Gewebeschäden entstehen.
Diese können die Schutzfunktion der Hautbarriere erneut beeinträchtigen.
In der Piercingpraxis gehören dazu:
Nach dem Piercen sind besonders sinnvoll:
Bei Piercings können Mikroorganismen auf zahlreichen Wegen übertragen werden.
Die wichtigsten praktisch relevanten Wege sind:
Eine Kontamination führt nicht automatisch zu einer Infektion.
Das Infektionsrisiko steigt jedoch, wenn:
Bei einem frischen Piercing besteht deshalb das zentrale Ziel darin:
unnötige Übertragungswege konsequent zu unterbrechen.