Eine Schmierinfektion ist die Übertragung von Mikroorganismen durch direkten oder indirekten Kontakt.
Für Piercings ist dieser Übertragungsweg besonders relevant, weil Mikroorganismen über:
an einen frischen oder gereizten Stichkanal gelangen können.
Bei der direkten Schmierinfektion erfolgt die Übertragung unmittelbar von einer Person oder Körperstelle auf eine andere.
Beispiele:
Bei der indirekten Schmierinfektion erfolgt die Übertragung über einen zwischengeschalteten Gegenstand oder eine Oberfläche.
Mögliche Beispiele sind:
Der typische Ablauf kann sein:
kontaminierte Oberfläche → Hand → Piercing
oder:
kontaminierter Gegenstand → direkte Berührung des Piercings
Ein frischer Stichkanal besitzt noch keine vollständig wiederhergestellte Hautbarriere.
Dadurch können Mikroorganismen leichter in Kontakt mit tiefer liegendem Gewebe kommen.
Besonders relevant sind Situationen, in denen gleichzeitig:
Eine Schmierübertragung führt zunächst zu einer Kontamination.
Das bedeutet:
Mikroorganismen gelangen auf eine Oberfläche oder Wunde.
Eine Infektion entsteht daraus nicht zwangsläufig.
Ob sich eine Infektion entwickelt, hängt unter anderem ab von:
Die Hände sind häufig das Bindeglied zwischen einer kontaminierten Oberfläche und dem Piercing.
Beispiel:
Smartphone → Hand → Piercing
oder:
Türklinke → Hand → Schmuckwechsel
Mehr dazu:
Auch im Studio kann eine indirekte Übertragung stattfinden.
Typische Fehlerquellen sind:
Die Schmierinfektion ist eng mit dem Begriff:
Kreuzkontamination
verbunden.
Dabei werden Mikroorganismen unbeabsichtigt von einem kontaminierten Bereich auf einen sauberen Bereich übertragen.
Beispiel:
gebrauchte Instrumente → Handschuh → Schubladengriff → neuer Handschuh → erneute Berührung des Griffes
So können Mikroorganismen über mehrere Stationen weitergegeben werden.
Ein Handschuh ist keine dauerhaft sterile Barriere.
Sobald mit dem Handschuh beispielsweise:
berührt wurde, kann seine Außenseite kontaminiert sein.
Ein kontaminierter Handschuh kann Mikroorganismen genauso weitertragen wie eine Hand.
Bei Ohrpiercings sind beispielsweise relevant:
Diese Gegenstände können:
Auch Bettwäsche ist nicht steril.
Bei frischen Ohrpiercings kommen durch Schlafen auf dem Piercing mehrere Faktoren zusammen:
Das Problem ist daher nicht ausschließlich mikrobiologisch, sondern auch mechanisch.
Handtücher können Mikroorganismen aufnehmen und durch Feuchtigkeit ein günstiges Milieu bieten.
Problematisch ist insbesondere:
Für die Piercingpflege sollten saubere Materialien verwendet werden.
Schmuck kann ebenfalls Mikroorganismen übertragen.
Das ist besonders relevant bei:
Optisch sauber bedeutet nicht automatisch mikrobiologisch sicher.
Auch Pflegeutensilien können kontaminiert werden.
Dazu gehören beispielsweise:
Werden diese mit Händen oder Wundsekret kontaminiert, können Mikroorganismen weitergetragen werden.
Pflegeprodukte sollten so verwendet werden, dass der Inhalt möglichst nicht rückkontaminiert wird.
Problematisch kann sein:
Das Drehen eines Piercings kann zwei Probleme miteinander verbinden:
Dabei können Keime von:
in Richtung Stichkanal verschoben werden.
Eine häufige Form der Schmierinfektion ist die Selbstkontamination.
Dabei werden Mikroorganismen vom eigenen Körper übertragen.
Beispiele:
Mehr dazu:
Über Schmierkontakt können zahlreiche Mikroorganismen weitergegeben werden.
Dazu gehören unter anderem:
Welche Erreger relevant sind, hängt von der ursprünglichen Kontaminationsquelle ab.
Staphylokokken gehören zur natürlichen Hautflora.
Ein wichtiger Vertreter ist:
Staphylococcus aureus
Dieser kann unter anderem:
besiedeln.
Durch Hände kann er grundsätzlich an eine Wunde übertragen werden.
Mehr dazu:
Auch bestimmte Viren können durch direkten oder indirekten Kontakt übertragen werden.
Die Bedeutung hängt jedoch stark vom jeweiligen Virus ab.
Nicht jeder Erreger bleibt auf Oberflächen gleich lange infektiös und nicht jeder wird über Schmierkontakt effizient übertragen.
Mehr dazu:
Wichtige Maßnahmen sind:
Nach dem Piercen sollte vermieden werden:
Eine Schmierinfektion erfolgt durch direkten oder indirekten Kontakt.
Für Piercings ist besonders wichtig:
Oberfläche → Hand → Piercing
oder:
Gegenstand → Piercing
Die wirksamste Prävention besteht darin, solche Übertragungsketten zu unterbrechen.