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Übertragung durch Blut

Blut gehört in der Piercingpraxis zu den wichtigsten möglichen Übertragungsmedien für bestimmte Krankheitserreger.

Da beim Piercen die Haut oder Schleimhaut gezielt durchdrungen wird, kann es unmittelbar zu Blutkontakt kommen.

Besonders relevant sind sogenannte:

blutübertragbare Erreger

Dazu gehören insbesondere:

Warum ist Blut beim Piercen besonders relevant?

Beim Piercen können Blut oder bluthaltige Sekrete in Kontakt kommen mit:

Das Risiko entsteht vor allem dann, wenn infektiöses Blut anschließend einen geeigneten Übertragungsweg erhält.

Blutkontakt bedeutet nicht automatisch Infektion

Nicht jeder Kontakt mit Blut führt zu einer Infektion.

Für eine Übertragung sind mehrere Faktoren entscheidend.

Dazu gehören:

Besonders relevant sind:

Intakte Haut

Intakte Haut stellt eine wirksame Barriere dar.

Blutkontakt auf unverletzter Haut ist deshalb anders zu bewerten als:

Trotzdem sollte Blut immer hygienisch sicher entfernt werden.

Nadelstichverletzung

Eine Nadelstichverletzung gehört zu den wichtigsten beruflichen Expositionsereignissen.

Besonders kritisch ist:

gebrauchte Piercingnadel → unbeabsichtigter Stich in Piercer oder andere Person

Dabei kann Blut direkt in das Gewebe eingebracht werden.

Warum Piercingnadeln sofort entsorgt werden müssen

Eine gebrauchte Piercingnadel darf nicht:

werden.

Sie sollte unmittelbar nach Gebrauch in einen geeigneten:

stich- und bruchfesten Abwurfbehälter

gegeben werden.

Dadurch wird das Risiko unbeabsichtigter Stichverletzungen reduziert.

Recapping vermeiden

Unter Recapping versteht man das Zurückstecken einer gebrauchten Nadel in eine Schutzkappe.

Dieser Vorgang erhöht das Risiko einer Stichverletzung.

Deshalb sollte eine gebrauchte Piercingnadel nicht wieder manuell verschlossen werden.

Hepatitis B

Das Hepatitis-B-Virus kann über Blut und bestimmte Körperflüssigkeiten übertragen werden.

Für die Piercingpraxis sind insbesondere relevant:

Hepatitis B ist eine der wichtigsten beruflich vermeidbaren blutübertragbaren Infektionen.

Hepatitis-B-Impfung

Gegen Hepatitis B steht eine Schutzimpfung zur Verfügung.

Für Personen mit regelmäßigem beruflichem Kontakt zu Blut ist ein ausreichender Impfschutz von besonderer Bedeutung.

Der individuelle Impfstatus sollte entsprechend den medizinischen beziehungsweise arbeitsschutzrechtlichen Empfehlungen überprüft werden.

Hepatitis C

Hepatitis C wird überwiegend über Blut übertragen.

Mögliche Übertragungswege sind:

Gegen Hepatitis C steht keine Schutzimpfung zur Verfügung.

Daher ist konsequente Prävention besonders wichtig.

HIV

Auch HIV kann über Blut übertragen werden.

Relevante berufliche Expositionen sind insbesondere:

HIV wird dagegen nicht durch normalen Hautkontakt oder bloße räumliche Nähe übertragen.

Unterschiedliche Übertragungsrisiken

HBV, HCV und HIV unterscheiden sich deutlich hinsichtlich:

Deshalb darf das Risiko einer Exposition nicht für alle Erreger gleich bewertet werden.

Kontaminierte Instrumente

Mehrfach verwendbare Instrumente können Blutreste aufnehmen.

Werden sie nicht korrekt aufbereitet, besteht grundsätzlich die Gefahr einer Weiterübertragung.

Erforderlich sind geeignete Verfahren für:

abhängig von Instrument und Einsatzbereich.

Sichtbar sauber ist nicht ausreichend

Ein Instrument kann optisch sauber aussehen und dennoch mikrobiologisch kontaminiert sein.

Blutreste können:

sein.

Deshalb darf die hygienische Bewertung nicht ausschließlich anhand des Aussehens erfolgen.

Schmuck als mögliche Übertragungsquelle

Auch Schmuck, der mit Blut kontaminiert wurde, kann Mikroorganismen tragen.

Besonders relevant ist dies, wenn Schmuck:

wird.

Erstschmuck für einen frischen Stichkanal muss hygienisch sicher vorbereitet sein.

Arbeitsflächen

Blut kann auch auf Arbeitsflächen gelangen.

Dazu gehören beispielsweise:

Solche Kontaminationen müssen entsprechend dem Hygienekonzept behandelt werden.

Blut auf Handschuhen

Handschuhe können während des Piercens mit Blut kontaminiert werden.

Mit diesen Handschuhen dürfen anschließend nicht unkontrolliert:

berührt werden.

Sonst entsteht eine Kreuzkontamination.

Handschuhe sind kein Ersatz für Händehygiene

Auch bei korrektem Handschuhgebrauch bleiben erforderlich:

Mehr dazu:

Übertragung durch Hände

Schleimhautkontakt

Blutkontakt mit Schleimhäuten ist medizinisch relevant.

Betroffen sein können beispielsweise:

Deshalb kann bei Arbeiten mit möglicher Spritzgefahr zusätzlicher Schutz sinnvoll sein.

Blut und offene Hautstellen

Kleine Verletzungen an den Händen können eine Eintrittspforte darstellen.

Dazu gehören:

Solche Hautschäden sind deshalb auch aus Arbeitsschutzsicht relevant.

Kreuzkontamination

Ein typischer Übertragungsweg kann sein:

Blut → Handschuh → Oberfläche → neue Hand → steriles Material

Dadurch kann Blut indirekt weitergetragen werden.

Mehr dazu:

Schmierinfektion

Blutreste und getrocknetes Blut

Getrocknetes Blut darf nicht als automatisch ungefährlich betrachtet werden.

Die Überlebensfähigkeit von Erregern außerhalb des Körpers unterscheidet sich.

Deshalb gilt:

Blutkontaminationen müssen unabhängig vom Alter der sichtbaren Verschmutzung hygienisch behandelt werden.

Was tun bei Blutkontamination?

Bei einer Blutkontamination sollten die vorgesehenen betrieblichen Hygienemaßnahmen durchgeführt werden.

Dazu gehören je nach Situation:

Was tun bei Nadelstichverletzung?

Eine Nadelstichverletzung sollte nicht bagatellisiert werden.

Erforderlich sind:

Je nach Exposition können weitere Maßnahmen erforderlich sein.

Warum Zeit wichtig sein kann

Bei bestimmten Expositionen können medizinische Postexpositionsmaßnahmen erforderlich sein.

Insbesondere bei möglicher HIV-Exposition ist eine sehr frühe medizinische Beurteilung wichtig.

Auch bei Hepatitis B können Impfstatus und gegebenenfalls weitere Maßnahmen eine Rolle spielen.

Keine eigenständige Risikobewertung

Ein Piercer sollte nach einer relevanten Blut- oder Nadelstichexposition nicht selbst entscheiden:

„Das wird schon nichts sein.“

Die Bewertung gehört in medizinische beziehungsweise arbeitsmedizinische Hände.

Dokumentation

Eine berufliche Exposition sollte dokumentiert werden.

Relevant können sein:

Die weiteren Schritte richten sich nach der konkreten Situation.

Blutkontakt beim Kunden

Auch beim Kunden können Blutkontakte auftreten.

Wichtig ist deshalb:

Blutübertragung durch gemeinsam genutzten Schmuck

Schmuck sollte nicht ungeprüft von einer Person auf eine andere übertragen werden.

Blut oder Sekretreste können selbst dann vorhanden sein, wenn sie nicht sichtbar sind.

Rasierer und andere scharfe Gegenstände

Auch Gegenstände wie:

können mit Blut kontaminiert werden.

Solche Gegenstände müssen entsprechend sicher verwendet beziehungsweise entsorgt werden.

Einmalmaterialien

Einmalprodukte sind nach Gebrauch zu entsorgen.

Dazu gehören insbesondere:

Die Wiederverwendung ist aus hygienischer Sicht nicht zulässig.

Standardhygiene

Ein entscheidender Grundsatz lautet:

Blut ist grundsätzlich so zu behandeln, als könne es infektiöse Erreger enthalten.

Das bedeutet nicht, dass jeder Kunde infektiös ist.

Es bedeutet, dass Hygienestandards unabhängig von bekannten Diagnosen angewendet werden.

Kunden nicht nach Infektionen „sortieren“

Eine Infektion kann:

sein.

Deshalb darf Hygiene nicht davon abhängig gemacht werden, ob ein Kunde angibt, Hepatitis oder HIV zu haben.

Warum das auch vor Diskriminierung schützt

Konsequente Standardhygiene hat zwei Vorteile:

Die Schutzmaßnahmen gelten für jeden Kunden gleichermaßen.

Wichtig für die Piercingpraxis

Die Übertragung durch Blut gehört zu den zentralen Hygienethemen im Piercingstudio.

Besonders relevant sind:

Die wichtigsten Schutzmaßnahmen sind:


Weiterführende Themen: Übertragungswege von Mikroorganismen


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