Knorpelpiercings verlaufen durch Gewebe, das sich deutlich von weichem Haut- und Fettgewebe unterscheidet.
Ohrknorpel ist nur gering direkt durchblutet und wird wesentlich über das angrenzende Perichondrium – die Knorpelhaut – versorgt.
Dadurch kann der Knorpel empfindlicher auf:
reagieren.
Eine Knorpelschädigung bedeutet dabei nicht automatisch, dass das Piercing verloren geht.
Entscheidend sind:
Ja.
Ein Piercing durch Knorpel ist immer eine kontrollierte Verletzung.
Die Nadel durchdringt unter anderem:
Histologische Untersuchungen an durchstochenem Ohrknorpel zeigen, dass unmittelbar am Stichkanal:
Das bedeutet jedoch nicht, dass jedes Knorpelpiercing dadurch krankhaft geschädigt wird.
Solche lokalen Verletzungen gehören zunächst zum mechanischen Trauma des Piercens.
Problematisch wird es vor allem dann, wenn zusätzliche Belastungen hinzukommen.
Eine klinisch relevante Schädigung kann entstehen, wenn das Gewebe nicht nur punktuell verletzt, sondern über längere Zeit weiter belastet oder zusätzlich entzündet wird.
Mögliche Ursachen sind:
Der Knorpel selbst besitzt keine normale eigene Blutgefäßversorgung wie viele andere Gewebe.
Seine Versorgung erfolgt wesentlich durch Diffusion aus dem angrenzenden Perichondrium.
Wird das Perichondrium vom Knorpel abgehoben oder beschädigt, kann die Versorgung des darunterliegenden Knorpels beeinträchtigt werden.
Das ist besonders relevant bei:
In schweren Fällen kann Knorpelgewebe dadurch zugrunde gehen.
Siehe:
Mechanische Schäden entstehen nicht nur durch einen einzelnen starken Unfall.
Auch wiederholte kleinere Belastungen können problematisch sein.
Typische Beispiele sind:
Dabei wird der Schmuck immer wieder gegen denselben Bereich gedrückt.
Das kann zu:
führen.
Weitere Informationen:
Eine zweite wichtige Ursache ist eine stärkere Infektion.
Besonders problematisch ist eine Infektion des Perichondriums.
Diese wird als:
Perichondritis
bezeichnet.
Bildet sich zusätzlich ein Abszess, kann sich Eiter zwischen Perichondrium und Knorpel ansammeln.
Das Perichondrium kann dadurch vom Knorpel abgehoben werden.
Die Versorgung des Knorpels kann dadurch beeinträchtigt werden.
Mögliche Folgen sind:
Siehe:
Bei manchen Piercings befindet sich zwischen Stichkanal und freier Knorpelkante nur eine begrenzte Menge Gewebe.
Das betrifft besonders:
Solange diese Gewebebrücke ausreichend dick und stabil ist, wird der Stichkanal durch Knorpel und umgebendes Gewebe getragen.
Wird diese Struktur jedoch:
kann immer weniger stabiles Gewebe zwischen Piercingkanal und Knorpelkante verbleiben.
In der Praxis kann ein Piercing so aussehen, als würde der Knorpel zunehmend „aufbrechen“.
Medizinisch sollte dieser Begriff vorsichtig verwendet werden.
Möglich sind unter anderem:
Von außen lässt sich nicht immer sicher feststellen, welcher dieser Vorgänge tatsächlich vorliegt.
Deshalb ist die Formulierung:
„strukturelle Schädigung mit Verlust der tragenden Gewebebrücke“
meist genauer als:
„der Knorpel ist gebrochen“.
Der ursprüngliche Stichkanal kann zunächst vollständig durch einen ausreichend breiten Knorpelbereich verlaufen.
Kommt es anschließend zu Gewebeverlust oder struktureller Veränderung, kann sich die Situation verändern.
Vereinfacht:
Ursprünglich:
Hautoberfläche ↓ ausreichend stabiles Knorpel- und Weichgewebe ↓ Piercingkanal
Nach Gewebeschädigung:
Hautoberfläche ↓ reduzierte tragende Gewebebrücke ↓ Piercingkanal
Der Stichkanal liegt dadurch näher an der Oberfläche bzw. an einer freien Knorpelkante.
Nicht im eigentlichen Sinne.
Es ist besser, von einer Kombination aus:
zu sprechen.
Der Schmuck muss also nicht aktiv durch den Knorpel „gedrückt“ werden.
Vielmehr kann das Gewebe, das den Schmuck ursprünglich getragen hat, zunehmend dünner oder instabiler werden.
Wenn die knorpelige Abstützung teilweise verloren geht, kann der Schmuck zunehmend von:
gehalten werden.
Dieses Gewebe besitzt möglicherweise nicht mehr dieselbe mechanische Stabilität wie die ursprüngliche Position.
Dadurch kann sich der Stichkanal weiter verändern.
Ja.
Wenn die tragende Gewebebrücke immer dünner wird, kann das Piercing zunehmend in Richtung Hautoberfläche oder Knorpelkante wandern.
Diesen Vorgang bezeichnet man als:
Migration.
Eine Migration kann langsam über Wochen oder Monate verlaufen.
Mögliche Zeichen sind:
Weitere Informationen:
Wenn die Gewebebrücke immer weiter abnimmt und der Schmuck schließlich vollständig aus dem Gewebe herausgelangt, spricht man umgangssprachlich vom:
Herauswachsen oder Abstoßen des Piercings.
Migration und Herauswachsen sind dabei keine völlig getrennten Vorgänge.
Das Herauswachsen kann das Endstadium einer fortschreitenden Migration darstellen.
Siehe:
Beim Tragus und beim Forward Helix kann zwischen Stichkanal und freier Knorpelkante nur relativ wenig Gewebe vorhanden sein.
Die individuelle Anatomie unterscheidet sich erheblich.
Bei manchen Menschen steht ein breiter und stabiler Knorpelbereich zur Verfügung.
Bei anderen ist die Struktur:
Dadurch können schon kleinere Veränderungen der Gewebebrücke deutlich sichtbar werden.
Zusätzliche Faktoren können sein:
Weitere Informationen:
Bei Piercings an der äußeren Helixkante liegt der Stichkanal teilweise ebenfalls relativ nahe an einer freien Knorpelkante.
Wird die verbleibende Gewebebrücke zunehmend dünner, kann das Piercing:
Deshalb sollte bei Helixpiercings nicht nur auf Rötung und Schwellung geachtet werden.
Auch die Position des Stichkanals im Verhältnis zur Knorpelkante ist wichtig.
Eine länger bestehende starke Infektion oder ein Abszess kann Gewebe schädigen.
Dadurch kann nach Abklingen der Entzündung:
Die Eiteransammlung „schiebt“ das Piercing dabei nicht einfach nach außen.
Entscheidend ist vielmehr die mögliche Schädigung bzw. der Verlust von Gewebe.
Siehe:
Eiter am Piercing – Entstehung, Bedeutung und mögliche Folgen
Eine Knorpelschädigung muss nicht zwangsläufig als sichtbare Wulst erscheinen.
Umgekehrt bedeutet eine sichtbare Wulst nicht automatisch, dass der Knorpel selbst geschädigt ist.
Eine Verdickung kann beispielsweise aus:
bestehen.
Siehe:
Mögliche Hinweise sind:
Diese Veränderungen sollten über einen Zeitraum verglichen werden.
Fotos können dabei helfen, eine langsame Veränderung zu erkennen.
Bei einer einfachen Reizung können:
auftreten.
Wenn die Ursache beseitigt wird, sollten diese Beschwerden im Verlauf wieder abnehmen.
Bei einer strukturellen Schädigung verändert sich dagegen häufig zusätzlich:
des Piercings.
Knorpel besitzt nur eine begrenzte Regenerationsfähigkeit.
Kleine Verletzungen können durch Reparatur- und Umbauprozesse stabilisiert werden.
Größere strukturelle Defekte werden jedoch nicht zwangsläufig wieder durch identisches ursprüngliches Knorpelgewebe ersetzt.
Es kann zu:
kommen.
Deshalb ist es wichtig, eine fortschreitende strukturelle Schädigung möglichst früh zu erkennen.
Eine Kontrolle ist sinnvoll, wenn:
Eine frühe Beurteilung ist besonders wichtig, bevor nur noch sehr wenig Gewebe den Schmuck trägt.
Eine medizinische Abklärung ist besonders wichtig bei:
Siehe:
Bei Knorpelpiercings sollte nicht nur gefragt werden:
„Ist das Piercing entzündet?“
Ebenso wichtig ist:
„Bleiben Position, Gewebedicke und Knorpelform stabil?“
Ein Piercing kann relativ reizarm aussehen und trotzdem langsam seine tragende Gewebebrücke verlieren.
Deshalb sind Veränderungen von:
wichtige Warnzeichen.
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