Für die Pflege eines Piercings werden sehr unterschiedliche Produkte angeboten.
Dazu gehören beispielsweise:
Dabei sehen Produkte teilweise ähnlich aus oder enthalten sogar ähnliche Wirkstoffe.
Trotzdem können sie rechtlich und medizinisch völlig unterschiedlich eingeordnet sein.
Der wichtigste Grundsatz lautet deshalb:
Nicht allein der Inhaltsstoff entscheidet darüber, was ein Produkt ist und wofür es verwendet werden darf.
Entscheidend sind insbesondere:
Der Begriff Pflegeprodukt wird im Alltag sehr häufig verwendet.
Er kann jedoch völlig unterschiedliche Produkte umfassen.
Ein als „Piercingpflege“ angebotenes Produkt kann beispielsweise rechtlich ein:
sein.
Deshalb sagt die Bezeichnung:
„Pflegeprodukt“
allein noch nichts darüber aus, welche rechtlichen Anforderungen gelten oder welche Wirkung das Produkt beanspruchen darf.
Die Produktkategorie bestimmt unter anderem:
Für die Piercingpflege ist deshalb nicht nur interessant:
„Was ist enthalten?“
sondern ebenso:
„Wofür ist genau dieses Produkt vom Hersteller bestimmt?“
Kosmetische Mittel sind nach europäischem Recht Stoffe oder Gemische, die hauptsächlich dazu bestimmt sind, äußerlich mit bestimmten Körperbereichen oder mit Zähnen und Mundschleimhaut in Kontakt zu kommen, beispielsweise um diese:
Ein kosmetisches Mittel ist damit grundsätzlich kein Arzneimittel zur Behandlung einer Infektion oder Erkrankung.
Die konkrete Einordnung hängt jedoch immer vom jeweiligen Produkt und seiner Zweckbestimmung ab.
Ein Medizinprodukt ist ein Produkt mit einer vom Hersteller festgelegten medizinischen Zweckbestimmung.
Dazu können beispielsweise Produkte gehören, die zur:
bestimmt sind.
Ein entscheidender Unterschied zum Arzneimittel besteht darin, dass die bestimmungsgemäße Hauptwirkung eines Medizinprodukts nicht pharmakologisch, immunologisch oder metabolisch erreicht wird.
Bei Wundspüllösungen kann die Hauptwirkung beispielsweise physikalisch durch:
erreicht werden.
Welche Kategorie tatsächlich vorliegt, muss jedoch immer für das konkrete Produkt geprüft werden.
Arzneimittel dienen unter anderem dazu:
Typische Beispiele im Zusammenhang mit Haut- oder Wundproblemen können bestimmte:
sein.
Ob ein bestimmtes Produkt tatsächlich ein Arzneimittel ist, ergibt sich nicht allein daraus, dass es einen bekannten Wirkstoff enthält.
Entscheidend ist die konkrete rechtliche Einstufung des Produktes.
Das ist für die Piercingpflege besonders wichtig.
Zwei Produkte können einen ähnlichen oder sogar denselben Inhaltsstoff enthalten und trotzdem unterschiedlich eingestuft sein.
Grund dafür können Unterschiede sein bei:
Deshalb sollte aus der Zutatenliste allein nicht geschlossen werden:
„Das ist dasselbe Produkt.“
Eine Lösung mit 0,9 % Natriumchlorid ist zunächst eine isotone Kochsalzlösung.
Je nach konkretem Produkt kann sie beispielsweise zur:
vorgesehen sein.
Wichtig:
NaCl 0,9 % besitzt keine relevante antiseptische Wirkung.
Die Hauptfunktion bei der Piercingpflege besteht vor allem in der:
Mehr dazu:
Auch dieser Punkt wird häufig missverstanden.
Sterilität beschreibt einen Zustand bzw. eine Produkteigenschaft.
Sie sagt zunächst nichts darüber aus, ob ein Produkt rechtlich ein:
ist.
Ein steriles Produkt ist deshalb nicht allein aufgrund seiner Sterilität automatisch ein Medizinprodukt.
Siehe:
Auch umgekehrt gilt:
Ein Medizinprodukt ist nicht automatisch steril.
Ob ein Medizinprodukt steril bereitgestellt wird, hängt von:
ab.
Deshalb muss bei jedem Produkt konkret geprüft werden, ob der Hersteller es als steril kennzeichnet.
Ein Produkt kann Wundsekret oder Verunreinigungen entfernen, ohne Mikroorganismen gezielt abzutöten.
Beispielsweise kann eine Flüssigkeit durch:
reinigen.
Ein Antiseptikum besitzt dagegen eine gezielte antimikrobielle Wirkung auf lebendem Gewebe.
Deshalb sind die Aussagen:
„reinigt“
und
„wirkt antiseptisch“
nicht gleichbedeutend.
Siehe:
Bei einem normal heilenden Piercing besteht das Ziel nicht darin, möglichst viele Wirkstoffe anzuwenden.
Zu intensive oder unnötig aggressive Pflege kann empfindliches Heilungsgewebe zusätzlich reizen.
Mögliche Probleme einer Überpflege sind:
Deshalb sollte Pflege immer einen konkreten Zweck erfüllen.
Siehe:
Auch mehrere einzeln geeignete Produkte müssen nicht automatisch eine sinnvolle Kombination ergeben.
Mögliche Probleme sind:
Deshalb sollte nicht nach dem Prinzip:
„Viel hilft viel.“
gepflegt werden.
Mehr dazu:
Ein wichtiger Unterschied besteht zwischen:
normaler Piercingpflege
und
Behandlung einer medizinischen Komplikation.
Normale Pflege kann beispielsweise:
Eine ausgeprägte:
kann dadurch jedoch nicht zuverlässig behandelt werden.
Solche Situationen benötigen gegebenenfalls medizinische Diagnostik und Therapie.
Die Frage sollte deshalb nicht lauten:
„Welches ist das stärkste Produkt?“
Sondern:
„Was benötigt dieses Piercing in der aktuellen Situation überhaupt?“
Beispiele:
Normale Reinigung
→ möglicherweise reicht eine geeignete sterile Kochsalzlösung.
Mechanische Reizung
→ vor allem die mechanische Ursache beseitigen.
Verdacht auf Infektion
→ nicht einfach immer stärkere Pflegeprodukte ausprobieren, sondern die Situation beurteilen lassen.
Medizinische Komplikation
→ gegebenenfalls ärztliche Behandlung.
Vor der Verwendung sind insbesondere wichtig:
Bei Produkten für Wunden oder Schleimhäute sollte außerdem geprüft werden, ob genau diese Anwendung vom Hersteller vorgesehen ist.
Begriffe wie:
sollten nicht isoliert bewertet werden.
Entscheidend ist die offizielle Produktinformation des Herstellers.
Bei einem Medizinprodukt ist die Zweckbestimmung besonders wichtig.
Siehe:
Bei Pflegeprodukten für Piercings müssen drei Fragen getrennt beantwortet werden:
1. Was ist das Produkt rechtlich?
Kosmetikum, Medizinprodukt, Arzneimittel oder eine andere Produktkategorie?
2. Wofür ist genau dieses Produkt bestimmt?
Reinigung, Spülung, Antiseptik, Behandlung oder etwas anderes?
3. Passt diese Zweckbestimmung zur aktuellen Situation des Piercings?
Erst danach sollte entschieden werden, ob das Produkt sinnvoll eingesetzt werden kann.
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