Lymphe ist die Flüssigkeit, die innerhalb des:
Lymphgefäßsystems
transportiert wird.
Sie entsteht aus Flüssigkeit, die ursprünglich aus dem Blutgefäßsystem in das umliegende Gewebe gelangt.
Das Lymphsystem nimmt einen Teil dieser Gewebsflüssigkeit wieder auf und transportiert sie schließlich zurück in den venösen Blutkreislauf.
Lymphe erfüllt dabei wichtige Aufgaben für:
Das Blut wird durch ein dichtes Netz aus:
Kapillaren
transportiert.
Im Bereich dieser kleinsten Blutgefäße findet ein ständiger Austausch zwischen:
statt.
Dabei gelangt Flüssigkeit aus dem Blutgefäßsystem in den:
Zwischenzellraum / Interstitium.
Diese Flüssigkeit wird zunächst als:
interstitielle Flüssigkeit beziehungsweise Gewebsflüssigkeit
bezeichnet.
Ein großer Teil der Gewebsflüssigkeit wird über das Gefäßsystem wieder aufgenommen.
Ein weiterer Teil gelangt in die:
Lymphkapillaren.
Sobald die Flüssigkeit in das Lymphgefäßsystem aufgenommen wurde, bezeichnet man sie als:
Lymphe.
Ein häufiger Irrtum ist die Vorstellung:
„Der Körper produziert Lymphe und diese tritt dann aus einer Wunde aus.“
So einfach ist es nicht.
Vereinfacht gilt:
Blutplasma → Gewebsflüssigkeit → Aufnahme in Lymphgefäße → Lymphe
Die Bezeichnung hängt also auch davon ab:
wo sich die Flüssigkeit befindet.
Die genaue Zusammensetzung der Lymphe ist abhängig von:
Lymphe enthält unter anderem:
In bestimmten Körperregionen kann sie zusätzlich größere Mengen an:
Fetten
enthalten.
Das Lymphsystem transportiert nicht nur Flüssigkeit.
Mit der Lymphe können auch:
zu regionalen Lymphknoten gelangen.
Dort können Immunreaktionen ausgelöst beziehungsweise verstärkt werden.
Zu den wichtigsten Aufgaben gehören:
1. Rücktransport überschüssiger Gewebsflüssigkeit
Das Lymphsystem verhindert, dass sich zu viel Flüssigkeit dauerhaft im Gewebe ansammelt.
2. Rücktransport von Proteinen
Proteine, die aus Blutgefäßen in den Zwischenzellraum gelangen, können über das Lymphsystem wieder zurückgeführt werden.
3. Immunabwehr
Antigene und Immunzellen werden über die Lymphe zu Lymphknoten transportiert.
4. Fetttransport
Im Darm werden bestimmte Nahrungsfette über spezielle Lymphgefäße aufgenommen und weitertransportiert.
Ein Piercing verursacht eine:
kontrollierte Gewebeverletzung.
Dadurch kommt es zunächst zu:
Das Lymphsystem trägt dazu bei:
Nicht direkt.
Die Schwellung eines frisch gestochenen Piercings entsteht vor allem durch:
Das Lymphsystem hilft anschließend dabei, überschüssige Flüssigkeit wieder abzutransportieren.
Deshalb sollte man nicht sagen:
„Das Piercing ist geschwollen, weil sich dort Lymphe gebildet hat.“
Fachlich besser ist:
Es liegt ein entzündlich bedingtes Gewebeödem vor, dessen Flüssigkeit unter anderem über das Lymphsystem abtransportiert wird.
Bei Piercings wird klare oder gelbliche Flüssigkeit häufig als:
„Lymphe“
bezeichnet.
Das ist medizinisch meist zu ungenau.
Aus einem frischen Piercing tritt typischerweise:
Wundexsudat
aus.
Dieses entsteht durch die lokale Wund- und Entzündungsreaktion.
Wundexsudat ist Flüssigkeit, die im Rahmen einer Entzündungsreaktion in das Gewebe beziehungsweise an die Wundoberfläche gelangt.
Es kann enthalten:
Bei stärkerer Entzündung verändert sich die Zusammensetzung.
Eine klare bis leicht gelbliche Farbe kann unter anderem durch:
entstehen.
Beim Trocknen können sich typische:
gelbliche bis honigfarbene Krusten
bilden.
Das bedeutet nicht automatisch:
Eiter oder Infektion.
Vereinfacht:
Lymphe
→ Flüssigkeit innerhalb des Lymphgefäßsystems.
Wundexsudat
→ Flüssigkeit, die im Rahmen einer Wund- beziehungsweise Entzündungsreaktion in das Gewebe und an die Wundoberfläche austritt.
Beide Flüssigkeiten können ähnliche Bestandteile enthalten.
Sie sind aber nicht identisch.
| Merkmal | Lymphe | Wundexsudat |
|---|---|---|
| befindet sich normalerweise in Lymphgefäßen | ja | nein |
| entsteht aus Gewebsflüssigkeit | ja | indirekt beteiligt |
| enthält Proteine | ja | ja |
| enthält Immunzellen | ja | ja |
| kann bei einer Wunde sichtbar austreten | normalerweise nicht direkt als „Lymphe“ zu bezeichnen | ja |
| typisch bei einem frisch gestochenen Piercing | indirekt am Flüssigkeitshaushalt beteiligt | ja |
Im Alltag der Piercingbranche wird klares oder gelbliches Wundsekret häufig als:
„Lymphflüssigkeit“
bezeichnet.
Das ist verständlich, aber anatomisch nicht exakt.
Für fachliche Unterlagen ist deshalb die Formulierung:
Wundexsudat
beziehungsweise:
seröses Wundsekret
präziser.
Seröses Sekret ist meist:
Es kann während normaler Wundheilung auftreten.
Bei Piercings kann es anschließend:
Das allein ist noch kein Hinweis auf eine bakterielle Infektion.
Eiter enthält unter anderem große Mengen:
Eitriges Sekret ist häufig:
als normales seröses Wundexsudat.
Die Farbe allein reicht dennoch nicht für eine sichere Diagnose.
Siehe:
Bei einer Entzündungsreaktion erhöht sich die Flüssigkeitsmenge im Gewebe.
Dadurch steigt auch die Arbeit des:
Lymphsystems.
Zusätzlich gelangen mehr:
in die regionalen Lymphbahnen.
Die Lymphe wird auf ihrem Weg durch:
Lymphknoten
geleitet.
Dort können Antigene erkannt und Immunzellen aktiviert werden.
Bei einer stärkeren Immunreaktion können sich Lymphozyten vermehren.
Dadurch kann der Lymphknoten:
vorübergehend größer und tastbar werden.
Siehe:
Ein frisches Piercing stellt eine lokale Verletzung dar.
Deshalb kann eine regionale Immunreaktion grundsätzlich dazu führen, dass ein zuständiger Lymphknoten:
wird.
Das ist nicht automatisch pathologisch.
Entscheidend ist der gesamte klinische Verlauf.
Lymphe fließt über immer größere Lymphgefäße in Richtung:
zentraler Venen.
Große Lymphstämme münden schließlich im Bereich des:
venösen Winkels
in den Blutkreislauf zurück.
Dadurch wird die zuvor aus dem Blut ausgetretene Flüssigkeit dem Kreislauf wieder zugeführt.
Das Blut wird durch das Herz aktiv durch den Körper gepumpt.
Das Lymphsystem besitzt keine vergleichbare zentrale Pumpe.
Der Lymphtransport wird unter anderem unterstützt durch:
Bei Bewegung drücken Muskeln wiederholt auf Lymphgefäße.
Dadurch wird Flüssigkeit weitertransportiert.
Klappen verhindern dabei weitgehend einen Rückfluss.
Dieser Mechanismus wird häufig als:
Muskelpumpe
bezeichnet.
Aus der Tatsache, dass Bewegung den allgemeinen Lymphtransport unterstützt, darf nicht geschlossen werden:
„Der Piercingschmuck muss bewegt werden, damit die Lymphe abfließen kann.“
Das wäre falsch.
Der Schmuck sollte während der Heilung nicht unnötig:
werden.
Die Lymphzirkulation hängt nicht davon ab, dass der Piercingschmuck bewegt wird.
Wenn der Lymphabfluss beeinträchtigt ist, kann sich Flüssigkeit im Gewebe ansammeln.
Eine ausgeprägte chronische Störung wird als:
Lymphödem
bezeichnet.
Ein Lymphödem unterscheidet sich deutlich von der normalen vorübergehenden Schwellung eines frisch gestochenen Piercings.
Siehe:
Ein korrekt ausgeführtes gewöhnliches Piercing verletzt normalerweise nicht so viele Lymphbahnen, dass dadurch ein klinisch relevantes chronisches Lymphödem entsteht.
Anders kann die Situation bei Personen sein, deren Lymphabfluss bereits deutlich gestört ist, beispielsweise nach:
In solchen Situationen sollte ein Piercing in der betroffenen Region medizinisch individuell beurteilt werden.
Ein chronisch nässender:
Drainagegang
gibt nicht einfach „Lymphe“ ab.
Das austretende Material kann vielmehr bestehen aus:
Der Drainagegang selbst ist ein pathologischer Gewebegang und kein:
Lymphgefäß.
Siehe:
Auch eine:
Fistel
ist kein Lymphgefäß.
Sie ist eine krankhafte Verbindung zwischen anatomischen Strukturen.
Das Sekret aus einer Fistel hängt davon ab, welche Strukturen durch den Gang verbunden werden.
Siehe:
Kleinste Lymphgefäße befinden sich nahezu überall im Gewebe.
Bei einer Gewebeverletzung können deshalb auch kleine:
Lymphkapillaren
mitbetroffen sein.
Diese mikroskopischen Verletzungen sind Bestandteil der normalen Wundreaktion und heilen in der Regel ohne besondere Folgen.
Eine solche Verletzung ist nicht gleichbedeutend mit einem:
klinisch relevanten Lymphgefäßschaden.
Ein anhaltender Austritt von Lymphe aus verletzten Lymphgefäßen wird medizinisch als:
Lymphorrhö beziehungsweise Lymphorrhoe
bezeichnet.
Das tritt eher nach größeren:
auf.
Bei einem gewöhnlichen Piercing ist eine echte anhaltende Lymphorrhö:
nicht der typische Befund.
Deshalb sollte chronisch austretendes Sekret aus einem Piercing nicht automatisch als reine Lymphe bezeichnet werden.
Bei einer bakteriellen Infektion können Bakterien beziehungsweise Entzündungssignale über das lymphatische System weitertransportiert werden.
Dadurch können:
Eine Entzündung der Lymphbahnen wird als:
Lymphangitis
bezeichnet.
Siehe:
Rötliche streifenförmige Veränderungen, die sich von einem entzündeten Bereich ausbreiten, werden umgangssprachlich manchmal mit dem:
„Lymphfluss“
erklärt.
Tatsächlich kann ein solcher Befund auf eine:
Entzündung der Lymphgefäße
hinweisen.
Eine vermutete Lymphangitis sollte medizinisch abgeklärt werden.
Regionale Lymphknoten wirken als biologische Kontrollstationen.
Sie filtern die Lymphe und bringen Immunzellen mit:
in Kontakt.
Dadurch kann eine gezielte Immunantwort entstehen.
Umgangssprachlich entsteht manchmal die Vorstellung, Lymphknoten würden:
„Keime aus dem Piercing ziehen“.
Das ist nicht korrekt.
Das Lymphsystem:
Die eigentliche Bekämpfung einer Infektion erfolgt durch das Zusammenspiel vieler:
Immunmechanismen.
Möglich sind:
Diese Befunde müssen immer im Zusammenhang mit:
beurteilt werden.
Nicht als normale Lymphreaktion abgetan werden sollten:
Solche Befunde können auf eine Infektion hinweisen.
| Aussage | Einordnung |
|---|---|
| Lymphe entsteht aus Gewebsflüssigkeit | ja |
| Lymphe befindet sich im Lymphgefäßsystem | ja |
| Wundsekret ist exakt dasselbe wie Lymphe | nein |
| klares Piercingsekret ist meist besser als seröses Wundexsudat zu bezeichnen | ja |
| Lymphe enthält Immunzellen | ja |
| Lymphsystem transportiert Proteine zurück | ja |
| Lymphsystem ist an Immunabwehr beteiligt | ja |
| Piercingschmuck muss bewegt werden, damit Lymphe abfließt | nein |
| kleine Lymphgefäße können bei einer Wunde mitverletzt werden | ja |
| chronisches Nässen eines Piercings ist automatisch Lymphorrhö | nein |
| Drainagegang ist ein Lymphgefäß | nein |
| Fistel ist ein Lymphgefäß | nein |
| Lymphknoten können auf ein frisches Piercing reagieren | ja |
Lymphe ist:
Gewebsflüssigkeit, die vom Lymphgefäßsystem aufgenommen wurde und innerhalb dieses Systems transportiert wird.
Sie ist wichtig für:
Bei einem Piercing sollte jedoch sprachlich unterschieden werden:
Lymphe
→ Flüssigkeit innerhalb des Lymphgefäßsystems.
Wundexsudat
→ Flüssigkeit, die im Rahmen der Wundheilung und Entzündungsreaktion an der Wundoberfläche austritt.
Deshalb ist die häufige Aussage:
„Aus dem Piercing läuft Lymphe“
zwar umgangssprachlich verbreitet, fachlich aber nicht präzise.
Für professionelle Piercingunterlagen ist die bessere Bezeichnung:
seröses beziehungsweise entzündliches Wundexsudat.