Mundhöhle und Speichel enthalten eine große Zahl unterschiedlicher Mikroorganismen.
Für Piercings ist dieser Bereich besonders relevant bei:
Ein frischer Stichkanal kann dabei unmittelbar mit Speichel und der natürlichen Mundflora in Kontakt kommen.
Die Mundhöhle besitzt ein komplexes Mikrobiom.
Dazu gehören unter anderem:
Viele dieser Mikroorganismen gehören zur normalen Flora und verursachen unter normalen Bedingungen keine Erkrankung.
Speichel selbst ist nicht steril.
Er enthält:
Beim Kontakt mit einer frischen Piercingwunde können daher Mikroorganismen an den Stichkanal gelangen.
Bei einem Zungen- oder Lippenpiercing lässt sich der Kontakt mit eigenem Speichel nicht vermeiden.
Das allein bedeutet noch keine Infektion.
Entscheidend sind:
Anders zu bewerten ist zusätzlicher Kontakt mit Speichel anderer Personen.
Dieser kann auftreten durch:
Dadurch können weitere Mikroorganismen übertragen werden, die nicht zur eigenen normalen Mundflora gehören.
Bei frischen Lippen- und Mundpiercings kann intensives Küssen problematisch sein.
Dabei kommen zusammen:
Dadurch kann der Stichkanal zusätzlich gereizt und mikrobiell belastet werden.
Bei Oralverkehr können:
zusammentreffen.
Bei einem frischen Oral- oder Intimpiercing kann dadurch das Risiko für:
steigen.
Mehr dazu:
Im Mund kommen zahlreiche Bakterien vor.
Dazu gehören insbesondere verschiedene:
Mehr dazu:
Verschiedene Streptokokkenarten gehören zur normalen Mundflora.
Sie können bei geeigneten Bedingungen jedoch auch an Infektionen beteiligt sein.
Mehr dazu:
In bestimmten Bereichen der Mundhöhle herrschen sauerstoffarme Bedingungen.
Deshalb kommen dort auch anaerobe Mikroorganismen vor.
Besonders relevant sind:
Mehr dazu:
Auch Hefepilze können zur Mundflora gehören.
Besonders bekannt ist:
Candida albicans
Unter bestimmten Bedingungen kann es zu einer oralen Candidose kommen.
Mehr dazu:
Auch bestimmte Viren können über direkten Haut- oder Schleimhautkontakt relevant sein.
Dazu gehören beispielsweise:
Mehr dazu:
Herpes-simplex-Viren können typische Bläschen und schmerzhafte Schleimhautveränderungen verursachen.
Bei einer aktiven Herpesinfektion sollte nicht durch den betroffenen Bereich gepierct werden.
Neu auftretende Bläschen im Bereich eines frischen Piercings sollten medizinisch abgeklärt werden.
Eine gute Mundhygiene ist wichtig.
Sie sollte jedoch nicht mit aggressiver Desinfektion verwechselt werden.
Das Ziel ist:
Regelmäßiges Zähneputzen reduziert:
Dabei sollte das frische Piercing nicht unnötig mechanisch gereizt werden.
Mundspüllösungen können je nach Produkt unterschiedliche Wirkstoffe enthalten.
Nicht jede Mundspülung ist für häufige Anwendung an einer frischen Piercingwunde geeignet.
Zu aggressive oder zu häufige Anwendung kann:
Alkoholhaltige Produkte können bei empfindlicher oder frisch verletzter Schleimhaut:
verursachen.
Deshalb sollte ihre Verwendung bei frischen Oralpiercings kritisch betrachtet werden.
Nach dem Essen können Speisereste:
haften.
Regelmäßige normale Mundhygiene hilft, solche Ablagerungen zu reduzieren.
Rauchen kann die Mundschleimhaut zusätzlich belasten.
Mögliche Effekte sind:
Auch alkoholische Getränke können frische Schleimhäute reizen.
Zusätzlich kann Alkohol zu:
beitragen.
Bei Oralpiercings spielt neben Mikroorganismen auch Mechanik eine große Rolle.
Belastungen entstehen beispielsweise durch:
Mikroverletzungen können die lokale Schutzbarriere erneut beeinträchtigen.
Besonders bei Zungen- und Lippenpiercings muss Schmuck ausreichend Platz für anfängliche Schwellung bieten.
Zu kurzer Schmuck kann:
Gewebeschäden können wiederum die Anfälligkeit für Infektionen erhöhen.
Speichel besitzt auch schützende Eigenschaften.
Er enthält unter anderem:
Speichel ist deshalb nicht nur eine „Keimquelle“.
Er ist Teil der normalen lokalen Abwehr der Mundhöhle.
Aus den natürlichen Abwehrfunktionen des Speichels darf jedoch nicht abgeleitet werden:
Speichel desinfiziert eine Wunde.
Speichel enthält selbst zahlreiche Mikroorganismen und sollte nicht gezielt auf andere frische Piercings aufgebracht werden.
Es ist nicht sinnvoll, Speichel auf:
aufzubringen.
Dadurch können Mikroorganismen aus der Mundhöhle auf eine andere Körperregion übertragen werden.
Auch indirekte Übertragung kann auftreten.
Beispiele:
Die praktische Bedeutung hängt vom jeweiligen Erreger und den konkreten Umständen ab.
Speichel ist nicht für alle Erreger ein gleich wichtiger Übertragungsweg.
Bei klassischen blutübertragbaren Infektionen wie:
ist Blutkontakt deutlich relevanter als normaler Speichelkontakt.
Bluthaltiger Speichel ist jedoch anders zu bewerten als reiner Speichel.
Blut kann im Mund auftreten durch:
Dadurch können sich Übertragungswege überschneiden:
Speichel + Blut
Mundbakterien können in bestimmten Situationen in die Blutbahn gelangen.
Vorübergehende Bakteriämien können beispielsweise auch nach alltäglichen Vorgängen wie:
auftreten.
Das ist nicht gleichbedeutend mit einer Sepsis.
Auch eine frische orale Wunde kann theoretisch den Eintritt von Bakterien in tiefere Gewebe oder die Blutbahn ermöglichen.
Schwere systemische Komplikationen sind jedoch selten.
Bei:
ist eine medizinische Abklärung erforderlich.
Bei Oralpiercings können:
sichtbar sein.
Diese sollten nicht automatisch als eitrige Infektion interpretiert werden.
Warnzeichen sind eher:
Bei Zungenpiercings kann starke Schwellung medizinisch relevant werden.
Eine rasch zunehmende Schwellung kann:
Bei Atemnot oder deutlich fortschreitender Schwellung ist eine sofortige medizinische Beurteilung erforderlich.
Eine ärztliche Abklärung ist insbesondere sinnvoll bei:
Bei Oralpiercings ist Kontakt mit der eigenen Mundflora unvermeidbar.
Das zentrale Ziel besteht deshalb nicht darin, die Mundhöhle „keimfrei“ zu machen.
Wichtiger sind: